Niño Fjordside Andersen, Agnes Karrasch und Christian Chytil © Herbert Lehmann

Christian Chytil (re.) schaut Niño Fjordside Andersen und Agnes Karrasch beim Zubereiten der »Counter Attack«-Köstlichkeiten zu.

© Herbert Lehmann

»Erleben wir gerade die TikTok-isierung der Gastronomie, Herr Chytil?«

5 internationale Spitzenköch:innen bringt Impacts Catering mit seinem »Counter Attack« nach Wien. Christian Chytil erzählt im PROFI-Interview, was der Unterschied zu anderen Fine-Dining-Pop-ups ist, welche Herausforderungen es bei der Umsetzung gab und wie Social Media die Gastronomie verändert.

von Alexander Schöpf
01. Dezember 2023

PROFI: Wie ist die Idee zu »Counter Attack« entstanden?

Chytil: Ich habe Agnes (Karrasch – Anm. d. Red.), die früher Cateringleiterin bei Impacts war, gebeten, für unsere Küchenmitarbeiter:innen einen Workshop zum Thema Vegan & Vegetarisch abzuhalten. Als wir uns dann zusammengesetzt haben, um die Details zu besprechen, hat sie erzählt, dass das »Koks« (Restaurant auf den Faröer-Inseln, in dem Agnes Karrasch Sous Chefin ist – Anm. d. Red.), im November und Dezember in die Winterpause geht und ihr und Niño Fjordside Andersen deshalb ein wenig fad sei. Daraus ist dann die Idee entstanden, ein Pop-up zu machen.

Die einzige Prämisse war, das Thema Fine Dining und Pop-up neu zu denken. Agnes hat vorgeschlagen, dass sie ihre Freunde und Kollegen Niño Fjordside Andersen, Daniel Juráš, Amalie Dalsgaard Jensen und Gareth O’Brien für das Projekt gewinnen könnte. Der Gedanke war, dass diese fünf Spitzenköch:innen einfach das kochen, was sie schon immer kochen wollten – teilweise auch Dinge, die sie in ihren Restaurants so nicht umsetzen können, weil es dort nicht ins Konzept passt. Daraus ist dann die Idee des »Counter Attack« entstanden: 20 Speisen in zwei Stunden und wir sagen im Vorfeld nicht, was es gibt. Das heißt, dass alle sechs Minuten ein neues Gericht serviert wird und dazu gibt es eine passende Getränkebegleitung. Da ist von Ale-Bier über französischen Rotwein bis hin zu Filterkaffee alles dabei. Es wird auch wenige bis keine Erklärungen zu den Gerichten geben. Es soll primär um den Genuss gehen.

Das Ganze wird als »Not another fine dining Pop-up« vermarktet, obwohl es, so wie Sie es beschreiben, schon so klingt, als wäre es ein Fine-Dining-Pop-up. Hatte das rein marketingtechnische Hintergründe oder habe ich da einfach etwas falsch verstanden?

Was es von anderen Fine-Dining-Pop-ups unterscheidet, ist die Location. Das ist im Grunde genommen eine Baustelle, die mit den wichtigsten Dingen bestückt ist: Dazu gehören eine mobile Küche, die mit allen notwendigen Geräten, die Agnes braucht, ausgestattet ist sowie ein Küchen-Counter bzw. -Tresen, damit die 20 Gäste Platz haben. Uns geht es darum, dass sich die Gäste auf den Geschmack konzentrieren und sich nicht von der Tapete an der Wand oder ob das getäfelte Holz zum Sessel passt, ablenken lassen. Es soll sich wirklich ums Essen und die Getränkebegleitung und dieses zweieinhalbstündige kulinarische Erlebnis drehen. Das ist es, warum wir »Not another fine dining Pop-up« sind.

Wo lagen für Sie als Cateringunternehmen die größten Herausforderungen in der Umsetzung des Konzepts?

