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Wo gibt man wie viel? Der Trinkgeldguide für den nächsten Urlaub

Trinkgeld
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Von Europa über Nordamerika bis Asien: So geben Sie weltweit angemessen Trinkgeld und zeigen Wertschätzung – ohne Fettnäpfchen. Unser Guide erklärt, wie viel Trinkgeld in welchen Ländern üblich ist.

In Österreich ist das Thema Trinkgeld derzeit in aller Munde. Und das nicht nur bei Gästen und Servicekräften, sondern auch auf politischer Ebene. Die Diskussion dreht sich vor allem um die steuerliche Behandlung von Trinkgeldern und die Einführung unterschiedlicher Pauschalen in den Bundesländern. Während viele Betriebsinhaber:innen und Mitarbeiter:innen auf eine bundesweit einheitliche Regelung pochen, um Rechtssicherheit zu schaffen, betonen Politiker:innen und Wirtschaftsvertreter:innen, dass Trinkgeld ein freiwilliges Zeichen der Wertschätzung bleiben sollte.

Doch wie viel Trinkgeld ist eigentlich angemessen und wann gibt man es überhaupt? Während in manchen Ländern das Trinkgeld eher locker gehandhabt wird, ist es in anderen fast Pflicht. Wer hier gut informiert ist, vermeidet peinliche Momente und zeigt gleichzeitig Wertschätzung für guten Service. Ein kleiner Guide, damit der nächste Restaurantbesuch entspannt gelingt.

Trinkgeld in Europa: freundlich, aber meist freiwillig

Deutschland & Österreich
In vielen europäischen Ländern ist Trinkgeld eher ein Dankeschön als eine feste Verpflichtung. In Deutschland und Österreich zum Beispiel wird in Restaurants oft einfach aufgerundet. Eine Rechnung von 27 Euro wird gerne auf 30 Euro aufgestockt – das entspricht knapp 10 Prozent. Wer besonders zufrieden war, kann auch etwas mehr geben. Wichtig: Das Trinkgeld wird in der Regel direkt beim Bezahlen genannt, also nicht still auf dem Tisch liegen lassen.

Frankreich
In Frankreich ist die Servicegebühr (»service compris«) häufig schon in der Rechnung enthalten. Das heißt aber nicht, dass man kein Trinkgeld geben sollte. Ein kleiner Betrag, etwa fünf bis zehn Prozent, ist trotzdem üblich, besonders wenn der Service freundlich oder aufmerksam war. In Bars oder Cafés reicht auch ein Euro für den Kaffee oder das Glas Wein.

Italien
In Italien sorgt oft das sogenannte »coperto« (eine Pauschale fürs Gedeck) für Verwirrung. Diese Gebühr ist kein Trinkgeld und landet nicht beim Servicepersonal. Anders als in manchen anderen Ländern ist Trinkgeld in Italien nicht zwingend üblich oder erwartet – es gilt eher als nette Geste. Besonders in touristischen Regionen freuen sich Kellner:innen dennoch über ein paar Euro extra, idealerweise bar auf dem Tisch. In Restaurants kann man den Betrag aufrunden oder ein kleines Trinkgeld dalassen – je nachdem, wie zufrieden man mit dem Service war. In Bars hingegen ist Trinkgeld eher unüblich.

Spanien & Portugal
Auch auf der Iberischen Halbinsel ist Trinkgeld zwar nicht verpflichtend, aber gerne gesehen. In einfachen Lokalen reicht das Aufrunden auf den nächsten vollen Betrag. In besseren Restaurants oder bei mehrgängigem Dinner sind fünf bis zehn Prozent angebracht. Das gilt auch für Hotelpersonal oder Taxifahrer:innen.

Skandinavien
In Ländern wie Schweden, Norwegen oder Dänemark ist der Service meist im Preis enthalten. Die Löhne sind höher, das Personal gut bezahlt. Trotzdem freut man sich auch hier über ein aufgerundetes Trinkgeld oder einen kleinen Betrag von fünf bis zehn Prozent, besonders bei sehr gutem Service.

Nordamerika: Trinkgeld ist hier Teil der Rechnung

USA
In den USA läuft das ganz anders: Trinkgeld ist quasi ein Muss – und zwar richtig großzügig. Da das Grundgehalt vieler Servicekräfte oft sehr niedrig ist, machen die Trinkgelder den Großteil ihres Einkommens aus. Standard sind hier 15 bis 20 Prozent vom Rechnungsbetrag, je nach Servicequalität auch mehr. Wichtig: Die Preise auf der Karte verstehen sich ohne Steuern, denn diese kommen erst beim Bezahlen dazu. Das Trinkgeld berechnet man also auf den Gesamtbetrag inklusive Steuern. Kein Trinkgeld zu geben gilt hier als unhöflich und kann sogar zu unangenehmen Situationen führen. Daher ist es ratsam, großzügig zu sein, wenn der Service passt.

