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© Andrea Zoltanetzky

»Forn Simsim«: Authentische Levante-Küche in Berlin

Berlin
Levante
Delikatessen

Berlin ist unter anderem durch arabische Einwanderer geprägt. Trotzdem ist es nicht so einfach, authentische levantinische Küche zu bekommen. Wir haben eine gute Adresse gefunden – und gerade erst hat ein Ableger aufgemacht.

»In unseren Ländern gibt es nicht so eine Snackkultur«, sagt Marwan Fakhereddin über die Küche der Levante. Man nimmt sich Zeit fürs Essen, sitzt zusammen und teilt – das ist besonders wichtig. »Bei uns teilst du immer. Das ist die Art und Weise, wie wir essen, und ein wesentlicher Teil unserer Kultur«. Umso erstaunlicher, dass sein neues Lokal in Prenzlauer Berg in Berlin zunächst wie ein Imbiss anmutet, in dem man eben mal schnell einen Happen verdrückt, eher im Vorbeigehen.

Im »forn simsim« an der Kastanienallee steht nur ein einziges Gericht auf der Karte: Manakish, oder auch Man'ousheh, Fladenbrot aus Sauerteig, belegt etwa mit gehacktem Lamm, Paprika und Zwiebeln oder mit Za'atar (Thymian, Sumach, Sesam) und Akkawi-Käse. In Syrien, dem Libanon und in Palästina isst man Manakish gerne zum Frühstück, bei Fakhereddin bekommt man es mittags und abends. Gebacken wird das herzhafte Brot im Steinofen, wie üblich in der Levante, wo traditionelle Bäckereien häufig al-furn (الفرن ) genannt werden, arabisch für »der Ofen«.

Authentisch levantinische Küche

So simpel das Gericht aussieht, so intensiv ist sein Geschmack. Was natürlich auch an den frischen Zutaten und der Qualität des Teiges liegt. Der Kontakt zu arabischem Essen beschränkt sich in der Hauptstadt sonst vor allem auf Falafel und Schawarma, das man als hastigen Snack für zwischendurch auf den Teller bekommt. »Ich hatte das Gefühl, dass die arabische Küche in Berlin nicht auf die richtige Weise repräsentiert wird«, sagt Fakhereddin beim gemeinsamen Essen. Die meisten Leute hätte einen Schnellimbiss im Kopf, wenn sie an arabisches Essen denken. »Ich möchte einen anderen Eindruck von unserer Kultur vermitteln, die sehr warm und gastfreundlich ist«. Auch das werde oft falsch interpretiert, schiebt Fakhereddin nach.

Tatsächlich ist es in Berlin nicht ganz einfach, authentische levantinische Küche zu finden, wie man sie in Aleppo oder Beirut genießen kann. Und: Zum kulinarischen Erlebnis gehört dort immer eine ausgeprägte Gastfreundschaft. Das gemeinsame Essen wärmt auf diese Weise nicht nur den Magen, sondern auch die Seele.

Die Geschichte zweier Brüder

Das »forn simsim« ist nicht der erste Laden von Marwan Fakhereddin in Berlin. Das Lokal ist ein Ableger des größeren Hauptrestaurants »simsim« am Kollwitzplatz, der häufig dafür herhalten muss, ein Zerrbild von Berlin als elitärem Bionade-Bullerbü zu zeichnen. Auf jeden Fall sei der Platz eine gute Location, sagt Fakhereddin.

Der 32 Jahre alte Palästinenser zog 2016 von Jordanien nach Berlin, mit seinem Bruder Youssef. Knapp drei Jahre später eröffneten die beiden das »simsim«. Chefkoch Mohammed kommt aus Syrien, so wie die meisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Küche. »90 Prozent sind Geflüchtete«, sagt Fakhereddin. Hier in Berlin kocht sein Team wie in der Heimat: frisch, hausgemacht, mit viel Zeit und Fürsorge.

Unwiderstehlicher Gruß aus der Küche

Serviert wird Comfort Food der arabischen Mittelmeerküche. Es gibt warme und kalte Mezze und Fleisch vom Holzkohlegrill. Hummus, Labneh, Tabbouleh, aber auch veganes Kibbe Nayé; Makanek (Rindfleischwürstchen), Shrimp-Falafel, Jawaneh (Hähnchenflügel), Shish Taouk (Hähnchenspieße) und Kofta vom Lamm. Ein Highlight ist das cremige Fatteh – ein Auflauf aus gerösteten Brotkrumen, Kichererbsen, Joghurtsauce und Mandeln – mit Aubergine. Die Speisen im »simsim« sind, wie alle Leib- und Magengerichte, im Grunde simpel, aber Geschmack pur: intensiv, aromatisch, auf den Punkt. Die Levante-Küche ist eine der ältesten der Welt. Man hat viel Zeit gehabt, dass einfach Gute immer weiter zu verfeinern, bis es nicht mehr besser geht. Als zuckrig unwiderstehlicher Gruß aus der Küche folgt zum Schluss Halawa mit gehackten Pistazien. Passt nicht mehr rein, denkt man. Geht aber doch.

© Andrea Zoltanetzky
© Andrea Zoltanetzky

Verschiedene Naturweine aus Europa begleiten das Essen, auch Rotweine aus dem Libanon, etwa vom bekannten Château Musar, das alle Widrigkeiten der libanesischen Geschichte überstand. Und natürlich Arrak, den man in der Levante traditionell zu Mezze trinkt. Oder man wählt einen der Cocktails, etwa Raki Sour oder Levantine Moscow Mule mit schwarzem Pfeffer und Ingwer aromatisiert mit Arrak. Als Go-to-Drink für den Start in die Nacht hat auch den Espresso Martini auf der Karte.

Das Interieur ist gemütlich und einladend. An den Wänden hängen historische Schwarz-Weiß-Fotos aus Syrien. Im Sommer stehen Tische und Stühle draußen. Man sitzt unter einem gewaltigen, alten Baum, herzlich umsorgt, und es braucht nicht mehr als liebe Menschen um den Tisch und das Essen zum Teilen darauf.

 

Info

»forn simsim«
Kastanienallee 24, 10435 Berlin

»simsim«
Husemannstraße 1, 10435 Berlin
T: 030 48491035
https://www.simsim-restaurant.de/


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Philipp Laage
Autor
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