Auf der einen Seite die Küchengeräte: Wenn wir Caterings für bis zu 5.000 Personen machen, dann brauchen wir natürlich entsprechend große Küchengeräte. Wenn Agnes jetzt für 20 Personen mit dem Lineal irgendwas ausschneidet, dann braucht es dafür eine andere Ausstattung. Das gilt auch für das Geschirr. Wir haben deshalb mit WMF für den »Counter Attack« einen entsprechenden Partner. Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch im Einkauf Herausforderungen: Wir müssen etwa schauen, ob wir Produkte, die für den »Counter Attack« benötigt werden, bei unseren Lieferanten bekommen oder ob wir uns anderweit umsehen müssen. Im Cateringbereich versuchen wir jeden Handgriff zu vermeiden, damit wir die größtmögliche Geschwindigkeit erreichen. Bei Agnes ist es hingegen so, dass es bei der Zubereitung und dem Anrichten der Speisen so viele Handgriffe und so viel Feinheit und Verspieltheit gibt, die wir uns im Catering natürlich nicht leisten könnten. Im Grunde versuchen wir ein bisschen Catering mit Fine Dining zu verbinden.

Fine-Catering quasi …

(lacht) Ja, also für 20 Personen gerne, für 500 wird es ein Problem.

Die Gäste werden mit 20 Gängen in zwei bis zweieinhalb Stunden »attackiert«. © Herbert Lehmann
Die Gäste werden mit 20 Gängen in zwei bis zweieinhalb Stunden »attackiert«. © Herbert Lehmann

Es scheint, als gäbe es zurzeit einen Trend hin zu Pop-up-Restaurants. Haben Sie eine Erklärung, warum dieses Konzept im Moment so angesagt ist?

Ich glaube, das liegt daran, dass wir grundsätzlich immer gerne was erleben wollen – egal ob das nun spezielle Locations oder besondere Gerichte sind. Zudem braucht es ab und zu auch eine Abwechslung zum Wirten ums Eck, zu dem man regelmäßig hingeht. Und für etwas Spezielles bietet sich ein Pop-up einfach an. Wenn der Wirt ums Eck auf seine Tafel draufschreibt, dass Agnes und Niño morgen zum Kochen kommen, dann wird das wahrscheinlich keiner mitkriegen.

Das heißt, es hat also durchaus einen marketingtechnischen Hintergrund …

Ja, natürlich, und es ruft bei den Gästen eine andere Erwartungshaltung hervor. Man weiß nicht genau, was einen erwartet und das macht es dann zu etwas Besonderem. Dazu kann auch die Location beitragen. Auf der Baustelle etwa, wo wir den »Counter Attack« veranstalten, wird es, wenn einmal fertig gebaut ist, nie wieder ein Fine Dining geben.

Hat der Pop-up-Trend auch damit zu tun, dass wir gerade gewissermaßen eine TikTok-isierung der Gastronomie erleben? Sprich, alles wird schnelllebiger, die Aufmerksamkeitsspanne der Menschen wird immer kürzer und man will ständig in irgendeiner Form neu bespaßt werden.

Ja, ich denke, da sprechen Sie einen guten Punkt an. TikTok und andere Soziale Medien ermöglichen es, dass man bestimmte Themen – wie etwa eine spannende Location oder ein innovatives Essenskonzept – auf den Punkt und unmittelbar transportieren kann. Wenn es die Leute dann ausprobiert haben, muss aber auch schnell wieder etwas Neues her. Das birgt im Gegenzug auch Herausforderungen für die Gastronomie – und die Spitzengastronomie im Besonderen. Ein Restaurant oder permanentes Lokal zu eröffnen und zu betreiben, erfordert mittlerweile ein Investment von mehreren Millionen Euro. Das bedeutet wiederum, dass es über mehrere Jahre gut laufen muss, um dieses Investment wieder reinzubekommen. Mit einem Pop-up-Restaurant hat man die Möglichkeit, diese Risiken zu vermeiden oder zu minimieren, da das Ganze zeitlich begrenzt und deutlich überschaubarer ist.

Abschließend würde mich noch interessieren, wie der Name »Counter Attack« eigentlich entstanden ist?

»Counter Attack« deshalb, weil die Gäste an einem Küchen-Counter sitzen und Agnes, Niño, Tim und die anderen Köche sie in zwei bis zweieinhalb Stunden mit 20 Gerichten »attackieren«.


