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Falstaff-Talk mit Mansi Jasani: «Ein guter Käse ist einer, der mich glücklich macht»

Interview
Käse
Schweiz

Mansi Jasani ist Käseexpertin und Gründerin von «The Cheese Collective», einem Unternehmen mit Sitz in Mumbai, Indien. Falstaff hat sie in Bern getroffen, wo dieses Jahr die World Cheese Awards stattfanden. Sie ist derzeit das einzige indische Mitglied der Expertenjury, die die zum Wettbewerb eingereichten Käse bewertet.

Falstaff: Wie ist Ihre Liebe zum Käse entstanden?

Jasani: Wie die meisten Menschen war ich zunächst einfach neugierig auf Käse. Ich dachte: «Das ist etwas, das ich liebe, wie kann ich mehr darüber lernen?» Damals lebte ich in New York, also ging ich in einen Käseladen namens «Murray’s Cheese». Für mich war das wie Disneyland, ich wollte alles probieren. Eins führte zum anderen, ich begann dort zu helfen und machte schliesslich ein Käse-«Bootcamp». Wir verkosteten über 60 Käse in drei Tagen, von morgens bis abends. Danach sagten die meisten, sie hätten genug Käse gehabt. Aber ich hätte problemlos noch mehr essen können. Das war ein Wendepunkt für mich, da wurde mir klar, dass ich das für den Rest meines Lebens machen möchte.

Und wie führte das dazu, dass Sie hier bei den World Cheese Awards Jurorin sind?

Ich zog zurück nach Indien und gründete «The Cheese Collective». Wir stellen Käse her und verkaufen ihn, organisieren Events, gestalten Käseplatten, -Körbe, -Tafeln und -Arrangements und machen Pairings. Zudem vermitteln wir Wissen über Käse und schreiben darüber. Ich habe immer weiter gelernt und an Konferenzen und Festivals teilgenommen. So kam es, dass ich von meinem Mentor Carlos Yescas als Jurorin nominiert wurde. Bis heute bin ich die einzige indische Jurorin, worauf ich sehr stolz bin. Zudem war ich in den letzten vier Jahren Mitglied der Superjury. Ich habe das Gefühl, ich kann glücklich sterben – all meine Träume sind schon wahr geworden.

Was sind die grössten Herausforderungen für Sie als Jurymitglied?

An jedem Tisch sitzen zwei oder drei Juror:innen aus verschiedenen Ländern. Der Vorteil ist, dass wir alle unsere unterschiedlichen Geschmäcker und Erfahrungen einbringen. Andererseits kann das auch ein Nachteil sein. Kulturell haben wir so viele Unterschiede. Wie viel Salz wir mögen, zum Beispiel. Was für jemanden stark, würzig oder bitter ist, kann für jemand anderen mild sein. Das führt zu vielen Diskussionen, bevor wir entscheiden, wie wir einen Käse bewerten!

Was ist denn für Sie persönlich ein guter Käse?

Als Jurorin muss ich nach vorgegebenen Kriterien beurteilen: Optik, Geruch, Textur und Geschmack. Aber für mich persönlich ist ein guter Käse einer, der mich glücklich macht. Einer, der mein Herz singen lässt.

Gab es bei den diesjährigen World Cheese Awards eine Entdeckung, die Sie überrascht hat oder sonst besonders interessant war?

Dieses Jahr hatte ich an meinem Tisch nicht viele Überraschungen. Letztes Jahr jedoch gab es einen Käse, in dessen Rinde eine Uhr eingraviert war. Er sah wunderschön aus, aber ich dachte mir: «Ziehe keine voreiligen Schlüsse». Als ich ihn dann probierte, war ich sofort verliebt. Ich habe ihn als meinen Supergold-Käse ausgewählt. Er heisst L’Horloger und kommt aus der Schweiz. Das Konzept der Zeit ist so wichtig für die Käse­reifung, aber auch für die ebenfalls berühmte Schweizer Uhrenindustrie. Es ergibt so viel Sinn! Für mich ist es ein rundum fantastischer Käse.

Das beantwortet wohl auch meine Frage nach Ihrem Lieblingskäse aus der Schweiz?

Nein, tatsächlich ist das ein Käse namens «Chällerhocker».

Die Schweiz ist zum ersten Mal Gastgeberin der World Cheese Awards. Wie haben Sie die diesjährige Ausgabe erlebt?

Indien, meine Heimat, ist besessen von der Schweiz. So viele Bollywood-Filme werden hier gedreht. Es ist ein so wunderschönes, sauberes und beeindruckendes Land. Ich habe eine kleine Käsereise durch die Schweiz gemacht. Es hat mich unglaublich glücklich gemacht, diese Landschaften zu sehen, die ich aus Filmen kenne, verbunden mit der «käsigen» Seite des Landes.


Larissa Graf
Larissa Graf
Autorin
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