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© Shutterstock/Zamrznuti tonovi

Was, wenn Fotografieren im Restaurant verboten wäre?

Fotos
Social Media

Kaum steht der Teller auf dem Tisch, wird das Smartphone gezückt. Doch immer mehr Spitzenrestaurants wehren sich gegen Food-Fotografie. Andere wiederum leben von Instagram. Falstaff hat mit zwei Gastronomen gesprochen.

Kaum ist der Teller serviert, greifen viele Gäste mittlerweile automatisch zum Smartphone. Ein kurzer Handgriff, der in der Gastronomie mittlerweile für heftige Diskussionen sorgt. Restaurants bauen ihr gesamtes Konzept auf Social Media auf. Andere versuchen, sich dem permanenten Fotografieren zu entziehen.

Besonders konsequent verfolgt diesen Weg das Berliner Restaurant »Nobelhart & Schmutzig«. Bereits 2015 schränkte das Lokal das Fotografieren stark ein – zu einer Zeit, als Food-Fotografie auf Instagram gerade ihren großen Durchbruch erlebte. »Es kam immer mehr dazu, dass Leute riesengroße Kameras mit ins Restaurant gebracht haben, minutenlang fotografiert und nicht gegessen haben«, erzählt Gastgeber Billy Wagner im Gespräch mit Falstaff. Gleichzeitig habe man einen Raum schaffen wollen, in dem Gäste wieder stärker im Moment seien.

Für Wagner geht es dabei nicht nur um Ruhe am Tisch, sondern auch um die Privatsphäre seiner Gäste. »Nicht jeder möchte ständig fotografiert werden oder irgendwo im Hintergrund eines Videos auftauchen«, sagt er. Und wie hatten die Gäste auf diese Umstellung reagiert? Der Widerstand gegen die Regel sei kleiner gewesen, als das Team erwartet hätte. »Die meisten Gäste finden es toll, dass sie ihr Telefon einfach in der Tasche lassen können«, sagt Wagner. Viele würden die Atmosphäre sogar bewusst suchen. »Sie genießen es, an einem Ort zu sitzen, wo eben nicht alles überwacht wird, die ganze Zeit.«

Sollte es doch vorkommen, dass ein Gast ein Foto macht, wird er höflich darauf hingewiesen, das zu unterlassen: »Wir sagen dann einfach nett, dass bitte keine weiteren Fotos gemacht werden sollen.« Die Regel funktioniere vor allem deshalb, weil sie klar kommuniziert werde: »Wer das akzeptiert, akzeptiert es. Wer nicht, muss ja nicht zu uns kommen«, argumentiert Wagner.

Wirtschaftlich habe das Lokal unter dem eingeschränkten Fotografieren jedenfalls nicht gelitten. Wagner sieht darin sogar eine Gegenbewegung zur digitalen Dauerüberforderung. »Die Leute merken ja selbst, dass ihnen diese permanente Social-Overdose oft zu viel wird«, sagt er. »Wie cool ist es eigentlich, mal auszugehen und wirklich dort zu sein, wo man ist?«

Instagram als moderne Mundpropaganda

Anders sieht das Koch Jing Chen vom Wiener Restaurant »Shin«. Er ist selbst auf Social Media aktiv und sieht Plattformen wie Instagram als selbstverständlichen Teil moderner Gastronomie. »Gute Werbung war immer schon ein großer Teil erfolgreicher Unternehmungen«, sagt Chen zu Falstaff. In seinen Augen habe sich durch Social Media nur die Form verändert: »Von Mundpropaganda über Zeitungen bis hin zu Social Media – das Werben hat sich einfach verändert.« Instagram sei heute »die kostengünstigste und direkteste Variante organischer Werbung«

Gerade neue Restaurants könnten dadurch schnell Reichweite aufbauen und damit neue Gäste anlocken. Aber Chen warnt zur Vorsicht, es gilt, kurzfristige Hypes zu vermeiden: »Wenn ein Konzept nur darauf abzielt, die nächste virale Welle zu reiten, ebbt das oft genauso schnell wieder ab.« Langfristig funktioniere Gastronomie seiner Meinung nach nur über »Authentizität, Konstanz und Leidenschaft«

Dass Gäste im Restaurant fotografieren, empfindet er positiv. »Ich bin immer happy, wenn jemand mein Essen schön fotografiert«, so der Koch. Noch lieber sei ihm aber, wenn die Gäste sofort zu essen beginnen, denn »in der chinesischen Küche soll heiß gegessen werden«

Essen für den Algorithmus?

Social Media habe auch verändert, wie Menschen Restaurants erleben und was ihre Erwartungen an einen Lokalbesuch sind, beobachtet Chen: »Alles muss schneller, mehr und besser sein.« Gäste kämen heute oft bereits mit klaren Erwartungen ins Lokal. Diese seien oft durch Bilder und Videos aus den sozialen Netzwerken geformt worden. Doch er sieht das eigentlich positiv, denn so seien die Gäste neugieriger auf neue Kulinarik geworden.

»Früher gab es Kochsendungen oder Reiseführer, heute bringt der Algorithmus die Neugier direkt zum Menschen«, erklärt Chen den Zugang. Trotz seiner Offenheit gegenüber Social Media versteht Chen aber auch Restaurants mit Handy- oder Fotoverboten. »Wenn jemand nicht als Datei im Internet existieren möchte, dann muss er das ablehnen dürfen«, sagt er.


Miriam Al Kafur
Digital Redakteurin
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