Das »Sodoma« nachgeschmeckt: Zwischen Tradition, Küche und gelebter Wirtshauskultur
Die zweite Generation Sodoma führt das Traditions-Gasthaus im niederösterreichischen Tulln wie eh und je.
Unter Österreichs legendärsten Gastwirten nahm Josef »Pepi« Sodoma stets eine Sonderrolle ein. Sein Tullner Gasthaus »Zur Sonne« nannte niemand so, seit Jahrzehnten fuhr man »zum Sodoma«. Gemeint waren er als Gastgeber und die exzellente Küche seiner Frau Gerti. Und wenn Samstagabend der letzte Gast weg war, ging es richtig los – die Sodomas setzten sich ins Auto und brausten zu den besten Weingütern im Süden oder den feinsten Restaurants Europas. Das hatte zwei Auswirkungen: einen vor allem im Kapitel Italien bestbestückten Weinkeller. Und eine Küche, die stets viel mehr bot als Beliebigkeiten.
Vor ein paar Jahren haben sich diese beiden Sodomas – nun in den 70-ern – in den ersten Stock des Hauses zurückgezogen. Unten übernahmen fließend die Kinder Susanne als Gastgeberin und Markus als Küchenchef – beide in den 50-ern. Und was ist der Unterschied? Keiner. Der geschmorte Ochsenschlepp in Nussbutter mit Pioppini – »sehr heißer Teller« – ist Soulfood wie eh und je. Die Grammelknödel mit warmem Krautsalat haben Referenzcharakter. Immer wieder taucht Neues auf wie Frühlingsrolle vom Beinfleisch mit Paprikakraut. Als Sommelier und Mann für alles agiert Jan Finz fast wie ein weiteres Familienmitglied. Wer wissen will, was Kontinuität heißt, sollte hier einkehren.
3430 Tulln an der Donau
Österreich