Was wurde aus den Ex-Lokalen von Martin Ho? Ein Überblick
Vier Lokale haben an den ehemaligen Ho-Locations neueröffnet, nach außen ist der Gastronom aber nicht mehr an ihnen beteiligt: Die Nachfolgeprojekte und wo der Name Ho doch noch auftaucht.
Innerhalb von nur wenigen Wochen eröffneten gleich vier der ehemaligen DOTS-Restaurants von Marin Ho neu – unter anderen Namen und mit mal mehr, mal weniger neuen Konzepten. Offiziell haben die Nachfolgeprojekte nichts mehr mit dem Szenegastronom zu tun. Sein Name taucht jedoch weiterhin auf.
Die aktuellste Neueröffnung: Die »Cosmo Kitchen« im Hotel »The Leo Grand«. Das Restaurant ersetzt das ehemalige »DOTS at The Leo Grand« am Bauernmarkt 1 im 1. Bezirk. Es ist eines der drei insolventen Ho-Lokale, die auch die Arbeiterkammer (AK) beschäftigen.
Die Unternehmen wechselten Namen, Geschäftsführer und Inhaber, um kurz darauf Insolvenz anzumelden. So geschehen beim besonders kuriosen Fall »DOTS Establishment« – der nun noch größere Ausmaße annimmt.
- Die drei insolventen »DOTS«-Lokale: Bao Lynn Flowers (ehemals Dots Nussdorf), Rixi Seven Personalverwaltung (Dots Establishment) und Rixi One Personalverwaltung (Dots at The Leo Grand).
- Das »DOTS Establishment« wurde laut AK erst von der »Rixi Seven Personalverwaltung« betreiben, nach der Insolvenz übernahm »HG Operating« (»vormals Ho Gallery«). Als die »HG Operating« in Insolvenz geschickt wurde, übernahm die »MH 36 Gastronomie GmbH«, diese ist seit Oktober 2024 insolvent.
Wie Ludwig Dvořák von der AK Wien auf Falstaff-Anfrage erklärt, wuchst die Summe der nicht bezahlten Löhne von ursprünglich 240.000 Euro um weitere 400.000 Euro an. Der Grund: Das »DOTS Establishment« wurde bis Ende August weiter betrieben und Mitarbeiter beschäftigt, während die wechselnden Firmen wiederholt Insolvenz anmeldeten, zuletzt die Ho-nahe »MH 36 Gastronomie GmbH«. Diese ist seit Oktober insolvent.
»Werden die Lohnforderungen der Betreibergesellschaft zu ernst, wird sie in Insolvenz geschickt und ein neuer Betreiber aus dem Ho-Universum übernimmt, der wieder Löhne schuldig bleibt. Dadurch müssen wir die Ansprüche immer wieder neu geltend machen. Konservativ geschätzt gehen wir von insgesamt 700.000 Euro offenen Lohnforderungen aus«, so Dvořák. Die AK brachte außerdem eine Sachverhaltsdarstellung wegen des Verdachts auf Betrugs bei der Staatsanwaltschaft ein.
Die »DOTS«-Gruppe weist die Vorwürfe wiederholt zurück: »Zum aktuellen Zeitpunkt sind uns weder offene Forderungen noch Ermittlungen oder Verfahren gegen Unternehmen, die sich im direkten oder indirekten Einflussbereich von Martin Ho befinden, bekannt.«
In eigener Hand
Zurück ins Hotel »The Leo Grand«: Betrieben wird dortige »Cosmo Kitchen« ab sofort vom Hotel selbst, wie Inhaber Martin Lenikus bei einem Medientermin erklärt. Hos Name fällt auch hier, nicht unbedingt mit Unmut. Man hat sich im Guten getrennt, wie es heißt.
Zum Neustart des Restaurants gehört eine sanfte Umgestaltung sowie der neue Küchenchef István Törzsök, der zuvor acht Jahre im »Park Hyatt Vienna« die Küche leitete. Sein Konzept: eine durchdachte Fusionsküche für Casual Fine Dining. Statt Luxus-Sushi und asiatischer Fusion-Küche in »DOTS«-Manier setzt man verstärkt auf österreichische Produkte und vereint sie mit französischen, ungarischen und orientalischen Einflüssen.
