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Karibik? Nein. Der Wörthersee verwöhnt mit türkisgrüner Trinkwasserqualität und liefert unverdünnten Urlaubsgenuss.

Karibik? Nein. Der Wörthersee verwöhnt mit türkisgrüner Trinkwasserqualität und liefert unverdünnten Urlaubsgenuss.
© Bernhard Pichler-Koban

Gourmet am See: Kärntens gastronomische Schatzkiste

Kärnten
Kulinarik
Wörthersee
Restaurant

In Kärnten funkeln allerorts Seen und gastronomische Perlen. Die Kombination macht die Region zu einer Schatzkiste für ganzheitlichen Genuss.

Noch schläft der See. Still und wellenlos liegt er wie ein samtiges Tuch in der Landschaft. Über der Wasseroberfläche hängen Frühnebelfetzen, eine Ente löst sich aus dem glitzernden Gegenlicht der aufgehenden Sonne. Sie setzt aufgeregt schnatternd zum Landeanflug an, während die eigenen Füße vom Steg baumeln, gerade zu kurz, um den See wachzukitzeln. Der Wörthersee kleckert in Sachen Kitsch nicht. Er klotzt. Am besten verifizieren lässt sich das am Pyra­midenkogel. Mit 100 Meter Höhe steht dort der höchste, aus Holz errichtete Aussichtsturm der Welt. Dieser Superlativ garantiert Überblick. Man sieht die undramatischen Hügelbänder, die den See einrahmen. Man bestaunt die Felsformationen des Grenzgebirges im Süden, die den See beschützen. Und man erkennt viele der kulinarischen Pflicht­adressen, die es auf einer Radtour rund um den größten Badesee Kärntens zu besuchen gilt.

Die Runde führt vom Strandbad Klagenfurt über das Nordufer nach Velden und über die Süduferstraße wieder retour: knapp 40 weitgehend flache Kilometer. Schaffbar. Nach einem ersten Aussichtstopp auf der Halbinsel Pörtschach, wo einem am Steg des »Jilly Beach« (guter Sonnenuntergangsspot!) der See und die Bergkulisse der Karawanken zu Füßen liegen, geht es ein kurzes Stück weiter zum Hotel »Schloss Seefels«. Mit dem »La Terrasse« und dem »Porto Bello« warten hier gleich zwei gastronomische Hotspots entlang der »österreichischen Riviera«.

Diese Bezeichnung verdankt Kärntens größter See nicht nur der hohen Dichte an lässig-luxuriösen beziehungsweise herausgeputzten historischen Immobilien entlang der Ufer, sondern auch seiner funkelnden türkis-blau-grünen Farbe. Sie entsteht durch einen Mix aus Algen, der Sonnenlichteinstrahlung, deren Streuung und Reflexion sowie den über die Zuflüsse aus den Bergen eingeschwemmten Kalkpartikeln. »Diese Teilchen streuen das Licht und sorgen für die charakteristische Färbung«, erklärt Maria Friedl vom Institut für Seenforschung, die 2021 eine umfassende Studie zum Wörthersee erstellt hat. Und während Plankton und damit die Fische im Sommer in tiefere Schichten abtauchen, tauchen immer mehr Erfrischung suchende Gäste in den See ein. Das mediterrane Klima mitten in den Alpen und die angenehme Wassertemperatur wirken magnetisch.

Hundert Meter über Grund überblickt man vom Aussichtsturm am Pyramidenkogel den Wörthersee und sein Hinterland.
© Gert Steinthaler
Hundert Meter über Grund überblickt man vom Aussichtsturm am Pyramidenkogel den Wörthersee und sein Hinterland.

Symphonie der Aromen

Weiter geht es über Saag nach Velden. Das »Schlosshotel« ist ein idealer Ort für eine Pause zur Hälfte der Strecke. Der schönbrunngelbe Bau am Westende des Sees prägt die Bucht, der Blick übers Wasser erscheint hier endlos. Auch kulinarisch kennt man keine Grenzen – und bietet Gourmetgenuss im Doppelpack-Angebot: ein Abendessen im schlosseigenen »Seespitz«, wo Thomas Gruber mit saisonalen Slow Food-Kreationen brilliert, plus anderntags ein fünfgängiges Menü im Restaurant von Hubert Wallner – einem vielfach ausgezeichneten Primgeiger der heimischen Spitzengastronomie – in Maria Wörth. Versprochen wird dort »eine Symphonie aus Aromen, die die Sinne verzaubert«.

Für die geschmackliche Magie sorgt Wallner mit seinen aromareichen Cross-over-Kunstwerken, für das Verwöhnen der Augen der Terrassenblick auf den See und die nahe gotische Wallfahrtskirche, die wie ein Leuchtturm auf einer felsigen Halbinsel steht. Dabei hat man die Wahl: Entweder man genießt den Sonnenuntergang im Freiluftambiente oder indoor im stylishen Restaurant – reserviert ist jeweils beides und die Tische werden auch nur einmal pro Abend vergeben. Stress und Hektik? Haben an dieser vor drei Jahren eröffneten Feinschmeckeradresse Lokalverbot.

