»Wieninger.next«: Geschwister denken den Wiener Heurigen neu
Mit viel Eigeninitiative, familiärer Unterstützung und einem frischen Blick auf alte Traditionen wollen sie zeigen, dass der Wiener Heurige Zukunft hat – auch für eine neue Generation.
Die Geschwister Sophie, Kathi und Maxi Wieninger gehören zu den jüngsten Heurigenwirt:innen Wiens. Unter dem Namen »Wieninger.next« betreiben sie einen Pop-up-Heurigen in den Weingärten von Stammersdorf. Im Interview spricht Sophie Wieninger über Beweggründe, Familienarbeit und neue Wege für die Wiener Heurigentradition.
Falstaff: Was war der Auslöser für das Projekt »Wieninger.next«?
Sophie Wieninger: Wir sind eine sehr aktive Familie und probieren gern Neues aus. Gleichzeitig sehen wir in Stammersdorf, dass viele traditionelle Heurige schließen. Dem wollten wir etwas entgegensetzen und der Heurigentradition neues Leben einhauchen. So entstand die Idee, einen temporären Heurigen auf unserem familieneigenen Weingut zu eröffnen.
Worin unterscheidet sich Ihr Pop-up von klassischen Wiener Heurigen?
Zum einen sicher durch unser Alter – wir sind alle Anfang zwanzig. Gleichzeitig bringen wir durch unsere Großmutter Barbara jahrzehntelange Heurigenerfahrung mit ein. Diese generationenübergreifende Zusammenarbeit ist ein zentrales Merkmal unseres Projekts.
Ihr Pop-up liegt mitten im Weingarten. Warum gerade dieser Ort?
Unser Vater bewirtschaftet das Grundstück schon seit Jahren. Als das angrenzende Heurigenlokal frei wurde, haben wir die Gelegenheit genutzt. Die Lage bietet eine ruhige Alternative zur belebten Kellergasse – ideal für ein entschleunigtes Heurigen-Erlebnis.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit innerhalb der Familie?
Jede:r hat eigene Aufgaben: Maxi arbeitet im Weingarten, Kathi gestaltet Design und Etiketten, ich bin für Organisation und Konzept zuständig. Unsere Oma kocht, unsere Eltern helfen im Hintergrund. Das Projekt ist Teamarbeit auf allen Ebenen.
Wie viel traditionelle Heurigenkultur steckt noch im »Wieninger.next«?
Sehr viel. Gerade durch unsere Oma wird viel Wissen weitergegeben. Wir verbinden diese Tradition bewusst mit einem zeitgemäßen Zugang – nicht als Gegensatz, sondern als Weiterentwicklung.
Was steht kulinarisch auf der Karte?
Klassiker wie Schinkenfleckerl oder Wiener Schnitzel mit Omas Erdäpfelsalat. Daneben gibt es vegane und vegetarische Gerichte wie Käferbohnenhummus oder belegte Sesambagels – alles hausgemacht und zum Teil mit Zutaten aus eigener Ernte.
War das vegetarisch-vegane Angebot von Anfang an Teil des Konzepts?
Ja, weil die Heurigenküche mehr kann als Fleisch. Wir möchten auch Menschen ansprechen, die sich bewusst ernähren – ohne Kompromisse bei Qualität und Geschmack.
Die Weine tragen Namen wie »SoMa« oder »KaSoMa«. Was bedeuten diese?
Es sind Kombinationen unserer Vornamen. SoMa steht für Sophie und Maxi, KaSoMa für Kathi, Sophie und Maxi. Auch die Weinfarben spiegeln sich darin wider – Weiß, Rot und Rosé. Die Namen zeigen, dass es unsere gemeinsamen Projekte sind.
Ist geplant, das Konzept auch an anderen Orten fortzuführen?
Ja, zum Beispiel wieder bei den Wiener Weinwandertagen im Herbst. Dort werden wir in kleinerer Form präsent sein. Weitere Schritte sind denkbar, aber noch nicht konkret geplant.
Wie sieht Ihre langfristige Vision für »Wieninger.next« aus?
Wir möchten unsere Generation für Wiener Wein begeistern – mit Qualität, Nachhaltigkeit und Freude am Genuss. Gleichzeitig wollen wir selbst weiterlernen, experimentieren und ein Stück Wiener Heurigenzukunft mitgestalten.
Krottenhofgasse 155, 1210 Wien