Bachls Restaurant der Woche: Anton’s Tafel
Anton Rusnak, der die Gelato University in Bologna absolvierte, bietet in »Anton’s Tafel« in Wien neben Eis auch Genussmenüs an.
Es gibt Wiener Viertel, wo man kilometerweit gar nichts oder nur Fragwürdigkeiten zu essen bekommt. Und es gibt Grätzel, wo sich aus rätselhaften Gründen unzählige Lokalitäten quasi zusammenrotten. So ein gastronomisches Phänomen ist der alte Ortskern von Ober St. Veit rund um den Wolfrathplatz. Wer in den noblen Hietzinger Gassen flaniert, entdeckt in den Biedermeierhäusern mehrere Heurigenlokale, zwei Italiener, eine Weinbar und neuerdings den wahrscheinlich ungewöhnlichsten Eissalon von Wien. Erstens, weil das Eis so exzellent ist, dass es auch im Winter nachgefragt wird. Und zweitens, weil hier an vier Abenden pro Woche Essen serviert wird, das an die frühere Vita des Patrons anknüpft.
Anton Rusnak werkte an renommierten Adressen in Hamburg und Wien und zuletzt im »City Lok« in der Operngasse, dem Vorgängerlokal von »Ali Ocakbasi«. Später absolvierte er gemeinsam mit seiner Frau Irina die »Carpigiani Gelato University« in Bologna. Um nun beiderlei zu verschränken. Tagsüber gibt’s Eis aus erstklassigen Zutaten über die Gasse. Hinter der Eistheke liegt ein Mini-Restaurant, wo Rusnak ein viergängiges »Genussmenü« serviert, für mehr Angebot wäre kein Platz in der »Puppenküche«.
Zu wohlfeilen € 35,– gibt’s etwa gerolltes Rinder-Carpaccio mit roten Rüben, Blaumohn und Feigen-Eis, getrüffelte Erdäpfel-Lauchcremesuppe, Wolfsbarschfilet auf Safranrisotto und Chili-Paradeisern und eine herausragende Prosecco-Bellini-Eismakrone im Großformat. Ein paar anständige Weine und Bier von der Wiener Kleinbrauerei »100 Blumen« sind vorrätig. Kein Lokal, für das man halb Wien durchquert. Dass aber im Umfeld nun regelmäßig Küchen kalt bleiben, merken die Rusnaks am Zuspruch zu ihrem ungewöhnlichen Konzept.
Anton’s Tafel
Hietzinger Hauptstraße 174
1130 Wien
T: +43 1 8762485
www.antons.at