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Ein Weinstil wird erwachsen: Die Sieger der Orangeweine Trophy

Verkostung
Vins Naturels
Naturwein

Sommelière Valentine Mühlberger und Chefredakteurin Romana Echensperger verkosteten sich durch die Welt der Orangeweine. Ein Stil, den wir seit Jahren mit Neugier, aber auch mit gesunder Skepsis begleiten – gespeist aus Erfahrungen mit nicht immer gelungenen Weinen.

Zweifelsfrei – diese Kategorie ist erwachsen geworden. Orangewein, im Kern ein wie Rotwein auf den Schalen vergorener Weißwein, zeigt heute eine bemerkenswerte Differenzierung. Es sind Geschmäcker, die sich nicht mehr irgendwie ereignen, sondern mit Fokus und Können der Winzer entstehen.

Mehr Genuss, weniger Statement. Mehr Präzision, weniger Zufall. Zwar noch nicht in so konstanter Qualität wie bei etablierten Weinstilen – doch immer mehr Spezialisten beherrschen das Orangewein-Handwerk auf sehr hohem Niveau. Viele hervorragend gereifte Beispiele hier belegen zudem: Diese Weine besitzen die Substanz, um von Flaschenreife profitieren zu können. Diese Trophy ist also mehr als ein Ranking – sie ist die Momentaufnahme eines Wein­­stils, der sich klar profiliert hat. Unsere wichtigsten Eindrücke und Erkenntnisse dieses Tastings haben wir hier zusammengefasst.

Präzision und gelungene Spielarten

Zugänglich, frei von Fehltönen und mit präzise eingesetztem Gerbstoff und Trink­­fluss. Das Image des »Rachenputzers« ist passé – das Gerbstoff-Management beherrschen die Winzer heute. Allerdings bleibt Alkohol ein sensibler Faktor: Zu hohe Werte lassen den durch Gerbstoff und oftmals Heferückstände ohnehin kraftvollen Körper schnell behäbig, ja regelrecht korpulent wirken. Die besten Weine lagen bei maximal 13 Prozent, viele Spitzenweine deutlich darunter.

Auch stilistisch gibt das Thema viel her. Lange war Orangewein das gallische Dorf der Weinwelt: kantig, störrisch, eigenwillig, mitunter mehr Haltung als Genuss. Heute zeigt er eine große Bandbreite: von kernigem Grip bis zu eleganter, balancierter Stilistik. Neben bewusst trüben, hefebetonten Weinen stehen klare Varianten mit stärkerem Fruchtfokus. Orangewein ist kein klar definiertes Profil, sondern ein Spektrum, in dem jeder seinen Favoriten finden kann.

Rebsorten & Cuvées neu entdecken

Entgegen gängiger Annahmen tritt die Rebsortencharakteristik oft erstaunlich klar hervor – in neuer Gestalt. »Eigenschaften werden freigelegt, die bislang im Verborgenen lagen – fast wie archäologische Funde«, so Sommelière Valentine Mühlberger.

Gewürztraminer etwa gewinnt durch längere Maischestandzeiten deutlich an Tiefe. Die intensiven Aromen, die bei herkömmlichen Weinen oft losgelöst oder parfümiert wirken, werden hier in ein großes Ganzes eingewoben. Hinzu kommt die dem Traminer eigene ölige Textur, die ein völlig neues Erleben dieser Rebsorte ermöglicht.

Grauburgunder, häufig als eher neutral wahrgenommen, zeigt plötzlich Kante und Spannung. Muskateller betört mit Blütenduft und seidiger Textur. Und auch Silvaner, gerne vorschnell als schlichter Spargelwein abgetan, beweist, dass die längere Maischestandzeit seine Komplexität erst richtig freilegt. Spannend ist zudem, wie sich Cuvées neu denken lassen: Riesling fehlt in der Orange-Version bisweilen der Schmelz, Traminer hingegen kann schnell zu opulent wirken – gemeinsam jedoch entstehen Weine von großer Balance.

Aufmerksamkeit lohnt sich

Orangeweine sind keine Easy-Drinking-Weine. Ihre Struktur verlangt Aufmerksamkeit – und belohnt sie. Ihre Gerbstoffe geben eine feine Bitternote mit. Diese wirkt nicht störend, sondern belebend – fast wie ein Spritzer Zitrone. Die Gerbstoffe sind mundwässernd, regen den Appetit an und verleihen den Weinen eine vibrierende Dynamik.

Kulinarisch überzeugen sie zu würzigen, intensiven Speisen. Wo klassische Weine an Grenzen stoßen, spielen sie ihre Stärken aus. Zugleich besitzen viele eine kontemplative Qualität – Weine, die auch für sich allein bestehen. Was bei dieser Verkostung ins Glas kam, ist kein Randphänomen mehr, sondern ein klares Signal: Orangewein hat seine wilde Jugend hinter sich gelassen – und zeigt heute seine ganze Klasse.

ZUM GESAMTEN TASTING

1. Platz

Strahlendes Bernstein mit kupfernen Reflexen, klar. Sehr einladende Nase nach grünem Tee, Popcorn und Pfeifentabak, dazu Macis, Haselnuss, Nussmus und Paranuss sowie getrocknete...
Baden, Deutschland

2. Platz ex aequo

Dunkles Bernstein mit roséfarbenem Stich, trüb. Sehr komplexe Nase nach Mandarine, Litschi, orientalischem Gewürzbasar, Wildrosen, Potpourri, weißem Pfeffer, türkischem...
Burgenland, Österreich

2. Platz ex aequo

Dezent trüb, Bernstein mit kupferfarbenen Reflexen. Komplexes Bukett nach Rosenpaprika, Jalapeño, Anis und Bergpfeffer, dazu Nussmus, Erdbeere, Kirsche und Wermut. Am Gaumen...

3. Platz

Hellgelb mit grünen Reflexen. Duft nach Apfel, Sternrenette, kandierter Ingwer, Taubnessel und Rucola. Trocken, mit frischem Säurezug und feinkörnigen Tanninen, sehr saftig und...
Steiermark, Österreich

Sortenprofil


Orangewein
Orangeweine brauchen Luft. Große Gläser und ein frühzeitiges Öffnen sind oft entscheidend, um ihr volles Spektrum zu entfalten. Die Trinktemperatur sollte leicht gekühlt sein und je nach Struktur variieren zwischen zehn und 14 Grad, mit steigender Temperatur und bei zunehmendem Gerbstoffanteil.

 


Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 3/2026

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Romana Echensperger
Romana Echensperger
Wein-Chefredakteurin Deutschland
Valentine Mühlberger
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