»Nullkommaeins«: Warum reden alle über dieses Hamburger Wein-Pop-up?
Noch bis Ende August verführt das »Nullkommaeins« in St. Pauli mit Dirty Donuta, außergewöhnlichen Weinen und lässiger Pop-up-Atmosphäre – wer weiß, wann die drei Gründer wieder auftauchen.
Manchmal geht es schnell und die Nachricht einer neuen Gastronomie spricht sich in kürzester Zeit in der Stadt herum. So geschehen in Hamburg St. Pauli mit der Pop-up-Bar »nullkommaeins«, die in »nullkommanix« bekannt wurde. Plötzlich schwärmten alle, die etwas von gutem Essen verstehen, vom Dirty Donut, dem Soup Dumpling, »unfassbar geilen« Schnecken, die mit scharfer 'Nduja-Wurst gratiniert werden und außergewöhnlich guten Weinen.
Nur einen Steinwurf von Reeperbahn und Billig-Alkohol entfernt zeigen Clara Hunger, Jan Johannsen und Lino Wizani, wie lässig gute Weine und gutes Essen zusammenpassen. Lino Wizani und Jan Johannsen haben unter anderem eine gemeinsame Station im »100/200« hinter sich, Clara Hunger war bis zuletzt Sous-Chefin im Berliner »Tulus Lotrek«, wo auch Lino Wizani als Sommelier für die Gäste da war.
Gemeinsame Sache wollten die drei Freunde schon seit Jahren machen, zu Beginn des Jahres bot sich die Chance und sie griffen zu. Ihr Pop-up soll ein Probelauf für künftige gemeinsame Pläne sein.
Unbescheiden einzigartig
Und dieser Probelauf ist vielversprechend, sowohl auf dem Teller als auch im Glas. Der knusprig-frittierte »Dirty Donut«, der zum Stadtgespräch wurde, ist süffig-fettig-würzig mit Garnelen und Schweinebauch gefüllt und liegt in einer Thai-Chili-Sauce (hot!), Cheddar der Extraklasse, den man optisch auch für Butter halten könnte, schmilzt im Mund zu einer würzigen Creme und der knackige Kopfsalat verbindet sich mit Limettendressing, Erbsencreme und knusprigen Reisflakes zu einem kleinen Texturen-Spektakel.
Dazu gibt’s Weine aus einer Karte, die die drei recht unbescheiden als »einzigartig« in Hamburg beschreiben. »Kein Fokus auf Regionen oder Rebsorten, sondern geile, unkonventionelle Weine. Das bedeutet: naturbelassen, handwerklich gut gearbeitet und fernab vom Klischee der überoxidierten und dreckigen Orangeweine«, sagt Lino Wizani. Schwerpunkte sind die Regionen Burgund, Loire, Jura, Piemont, Toskana und Spanien. Einer seiner persönlichen Favoriten: Domaine Petit Roy, Savigny-lès-Beaune »Les Goudelettes« 2022. »Dahinter steckt Seiichi Saito. Wenn ein junger Japaner im Burgund Wein macht, ist das schon mal ein gutes Zeichen«, findet der Sommelier. Den Ausnahmewein beschreibt er mit »knackig, saftig, kalkwürzig, salzig, mit unfassbarer Energie und schönem Trinkfluss«.
Im Hinterkopf behalten
Die Idee hinter dem Konzept mit der anspruchsvollen Weinkarte und gleichzeitig lässigem Ambiente: »Wenn man Lust hat, mal etwas besser zu trinken, funktioniert das in Hamburg oft nur mit hohen Hürden, etwa in Sternerestaurants oder Luxushotels. Moderne Wein-Gastronomie bedeutet aber für uns: Gutes Essen und gute Weine beißen sich nicht mit lauter Musik und trubeliger Baratmosphäre«, sagen die drei Freunde.
Ende August ist am jetzigen Standort erstmal Schluss, Lino Wizani geht vorübergehend noch einmal als Sommelier ins »Tulus Lotrek«, immer mal wieder soll es aber einzelne Pop-ups geben. Es lohnt sich also, die drei (zum Beispiel auf Instagram) im Blick zu behalten. Sie tauchen sicherlich wieder auf.
Di – Sa | 16 Uhr – open end
Nur Walk-ins
Rendsburger Str. 14, 20359 Hamburg