10 Tipps für ein perfekt unperfektes Weihnachtsdinner
Wenn an den Feiertagen Familie und Freunde zu Besuch kommen, hat die Stunde des Gastgebers geschlagen. Falstaff hat die zehn Gebote für einen wahrlich gelungenen Abend gesammelt.
Familie und Freunde stehen vor der Tür, das große Fest startet – und der Anspruch von Gastgeber und Gastgeberin ist klar: Alles soll perfekt sein. Dumm nur, dass da so einige Fallstricke lauern – von der richtigen Sitzordnung über den Tischschmuck, von der Weinauswahl bis zu den Speisen, die auch bei Vegetariern und Gästen mit Unverträglichkeiten auf Gefallen stoßen sollen. Und freilich sollen alle Gänge perfekt und rechtzeitig auf den Tisch. Auch die Gesprächsthemen sollte man tunlichst im Auge behalten – vor allem, wenn Politik und Religion am Tisch Einzug halten, ist es mit der Besinnlichkeit oft rasch vorbei. Dem umsichtigen Gastgeber könnte man an dieser Stelle die Lektüre des »Knigge«, des Standardwerks unter den Fibeln für gutes Benehmen, ans Herz legen.
Es geht aber auch einfacher: Falstaff hat zehn Tipps und Tricks gesammelt, die zum Gelingen jedes Festmahls beitragen können. Der Tenor, den auch die Kommunikationsexpertin Katerina Vetter Kapagiannidou in ihrem neuen Buch »Was Gäste glücklich macht«, anstimmt: Nicht alles muss heutzutage perfekt sein! So darf man beim Schaumwein durchaus ein Auge zudrücken, wenn ein Gast ihn mit Orangensaft mischt – und nicht alles müssen die Gastgeber alleine stemmen!
1. Bloß keine Perfektion
Beim Staatsbankett ist sie unabdingbar, in der gemütlichen Familien- oder Freundesrunde ein No-Go: die Perfektion. »Wenn alles zu perfekt und museal wirkt, dann werden die Gäste steif«, sagt Kapagiannidou. »Sie wissen nicht mehr, was sie tun und was sie anfassen dürfen. Das stresst Gäste und Gastgeber gleichermaßen.«
Besser: Ganz bewusst selbst kleine Nachlässigkeiten inszenieren. Die Anekdote von der Gastgeberin, die absichtlich den ersten Weinfleck am Tischtuch verursacht, um den anderen die Furcht vorm Verschütten zu nehmen, ist bekannt. So weit muss es freilich nicht gehen. Aber: Nicht jede Stoffserviette muss zur Perfektion gebügelt sein, nicht jede Blume in der Vase perfekt sitzen. Das nimmt den Druck.
2. Der Griff zum richtigen Wein
Hier sollen Tropfen stehen, die mit Herkunft und Weingut Prestige und Wertschätzung für die Gäste ausstrahlen, zugleich aber keinen überfordern. Kurzum: Weihnachten ist die Zeit für Klassiker. Zum Aperitif passen Champagner, Crémant oder Sekt, am besten in der Kategorie Brut. Ein paar Gramm Zucker in der Dosage haben noch nie geschadet, um einen breiten Geschmack zu treffen. Ruhig eine Flasche wählen, bei der einem nicht das Herz stehen bleibt, wenn die Tante Orangensaft dazumischt. Der Weißwein ist am besten nicht betont trocken und hat nicht zu viel Säure und Holzeinsatz. Ein Grüner Veltliner, Grau- oder Weißburgunder sind eine gute Wahl, auch ein gereifter großer Riesling oder ein Klassiker aus Frankreich. Beim Rotwein darf es vollmundig zugehen. Weihnachten ist die Zeit für gereifte Bordeaux oder Barolo, saftige Ribera del Duero und samtige Burgunder. Und wann, wenn nicht jetzt, kann man endlich einen Süßwein öffnen?
