© Weissenhaus Private Nature Luxury Resort

70 Jahre »Relais & Châteaux«: »Weissenhaus« feiert Doppeljubiläum

Das »Weissenhaus Private Nature Luxury Resort« feiert in diesem Jahr nicht nur sein 10-jähriges Bestehen, sondern auch den runden Geburtstag einer der renommiertesten Hotelvereinigungen der Welt. Natalie Fischer-Nagel und Frank Nagel gewähren Einblicke in die einzigartige Verbindung zwischen dem exklusiven Rückzugsort und einem Netzwerk, das seit 70 Jahren die höchsten Standards in der Hotellerie und Gastronomie setzt.

In der Kieler Bucht trennen die gewöhnliche Welt und einen Ort, den die meisten Menschen wohl erstmals im Frühjahr 2022 nur flüchtig zur Kenntnis genommen haben dürfen, gerade einmal ein Eisentor. Zwei märchenhafte Meerkatzen hüten das Anwesen, das – gut versteckt – eher an einer der schönsten und entlegensten Urlaubsdestinationen der Welt vermutet werden würde, als in Deutschland.

Im Mai 2022 herrschte dort, im schleswig-holsteinischen Wangels, kurzzeitig der Ausnahmezustand. Das »Weissenhaus Private Nature Luxury Resort« wurde damals zum Schauplatz der Weltpolitik und beherbergte die Außenministerinnen und Außenminister der G7-Staaten. Sie wurden mit demselben Versprechen angelockt, das auch den Gästen eines der besten Hotels des Landes versprochen wird: Abgeschiedenheit – an einem der schönsten Orte Deutschlands.

Rückzugsort der Extraklasse

Hier, auf dem 75 Hektar großen Gelände, zu dem ein drei Kilometer langer Naturstrand gehört, feiert man in diesem Jahr ein Doppeljubiläum. Schaut man sich um, überrascht es zu Recht, dass es diesen Ort in seiner jetzigen Form erst seit zehn Jahren geben soll. Dass aus dem über 400 Jahre alten Schlossgut Weissenhaus das gleichnamige Private Nature Luxury Resort wurde, ist dem Hamburger Unternehmer und ehemaligen AOL Deutschland Chef Jan Henric Buettner zu verdanken, der als Kind selbst oft Gast im Café des Dorfes war. 2005 kaufte der heute 59-Jährige das in die Jahre gekommene Anwesen mitsamt seiner Stallungen, reetgedeckten Häusern und seinem Herzstück: dem Schloss, das einst das Café beherbergte. Buettners Ziel: Das Dorf in ein Fünf-Sterne-Hotel zu verwandeln.

Im Juli 2014 erfüllte sich sein Traum: Das »Weissenhaus Private Nature Luxury Resort« öffnete seine Pforten für bis zu 120 Gäste. Heute ist das Anwesen mit seiner weitläufigen Parkanlage, über 40 teilweise denkmalgeschützten Gebäuden, der 2.500 m² großen Schlosstherme und vier Restaurants, darunter das mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete »Courtier«, weltweit als Rückzugsort der Extraklasse bekannt.

Leiser Luxus

Zu verdanken ist das nicht nur dem Mut Buettners, sondern vor allem dem geschäftsführenden Direktor Frank Nagel und seiner Frau, der General Managerin Natalie Fischer-Nagel. Als Gastgeber tragen sie dafür Sorge, dass das Erlebnis Weissenhaus funktioniert und ihre Gäste in einen Bann gezogen werden, der nur schwer zu beschreiben ist. Neben der noch selten zu findenden Entschleunigung und Entspannung schätzen sie vor allem die einzigartige Atmosphäre. Der Luxus und die Abgeschiedenheit hier unterscheiden sich stark vom anonymen Prunk Dubais oder Monacos. Stattdessen liegt der Wohlfühlfaktor in der familiären Atmosphäre.

Er kommt nicht von ungefähr – und nicht alle Menschen haben dieses Talent. Frau Fischer-Nagel und ihr Mann jedoch schon. Erst kürzlich wurden sie von der ahgz (Allgemeine Hotel- und Gastronomie-Zeitung) zu den Hoteliers des Jahres 2024 gekürt. Die Laudatio hielt Philippe Gombert, Ehrenpräsident der internationalen Vereinigung von Luxushotels und Gourmetrestaurants »Relais & Châteaux« – und das aus gutem Grund. Diese »Vereinigung« ist laut Fischer-Nagel viel mehr als das, auch wenn das wohl alle Mitglieder eines Netzwerks behaupten. Weissenhaus gehört seit 2018 dazu, seit 2021 ist Natalie Fischer-Nagel Delegierte für Deutschland und Österreich und Verwaltungsratsmitglied. Und: In diesem Jahr feiert »Relais & Châteaux« sein 70-jähriges Bestehen.

Hoteliers aus Leidenschaft

Natürlich waren es die Franzosen, die 1954 ihren Grundstein legten. Alles begann mit der Idee eines Künstlerehepaares. Marcel und Nelly Tilloy besaßen damals am rechten Rhône-Ufer, in der Ardèche, ein Hotel-Restaurant »La Cardinale«, das, genau wie Weissenhaus, abseits der großen Städte lag. Ihr Traum: Ein Zusammenschluss von unabhängigen Hoteliers, die ihren Gästen abseits der Hektik der Städte, einzigartige Erlebnisse und Momente bescheren. Unter dem Namen »Les Relais de Campagne« gründen am 12. Mai 1954 schließlich acht Häuser die Vereinigung, die 70 Jahre später zu den führendsten der Welt gehören soll. Ihre Häuser, alle entlang der Route Nationale 7 von Paris nach Nizza gelegen, verband von nun an die erste »Route du Bonheur« (Straße des Glücks), auf die noch viele weitere folgen sollten. Heute vereint »Relais & Châteaux« 580 Häuser, in 65 Ländern auf fünf Kontinenten der Welt, teils verbunden durch mittlerweile 146 »Routes du Bonheur«.

