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«Für den Schweizer Käse gibt es praktisch ein Reinheitsgebot»

Interview
Käse

Im Rahmen der Swiss Cheese Awards 2024 traf Falstaff auf Noemi Decurtins, die seit Mai 2024 die Geschäftsleiterin der renommierten «Seiler Käserei» in Giswil im Kanton Obwalden ist. Im Falstaff-Talk verriet sie, welche Herausforderungen auf die Käsebranche zukommen und wie es ist, als Frau in dieser Männerbranche tätig zu sein.

Falstaff: Sie haben im Frühling die Leitung der «Seiler Käserei» übernommen. Was hat sich seither für Sie getan?

Noemi Decurtins: Im Januar 2023 bin ich wieder in die «Seiler Käserei» eingetreten, in der ich bereits vor ein paar Jahren als Studentin gearbeitet hatte. Das gab mir fast anderthalb Jahre Zeit für die Übernahme von meinem Vorgänger Felix Schibli. Allerdings habe ich im Juni noch meine Tochter bekommen und kurz darauf, im August, eine Lehre als Milchtechnologin begonnen. Ein anspruchsvolles Jahr. Trotzdem konnte ich im Mai 2024 die Betriebsleitung übernehmen – die LAP habe ich aber noch vor mir!

Die Käsewelt ist eine klassische Männerbranche. Wie empfinden Sie Ihre Stellung als Frau in diesem Bereich?

Ja, es stimmt, es gibt wenige Frauen in der Branche, auch in den Vorständen der meisten Verbände sieht man das. Ich wurde aber sehr herzlich und ohne Vorbehalte aufgenommen. Es ist ja so, dass es in vielen Branchen in der vorhergehenden Generation noch viel mehr Männer als Frauen gibt. Der Wandel findet zwar statt, wird aber noch einige Jahre in Anspruch nehmen. Ich sehe aber auch, dass viele Männer, die jetzt in Vorständen sind, die Frauen der nachfolgenden Generationen fördern und das freut mich sehr.

Was haben Sie seit der Übernahme der «Seiler Käserei» geändert? Was sind Ihre Pläne für die Zukunft?

Jeder Führungswechsel bedeutet einen Kulturwechsel. Das habe ich auch angestrebt und einige meiner Vorstellungen konnte ich schon durchsetzen. Ich bin sehr zufrieden mit den Entwicklungen der letzten paar Monate und optimistisch für die Zukunft.

Das Wichtigste ist für mich aber, dass wir unseren traditionellen Raclette-Käse weiterhin gut produzieren können. Hoffentlich gewinnen wir dann in zwei Jahren wieder einen Swiss Cheese Award!

Noemi Decurtins.
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Noemi Decurtins.

Was macht denn ein guter Raclettekäse aus?

Ein guter Schmelz und ein leckerer Geschmack, der den Einsatz von Raclettegewürzen überflüssig macht.

Was sind die grössten Herausforderungen der Schweizer Käselandschaft allgemein und spezifisch für die «Käserei Seiler»?

Es ist keine «Rocket Science»: der Fachkräftemangel. Ich finde es sehr schade, dass sich im Käseland Schweiz so wenige junge Leute für eine Ausbildung als Milchtechnologen entscheiden. Es ist so ein spannender Beruf, es steckt so viel Leidenschaft darin und ich fände es schön, wenn diese weitergetragen werden könnte. Bei uns kommt noch erschwerend hinzu, dass wir uns in Giswil am hintersten Ende eines Tals befinden, unser Einzugsgebiet ist daher begrenzt.

Was sind die Stärken und Schwächen des Käselands Schweiz?

Ganz klar, dass es für Schweizer Käse praktisch ein «Reinheitsgebot», wie beim Bier in Deutschland. So haben wir, die Schweizer Käsereien, uns strengen Regeln unterworfen. Das ist einerseits unsere Stärke, weil wir sehr guten, natürlich hergestellten Käse haben, andererseits aber auch unsere Schwäche, weil es das im Ausland so nicht gibt – sie können aber zum Glück Schweizer Käse importieren!


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Larissa Graf
Larissa Graf
Autorin
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