3. Getränke Verlangen nach Dramaturgie
Ein Weinmenü sollte stets einer Dramaturgie folgen. Den Auftakt macht natürlich der Schaumwein, der den Appetit anregt. Werden mehrere Weißweine serviert, sollte ein fassgereifter Weißwein den fruchtbetonten, schlanken Weißweinen folgen. Fassgereifte Weine bringen oft mehr Alkohol und Röstaromen mit, die den zarten Duft und die Frische leichterer Weine nicht mehr wahrnehmen lassen. Bei verschiedenen Rotweinen empfiehlt es sich, mit den jüngeren, fruchtigen und weniger tanninreichen Weinen zu beginnen und die Intensität zu steigern.
Den Ausklang bestimmt schließlich die Kunst des stilvollen Zurückschaltens. Nach mehreren Weinen ist der Alkoholpegel merklich gestiegen, also gönnt man Gaumen und Gästen eine erfrischende Pause. Noch einmal ein Schaumwein oder, besser noch, ein fruchtiger Mosel-Riesling, der mit seinen notorisch niedrigen Alkoholprozenten Wunder wirken kann.
4. Vorsicht bei der Sitzordnung
Wenn die Gäste selbst den Sitzplatz wählen dürfen, »neigen sie dazu, Sicherheit zu suchen«, sagt Kapagiannidou. Heißt: Sie setzen sich neben jene Menschen, bei denen sie sich am wohlsten fühlen. Das ist gut, weil es entspannt. Wer es lieber spannend hat und neue Leute – etwa den Onkel und den Freund der Schwester – zusammenbringen will, der kann freilich eine Sitzordnung festlegen. Dabei hilft wiederum der Knigge: Ein etwaiger Ehrengast sitzt rechts vom Gastgeber oder links von der Gastgeberin; Letzteres aber nur, wenn es sich um einen Mann handelt. Gefährliche Nörgler in der Runde werden neben unterhaltsame Gäste gesetzt, die bestenfalls die Stimmung aller heben. Besonders »amüsante« Gäste, die zur Dauerbespaßung neigen, sollten nicht nebeneinander sitzen. Das kann anstrengend für alle werden. Traditionell sitzen nicht verheiratete Paare nebeneinander – und verheiratete Paare, die schon alles voneinander wissen, getrennt. Wichtig: Der Ehrengast sitzt nicht am Kopfende, hier nimmt eher der Gastgeber Platz.
5. Ein versteckter Gang kann das Tempo rausnehmen
Die meisten Fehler passieren beim Kochen aufgrund des zu hohen Tempos. Alles soll perfekt gegart zur richtigen Zeit in ungewohnt großen Mengen auf den Tisch. Daran kann man schon mal scheitern. Ein kleiner Trick ist der »versteckte Zwischengang«, wie Kapagiannidou ihn nennt. Sie bereitet einen unkomplizierten, kleinen Gang vor, der immer passt – etwa ein leichtes Sorbet. Und dieser wird einfach spontan eingeschoben, falls es mal zu stressig wird. Während alle löffeln, haben die Gastgeber die Möglichkeit, wieder Zeit gutzumachen.
6. Heikle Gespräche: Der Tisch bestimmt die Themen
Politik, Religion oder Erziehung: Beim Familienfest kann fast jedes Thema rasch zum Fauxpas führen oder Debatten entfachen, die man lieber unterlassen hätte. Kann man als Gastgeber lenkend eingreifen? Ja. »Studien zeigen, dass rund ein Drittel dessen, worüber wir reden, davon bestimmt wird, was am Tisch steht«, sagt Kapagiannidou. Die Deko wird also zum kleinen psychologischen Helfer: Schon ein altes Erbstück der beliebten (!) Uroma als Vase kann etwa dabei helfen, die Gäste in (schönen) gemeinsamen Erinnerungen schwelgen zu lassen.