Location & Termine

  • 1. Dezember, 20 Uhr | 2. Dezember, 12 Uhr | 4. Dezember, 20 Uhr
  • 5. Dezember, 20 Uhr | 6. Dezember, 20 Uhr | 7. Dezember, 20 Uhr
  • 8. Dezember, 14 und 18 Uhr | 9. Dezember, 12 Uhr
  • 11. Dezember, 20 Uhr | 12. Dezember, 20 Uhr
  • 14. Dezember, 20 Uhr | 15. Dezember, 20 Uhr | 16. Dezember, 12 Uhr

Location: Wollzeile 16, 1010 Wien

HIER gehts zu den Tickets

Lesenswert

Rawlston Williams Karibik Rezept - Falstaff PROFI

Winzige Weißfische, mit Gewürzen knusprig gebraten: Damit können Sie Ihre Gäste im Sommer überraschen!

© NICO SCHINCO

Streetfood aus der Karibik: Rawlston Williams’ Tri Tri Fritters

Karibische Küche lebt von Gewürzen, Texturen und mutigen Aromen. Rawlston Williams bringt mit seinen Tri Tri Fritters ein Stück Saint Vincent auf den Teller. Ihre Gäste werden das Gericht lieben, vor allem im Sommer!

Rawlston Williams Karibik Rezept - Falstaff PROFI

So bunt wie die Karibik sind auch die Rezepte in Rawlston Williams »Caribbean Cookbook«.

© Phaidon Verlag, canva.com

Buch der Karibik: Rawlston Williams exotisches Koch-Kompendium

Am Image kann es nicht liegen! Und doch erfuhr die Karibik als eine der wenigen Weltgegenden kaum Beachtung als Kücheninspiration. Der New Yorker Chef Rawlston Williams ändert das. Bunte Rezepte, die ideal für den Sommer sind und die er in 28 Inselnationen sammelte.

ZU TISCH - Falstaff PROFI

Tausende Besucher strömten in den kleinen oberfränkischen Ort Wirsberg.

© Jesper Hilbig

Genuss und Wissen: »ZU TISCH!« zeigt, wie Foodfestivals heute funktionieren

Über 80 Manufakturen und Köche sowie mehr als 50 Workshops, Tastings und Talks: Das Festival »ZU TISCH!« erzeugt Aufmerksamkeit weit über die Grenzen Frankens hinaus – und hat sich längst vom Genuss-Event zur Plattform entwickelt.

Kulinarisches Paznaun - Falstaff PROFI

TVB Paznaun-Ischgl

© Von Juli bis Oktober 2026 verwandeln sich neun ausgewählte Hütten und Almen im Paznaun in besondere Genussstationen.

Gipfel der Genüsse: Gourmetköche warten im Paznaun auf 2.000 Metern

Regionale Produkte allein reichen oft nicht mehr aus, um Gäste zu begeistern. Im Paznaun setzt man deshalb auf eine enge Zusammenarbeit von Produzenten, Hüttenwirten und Spitzenköchen – und macht daraus ein touristisches Gesamtkonzept.

Rezept Massimo Bottura - Falstaff PROFI

Optisches Highlight: Diese Lasagne erfreut nicht nur den Gaumen, sondern auch das Auge.

© Lena Staal / STAAL & JOHS

Lasagne à la Bottura – italienische Glückseligkeit für Gaumen und Auge

Spitzenkoch Massimo Bottura verwandelt die klassische Lasagne in ein komplexes Gericht für Profis – vielschichtig, geschmacklich ausbalanciert und perfekt ausgeführt. Falstaff empfiehlt dazu einen rubinfarbenen Roten vom Weingut »Drei Donà« in der Emilia-Romagna.

Wer seine Karte modernisieren, jüngere Zielgruppen ansprechen oder einfach einen starken Eyecatcher braucht, liegt mit dem Crunchy Kimchi Burger genau richtig.