Von Maria Wörth geht es im letzten Teil der Seeumrundung an Reifnitz und Maiernigg mit dem Komponierhaus von Gustav Mahler vorbei. Zum Abschluss fährt man entlang der Sattnitz weiter Richtung Lendkanal und zurück zum Startpunkt.

Von der »österreichischen Riviera« zur »Karibik der Alpen« sind es knapp neunzig Autominuten. Mit diesem – zugegeben mehrmals vergebenen – Beinamen schmückt sich der Weißensee mit Hinweis auf die Klarheit seines Wassers, in dem keinerlei Schwebstoffe die Aussicht vernebeln. Diese Qualität schätzen nicht nur Taucher und Schwimmer, sondern auch die Fischer, die Forellen und Hechte, Karpfen und Barsche aus dem See holen. Zu hochwertigen Spezialitäten verarbeitet werden sie beispielsweise im – nomen est omen – Restaurant »Die Forelle«. »Wir verkochen und verarbeiten nur Produkte aus österreichischer Landwirtschaft, die zu den jeweiligen Saisonen reif, üblich, typisch und von höchster Qualität geerntet werden«, umreißt Hannes Müller die Leitlinie seiner »Berg.See.Küche«.

Neben den Fischen aus dem See ergänzen unter anderem Krainer Steinschafe vom eigenen, mehrere hundert Jahre alten »Zöhrer-Bauernhof« die Zutatenliste. Garniert wird das Angebot durch ein umfassendes Weinsortiment und einen umwerfenden Blick auf den See. Seinen Namen verdankt er den weißen Seekreidebänken, die durch eingeschwemmte Kalkpartikel aus den umliegenden Bergen der südlichen Kalkalpen, durch Reste von Schneckenhäusern und durch auskristallisierten Kalk aus Algen- und Pflanzenarten entstanden.

Herrlich unverbaut

Wie ein Fjord zieht sich der Weißensee so auf einer Länge von rund zwölf, weitgehend unverbauten Kilometern durch ein vom einstigen Draugletscher in die Landschaft geschürftes Tal am Fuße der Gailtaler Alpen. An seiner breitesten Stelle misst der von mehreren unterirdischen Quellen gespeiste See gerade einmal 900 Meter, an seiner engsten Stelle spannt sich die Weißensee-Brücke über das Wasser. Auf der Stichstraße Richtung Osten gelangt man hier zum »Loewenzahn«, wo ein junges Küchenteam rund um Jakob Lilg und Marcell Kunej eine gehobene, aber nicht abgehobene Gourmetküche zelebriert, die dank kunstvoller Zubereitung auch das Auge des Betrachters begeistert.

50 Kilometer nordwestlich liegt mit dem Millstätter See zwar nicht der größte oder höchstgelegene, aber mit über 140 Metern tiefste und wasserreichste der Kärntner Seen. Zwölf Strandbäder und fünf freie Seezugänge laden zum Baden, gastronomische Topadressen verwöhnen von Seeboden über Millstatt bis Döbriach mit kulinarischen Genussversprechen.

Eingelöst wird es etwa in der See-Villa »1884«, wo man anlässlich des 140-Jahr-Jubiläums ein neues À-la-Carte-Restaurant gebaut hat. Christian Unterzaucher verwöhnt mit einem Mix aus moderner internationaler und traditioneller regionaler Küche, wobei der Fokus auf fangfrischem Fisch, Kräutern aus dem eigenen Garten und Wild aus der eigenen Jagd liegt. Man bekommt die ganze Vielfalt der Region auf den Teller serviert. Einem deckungsgleich hohen Qualitätsanspruch folgt man im »Seefischer« in Döbriach. Auf der Hafenveranda werden aromareiche Kreationen mit Alpe-Adria-Touch im Kleid raffinierter Fünf-Gang-Menüs serviert. Der sechste Gang? Der Blick in den Sonnenuntergang, wenn das Wasser satt glitzert, die Betriebsamkeit des Tages abflaut und der See langsam einschläft.

Hafen vor der Haustüre: Beim »Seefischer« am Millstättersee ankert die Erholung. Man muss nur an Bord gehen.
© Romantik SPA Hotel Seefischer, Daniel Roos
Hafen vor der Haustüre: Beim »Seefischer« am Millstättersee ankert die Erholung. Man muss nur an Bord gehen.

Top-Adressen

Techendorf 80
9762 Weißensee
Österreich
Seeplatz 6
9082 Dellach
Österreich
©Gourmetrestaurant Hubert Wallner/Werner Krug 2021
Töschling 1
9212 Pörtschach am Wörther See
Österreich
Töschling 1
9212 Pörtschach am Wörther See
Österreich
Schlosspark 1
9220 Velden am Wörther See
Österreich
Seestraße 68
9872 Millstatt
Österreich
Foto beigestellt
Alfredweg 5–7
9210 Pörtschach am Wörther See
Österreich
Tangern 2
9871 Seeboden
Österreich
Fischerweg 1
9873 Radenthein
Österreich
Foto beigestellt
Kaiser-Franz-Josef-Straße 331
9872 Millstatt
Österreich

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Erschienen in
Falstaff Magazin Österreich Nr. 5/2024

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Klaus Höfler
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