7. Das richtige Glas zum Schaumwein
Hier gibt es keine eindeutige Antwort: Wer Eindruck machen will, greift zur ikonischen Champagner-Coupe. Für den Wow-Effekt stapelt man sie zu einer Champagnerpyramide. Die Coupe liegt perfekt in der Hand, fordert aber eine gewisse »Élégance« im Umgang. Wer sich tollpatschig bewegt oder zu heftig anstößt, verschüttet den Inhalt und steht bedröppelt da. Allerdings verfliegt die Kohlensäure in der Coupe schneller, was den Genuss schmälert. Weinliebhaber schmähen sie, da sich Geschmack und Spritzigkeit nicht entfalten können. Doch beim Schaumwein geht es eben nicht immer nur um die feinen Aromen, sondern auch um Emotionen, die Show und den Lifestyle.
Die klassische Flöte ist weit verbreitet. Hier kann man wunderbar beobachten, wie die Kohlensäure in langen Schnüren aufsteigt. Das Auge trinkt mit. Oft sind diese Flöten kunstvoll gestaltet und ein echter Tischschmuck! Für Weingenießer mit großen Nasen ist es allerdings nicht sonderlich angenehm, daraus zu trinken. Beim Trinken rammt man sich ständig den Glasrand ins Gesicht oder muss seinen Kopf weit nach hinten neigen. Aromen kommen nur schwer zur Geltung, was eine Champagner-Expertin einmal treffend beschrieb: »Champagner aus Flöten zu trinken ist, als würde man Opernmusik mit Ohrstöpseln hören.«
Für den vollen Weingenuss empfiehlt sich letztlich das tulpenförmige Glas. In ihm können sich die feinen Hefearomen entfalten, und ein sogenannter »Moussierpunkt«, der am Boden des Glases eingeschliffen wird, sorgt für gleichmäßige Kohlensäureentwicklung.
8. Keinen Katzentisch für die Kinder
Kinder sollten unbedingt mit den Erwachsenen an einem Tisch sitzen, rät Kapagiannidou. »Gemeinsam zu essen, ist eine Kulturtechnik. Diese sollten wir unseren Kindern vermitteln.« Der sogenannte Kinder- oder Katzentisch am Rande des Raums ist also out. Nicht zuletzt, weil sich gerade ältere Gäste freuen, die Kinder an den Festtagen nah zu haben. Gutes Benehmen könne man von den Kindern getrost einfordern, sagt Kapagiannidou, aber »irgendwann ist auch mal gut«. Für Kinder kann man die Verweildauer am Tisch also verkürzen. Sie dürfen aufstehen und sich aufs Christkind freuen.
9. Mithelfen lassen ist erlaubt
Wie viel Zeit dürfen die Gastgeber in der Küche verbringen? Und wie lange müssen sie bei den Gästen ausharren, um nicht unhöflich zu wirken? Faustregel: Was man vorbereiten kann, soll vorbereitet werden. Alles andere wird live gemacht. Gerade in jüngeren, vertrauten Runden können die Gäste mithelfen, so sie das wollen – freilich nur, wenn es sich um kleine Tätigkeiten handelt. Für gute Stimmung sorgt es oft, wenn man eine gemeinsame Handlungsebene aller Gäste schafft. Sprich: Wenn die Gerichte nicht perfekt angerichtet auf den Tellern an den Tisch kommen, sondern man die Beilagen in Schüsseln reihum gehen lässt. Sharing bringt uns näher zusammen. Positiver Nebeneffekt: Auf diese Weise können auch Vegetarier, Allergiker oder Menschen mit Unverträglichkeiten gleich selbst entscheiden, welche Speisen sie wollen.
10. Schuhe an oder aus, das ist hier die Frage
Hier erhitzen sich nicht selten die Gemüter. Müssen Gäste ihre Straßenschuhe ausziehen, wenn sie Wohnung oder Haus betreten? Nein, findet Kapagiannidou. Gerade an Festtagen haben sich Menschen Gedanken über ein passendes Outfit gemacht – und dazu zählt eben auch die Wahl des Schuhwerks. Und: »Nichts ist unfestlicher, als an der Tür von einem Haufen Schuhe begrüßt zu werden.« Übrigens: Auch Knigge-Experten sehen das so. Wer dennoch unbedingt will, dass die Gäste die Schuhe ausziehen, sollte das bereits in der Einladung vermerken. So kann jeder, der will, zumindest Hausschuhe mitbringen – oder absagen.
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