Kanada
Auch in Kanada ist Trinkgeld tief in der Servicekultur verankert. In Restaurants, Taxis oder beim Friseur sind 15 bis 20 Prozent üblich. Besonders in Städten wie Toronto oder Vancouver sind diese Erwartungen fest etabliert. Wer bar zahlt, sollte den Betrag direkt ins Trinkgeldfeld auf dem Kassenzettel eintragen oder einen Geldschein auf dem Tisch hinterlassen.

Lateinamerika: So läuft's mit dem Trinkgeld

Mexiko
In vielen lateinamerikanischen Ländern gehört Trinkgeld zur gängigen Praxis. In Mexiko sind zehn bis 15 Prozent im Restaurant die Regel. In touristischen Gegenden wird das Extra-Budget fast vorausgesetzt. Auch im Hotel ist ein kleines Trinkgeld für Reinigungspersonal oder Gepäckservice üblich und wird oft sogar erwartet.

Brasilien & Argentinien
In Brasilien ist meist eine Servicegebühr von zehn Prozent in der Rechnung enthalten. Trotzdem geben viele Gäste ein zusätzliches Trinkgeld, vor allem bei aufmerksamem Service. In Argentinien dagegen wird Trinkgeld eher bar gegeben. Rund zehn Prozent sind der Standard, das Geld bleibt meist direkt auf dem Tisch liegen.

Afrika: von Land zu Land unterschiedlich

Ägypten
In Ägypten ist »Bakschisch« (so nennt man dort das Trinkgeld) mehr als ein »Tip«, denn es ist ein allgegenwärtiger Teil des sozialen Gefüges. Fast jede Dienstleistung, vom Koffertragen bis zum Tischabräumen, wird mit einem kleinen Geldschein honoriert. In Restaurants sind zehn Prozent üblich, selbst wenn bereits eine Gebühr auf der Rechnung steht. Kleingeld sollte man also immer griffbereit haben!

Marokko
Auch in Marokko gehört Trinkgeld zum guten Ton. In Restaurants liegt der Richtwert bei rund zehn Prozent. In Cafés kann man auch mit kleineren Beträgen (etwa fünf Dirham) ein positives Signal setzen. Hotelangestellte, Fahrer oder Reiseleiter freuen sich ebenfalls über eine kleine Anerkennung, besonders in touristischen Regionen.

Tunesien
Trinkgeld ist auch in Tunesien gängig. In Restaurants oder Hotels werden fünf bis zehn Prozent erwartet, Zimmermädchen erhalten pro Nacht etwa einen Dinar. Anders als in Europa aber ähnlich wie in den USA ist Trinkgeld hier ein wesentlicher Bestandteil des Einkommens. Zurückhaltung wirkt oft schnell unhöflich.

Südafrika
In Südafrika orientieren sich die Trinkgeldregeln an westlichen Standards. In Restaurants sind zehn bis 15 Prozent angemessen. In Hotels ist es üblich, dem Personal zum Abschied ein gemeinsames Trinkgeld zu übergeben. Wer mit dem Mietwagen unterwegs ist, wird häufig von freiwilligen Parkwächtern betreut. Auch hier gilt: Ein kleiner Schein ist angebracht.

Asien: variiert stark

Japan & Südkorea
Japan ist die wohl bekannteste Ausnahme in der globalen Trinkgeldlandschaft. Hier gilt: Kein Trinkgeld – niemals. Service ist Teil der kulturellen Haltung und ein extra Geldschein kann schnell als peinlich oder sogar beleidigend wahrgenommen werden; so auch in Südkorea. Höflichkeit, Pünktlichkeit und ein freundliches Danke haben hier höheren Stellenwert als Bargeld.

China
Auch in China ist Trinkgeld traditionell unüblich, zumindest in lokalen Restaurants oder staatlichen Betrieben. In internationalen Hotels oder Touristenzentren ist ein kleiner Betrag aber inzwischen akzeptiert. Wichtig ist Zurückhaltung und Diskretion.

Thailand & Vietnam
In Thailand sind fünf bis zehn Prozent im Restaurant üblich – in Touristenorten sogar mehr. Auch bei Massagen oder im Hotel freut sich das Personal über kleine Anerkennungen. In Vietnam ist die Erwartungshaltung ähnlich: Ein paar Dong mehr werden gerne genommen.

Großbritannien und Irland: etwas anders

Im Vereinigten Königreich und Irland werden meist zwischen 10 bis 15 Prozent Trinkgeld gegeben. Einige Restaurants berechnen jedoch eine Service Charge, die das Trinkgeld abdeckt. Wie immer gilt: Vor dem Bezahlen die Rechnung prüfen!

Australien und Neuseeland: locker, aber gerne gesehen

In Australien und Neuseeland ist Trinkgeld nicht verpflichtend, aber bei gutem Service durchaus gern gesehen. Oft rund 10 Prozent, besonders in gehobenen Restaurants.


Hannah Speyer
Hannah Speyer
Chefin vom Dienst Digital
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