Weiterhin im Clubgeschäft
An zwei anderen Nachfolgeprojekten ist Ho über seine »RHC Invest GmbH« (ehemals »DOTS Beteiligung GmbH«), an der er 49% hält, weiterhin beteiligt. Das Unternehmen ist sozusagen die Muttergesellschaft. So auch beim kürzlich wiedereröffneten Club »X« in der Wollzeile 19. Ehemals nur für Mitglieder mit Schlüssel oder Passwort zugänglich, wurde der Club umgebaut und ist laut Instagram nun »offen für alle, aber Mitglieder zuerst«.
Ein ähnliches Konstrukt findet man beim einstigen »Hidden Club« auf der Mariahilfer Straße 36, der wegen Lärmbeschwerden von Anrainern und angeblich fehlender Genehmigungen Schlagzeilen machte. Der Club heißt nunmehr »CiCi«, das dahinterstehende Unternehmen »Dots Club GmbH« wurde in die »XXKIX GmbH« umbenannt – auch hier hält die Dachgesellschaft 55%. Auf der Webseite der DOTS-Gruppe – die ein Impressum vermissen lässt – wird der »Hidden Club« weiterhin aufgeführt.
Streit um Wiedereröffnung
Als Geschäftsführer des »CiCi« wird ein Familienmitglied von Ho sowie Chris Edy aufgeführt, der in der Vergangenheit bereits fünf Clubs der Dots-Gruppe leitete. Edy ist laut »DOTS«-Gruppe ein »langjähriger Wegbegleiter und vertrauter Partner«. Neu an dem Club ist die Homepage – ebenfalls ohne Impressum – sowie der Instagram-Auftritt. Beim Design scheint man dem intensiven Rotton und schweren Samtvorhängen vorerst treu geblieben zu sein.
Dass Ho ein Interesse am Club hat, zeigt auch seine Rolle im Streit um die Neueröffnung: Neubau-Bezirksvorsteher Markus Reiter (Grüne) hatte in einer Stellungnahme die Prüfung der »wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und die insolvenzrechtliche Situation« gefordert. Mit dem Ergebnis, dass die Eröffnung verschoben werden musste, weil Genehmigungen nicht erteilt wurden. Ho schrieb daraufhin auf Instagram: »Was nun Markus? Willst du wirklich die längste Einkaufsstrasse töten? You should listen to me!«
Italienische Küche statt Luxus-Sushi
Szenenwechsel zwei Stockwerke höher: Das über dem Club liegende ehemalige Sushi-Restaurant »DOTS Establishment« hat als »Cellini« mit neuen Eigentümern eröffnet. Auch sie sind keine Unbekannten.
Küchenchef und Geschäftspartner Carlo Neumann kochte im »Le Méridien«, beim verstorbenen Spitzenkoch Reinhard Gerer im »Magdalenenhof am Bisamberg« und machte bei Hos Projekt »101« Station, genauer im Membersclub »X« sowie in der Aperitivo-Bar »Newman«. Mit an Bord des »Cellini« sind als Partner Florian Schagerl, Betreiber des Süddecks in Tulln und Roman Dorn. Letzterer realisiert mit Ho die Uhrenboutique »One of One Concept Store«, ebenfalls auf der Wiener Seilerstätte.
Beteiligt soll Ho am »Cellini« nicht sein, auch kulinarisch erinnert im Restaurant jedenfalls nichts mehr an das ehemalige Sushi-Konzept. Stattdessen setzt man auf die Küche Italiens und Südfrankreichs sowie ein Sharing-Konzept: Arancinis auf Rinderagout, Vitello tonnato, verschiedenste Pasta sowie frischer Fisch sind zum Teilen gedacht. Die neapolitanische Pizza hat man »amerikanisch« interpretiert, also dünn, knusprig und mit dünnem, statt dem traditionell dicken Rand.
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