© Foto beigestellt

Produkt der Woche: Crunchy Kimchi Burger

Advertorial

Der Crunchy Kimchi Burger bringt frischen Wind auf Ihre Karte – laut, bunt und maximal im Trend. Der Food-Hype aus Südkorea liefert genau das, was Gäste heute lieben: echte Gemüsestücke, internationale Trendgeschmäcker und richtig viel Crunch.

Meist gelesen

Köche kochen für die Krebshilfe

Prominente Unterstützung für die »Österreichische Krebshilfe«: Jenny Frankl und Bernhard Murg vom »Kabarett Simpl« mit Bio-Spitzenköchin Clara Aue und ihrer Charity-Kreation.

© Moving Stills

Im Marktrestaurant Gutes tun: »HEU & GABEL« kocht für die »Krebshilfe«

Bio-Spitzenköchin Clara Aue, Jenny Frankl und Bernhard Murg vom Kabarett Simpl zeigten bei Sonnenschein am Meidlinger Markt, wie viel Wärme entsteht, wenn Genuss und guter Zweck aufeinandertreffen.

Carl Petrini - Falstaff PROFI

Carlo Petrini verstarb im Mai 2026. Er war Publizist, Soziologe und gründete die internationale Slow-Food-Bewegung.

© MikeDotta/shutterstock.com

Das Vermächtnis des Carlo Petrini: Erstes Slow-Food-Festival in Wien

Mit dem Tod des Slow-Food-Gründers verliert die Gastro-Welt eine ihrer prägendsten Stimmen. Nur wenige Wochen später zeigt ein neues Event-Format, wie stark Petrinis Ideen gerade heute prägen.

Familie Blochberger Eis-Greissler - Falstaff PROFI

Milch übrig: Georg und Andrea Blochberger machten aus einer kreativen Idee eine erfolgreiches Unternehmen.

© Eis-Greissler

Eis

15-Jahr-Jubiläum: Wie der »Eis-Greissler« aus einer Notlösung ein Geschäftsmodell machte

Mit »Schnitzel«- und »Grammeleis«: Der »Eis-Greissler« feiert Jubiläum und zeigt, wie sich aus einem einfachen Produkt durch Storytelling, Erlebnisse und mutige Ideen eine starke Freizeitmarke entwickeln lässt.

Vina Graz - Falstaff PROFI

Hommage an die Mama: Thi Ba Nguyen (links) und ihre Suppe dürfen auch auf dem Top-Level nicht fehlen!

© Roland Graf

Fine Dining auf Vietnamesisch: Das »Vina« Graz schwimmt gegen den Strom

Es ist ein Statement gegen Spar-Wahn. Und eines, das dem Gästewunsch folgt: Zusätzlich zu den Streetfood-Klassikern bietet Robert Nguyen ein aufwändiges Sechs-Gang-Menü. Mit dabei natürlich auch: die Suppe von seiner 85-jährigen Mutter.

Café Central

Auch in der digitalen Welt beliebt: Das Café Central führt mit großem Abstand beim Hashtag-Ranking auf Instagram.

© shutterstock.com/Cheungjoproduction

Kaffeehauskultur funktioniert auch digital: »Café Central« führt Hashtag-Ranking an

Laut einer Hashtag-Analyse der »APA Comm« ist das »Café Central« das beliebteste Wiener Kaffeehaus auf Instagram. Besonders internationale Gäste machen die Traditionshäuser der Stadt auf Social Media zu beliebten Fotomotiven.

Experten aus der Branche zu Gast bei PROFI-Chefredakteur Roland Graf – Diskussion über die Vergangenheit und Zukunft der Branche.

© Jan Tiam Dorfer

Der PROFI Round-Table Wein: Die große Analyse der Branchen-Experten

Sieben Kenner des Umsatzes mit Wein analysieren die Unlust am Konsum. Ein hochkarätiger PROFI-Round-Table über Limits der Kalkulation, vor allem aber darüber, wie man heute die Weingenießer von morgen erreicht.

Der Newsletter für echte Profis

Be inside and take your chance! Regelmäßige Karriere-Updates aus Gastronomie und Hotellerie, kostenlos in Ihr Postfach!