Marcel und Nelly Tilloy hatten von ihren Verbündeten klare Vorstellungen, die bis heute gelten. Die meisten Häuser werden von Familien geführt, von Menschen wie Natalie Fischer-Nagel und Frank Nagel, die Gastgeber und Hoteliers aus Leidenschaft sind. Für sie ist es nicht nur wichtig, ihren Gästen einzigartige Momente zu bieten, sondern auch tiefe und langanhaltende Beziehungen zu ihnen aufzubauen und zu pflegen. Das gilt auch für die Mitglieder untereinander. Man glaubt Fischer-Nagel, wenn sie erzählt, dass sie jedes Mitglied am entlegensten Ort der Welt anrufen könnte, um nach Rat zu fragen. Dann fühle sich dieses Netzwerk wie eine Familie an, die die gleichen Ziele verfolgt und dafür eng zusammenarbeitet. Ein Gefühl, dass die Mitglieder nur zu gut kennen. Schließlich baut beinahe ihre gesamte Existenz darauf auf.

Einzigartige Lebensmittelqualität

Und sie ist die Antwort darauf, wie es eine 70 Jahre alte Hotelvereinigung schaffen will, in Zukunft relevant zu bleiben. Stillstand ist keine Option – und bedeutet auch hier Tod. Alle Bemühungen, damit das nicht passiert, entstehen aus »einer Dringlichkeit«, sagt Frau Fischer-Nagel, »wirtschaftlich wie human«. Dabei ginge es ihr nicht um oberflächliche Nachhaltigkeitsbemühungen oder nur darum, die Zahlen zu verbessern. Vielmehr gehe es darum, »einen Ort zu erhalten, an dem wir verwurzelt sind«. Das erfordere nicht nur ein starkes Netzwerk, sondern auch eine enge Zusammenarbeit mit der unmittelbaren Umgebung. Für Weissenhaus heißt das, mit der Welt vor dem Tor zusammenzuarbeiten und voneinander zu profitieren. Wie das aussieht, kann man rund 20 Kilometer weiter erleben.

Hier hat sich die deutsch-schweizerische Unternehmerin und Ökonomin Christiane Leister einen Kindheitstraum erfüllt – und im Sommer 2020 das »Obstgut Schönborn« in Eutin erworben, saniert und für die Zukunft umgerüstet. Auf 90 Hektar entsteht hier ein ökologischer und biologischer Landwirtschaftsbetrieb, der sich dem Anbau saisonaler Produkte und ihrer nachhaltigen Verarbeitung zu hochwertigen Lebensmitteln verschrieben hat. Ein Prozess, der fortlaufend ist. Und weil Christiane Leister gerade zu Beginn der Umbauphase regelmäßig zu Gast in Weissenhaus war und Natalie Fischer-Nagel es »grob-fahrlässig« gefunden hätte »nicht von dieser einzigartigen Lebensmittelqualität zu profitieren«, gehörte das Hotel zu den ersten Kunden, die im Sommer 2022 von Schönborn beliefert wurden. Obst, Beeren, Gemüse und Kräuter finden seitdem den Weg in die Küchen von Christopher Schlang und Christian Scharrer nach Weissenhaus.

Für die Zukunft gerüstet

Was »Relais & Châteaux« nämlich auch auszeichnet: Es ist das Netzwerk, das weltweit die meisten Michelin-Sterne versammelt. 376, darunter 40 Grüne Sterne spiegeln auch die Vorliebe der Gäste für exzellente Gastronomie und Kulinarik wider. Ein Credo, das auch in der klar definierten Philosophie der Vereinigung geschrieben steht: »Eine bessere Welt durch Kochkunst und Gastfreundschaft zu schaffen.«

Weder die besondere Atmosphäre noch der Charme von Weissenhaus lassen sich mit Geld kaufen.

»Es sind nur Merkmale, die ein Unternehmen schön machen, aber das macht es nicht aus, sondern die Gesamtphilosophie, die dahintersteckt«, fasst Frank Nagel am Jubiläumsabend zusammen. Er hat recht: Hohe Standards und Qualität sind zweifellos wichtige Aspekte, die in Bezug auf die Ausstattung und Dienstleistungen in Hotels aber relativ einfach sichergestellt werden können. Sicher ist für Nagel aber auch, dass die meisten seiner Gäste, schon vieles gesehen und erlebt haben. Doch weder die besondere Atmosphäre noch der Charme von Weissenhaus lassen sich mit Geld kaufen – und vielleicht ist es genau das, wonach die Gäste suchen: etwas zu erleben und zu spüren, das unbezahlbar ist. Wie sich das genau anfühlt oder was es konkret ausmacht, ist schwer in Worte zu fassen. Auch Nagel und seine Frau stoßen da an ihre Grenzen, selbst wenn sie die tollsten Adjektive für ihr Resort finden mögen. Doch einig sind sie sich, dass sie mit einer Vereinigung wie »Relais & Châteaux« bestens für die Zukunft gerüstet sind.

Letztendlich bleibt es wie bei den meisten unbeschreiblichen Dingen im Leben: Sie müssen erlebt werden, um verstanden zu werden. Dass noch viele Menschen sowohl »Relais & Châteaux«, als auch Weissenhaus erleben dürfen, darauf stoßen Frank Nagel und Natalie Fischer-Nagel mit ihren Gästen an. Es wird sicher nicht das letzte Doppeljubiläum sein, das hier gefeiert wird.


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Anna Wender
Anna Wender
Redakteurin
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