Bachls Restaurant der Woche: »Fürstenstand«
Das Restaurant in Graz bietet nicht nur einen grandiosen Blick und eine tolle Weinkarte. Hier steht auch solide Kost auf dem Programm.
»Und was des Kaisers Auge hat entzückt, die Westaussicht bleib frey und unverrückt.« Derlei wurde anlässlich eines allerhöchsten Besuchs getextet, als Kaiser Franz I. mit Bruder Erzherzog Johann am 30. Juny (sic!) 1830 den Grazer Hausberg Plabutsch bestieg. Zu Ehren der beiden Herren wurde der Gipfel Fürstenstand genannt. 2023 erwarb die Messgeräte-Firma Anton Paar das Areal, renovierte die schneckenförmige Aussichtswarte und baute heuer ein Restaurant mit spektakulärem Stadtblick dazu. Dort hinauf kommt man wie Kaisers zu Fuß, kämpft sich per Auto über die teils abenteuerlich enge Straße hinan oder bucht ein Sammeltaxi. Ein Sesselliftprojekt liegt seit ewig in einer Schublade. Droben staunt man über ein schönes Ausflugslokal mit Lamperie, warmen Tönen und Kaminofen. Das Team ist freundlicher kaum vorstellbar, Sebastian Tropper im Service und Küchenchef Florian Vorraber dienten einst im Grazer »Landhauskeller« und fanden hier wieder zusammen.
Mit »bodenständig« ist die Küche definiert, ohne sehr großen Appetit sollte man eher nicht mehrgängig speisen wollen. Schon die kleine Version des Rindfleischsalats reicht für zwei, Scheiben von mürbem Rind sind rustikal mit Käferbohnen, Tomate, Paprika, Gurke und Ei angemacht. Noch ein Riesenteller: Steinpilzravioli mit Asmonteschaum und Kräutersalat. Wobei nett wäre, wenn lieber weniger Teigtaschen ein bisserl mehr nach Pilz schmecken würden. Oder die Zitronentarte mehr zitronig. Des Weinliebhabers Auge entzücken dürfte die Weinkarte, die weit über bodenständig hinaus geht. Château Figeac 2009, Sassicaia, Roederer Cristal oder Pössnitzberg Kapelle von Sabathi – auch so was wird hier zum Graz-Blick offeriert.
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