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© Danny Wilde | Adobe Stock

Gelände mit Geschmack: Die Vielfalt der Weinregion Steiermark

Steiermark
Weinreise
Weingut

Zwischen Hügeln, Wäldern und Rebstöcken, die sich an die Steilhänge klammern, entfaltet sich eine Welt aus Wein, Geschichte und Genuss. Das Sortenangebot in der Steiermark ist dabei so vielfältig wie der Zugang, den die Winzer:innen bei der Produktion ihrer Weine wählen.

Die Steiermark gehört zu den spannendsten Weinregionen Europas. Vom Sausal über das Vulkanland bis ins südsteirische Weinbaugebiet prägen kalkreiche, schiefrige oder vulkanische Böden die Reben. Warme Tage, kühle Nächte und der Wechsel von alpinen und pannonischen Einflüssen schaffen ein Klima, das Frische und Aromatik gleichermaßen betont.

Die Geografie der Hügellandschaft sorgt im Zusammenwirken mit der Geologie und den mikroklimatischen Bedingungen auch auf relativ engem Raum für sehr unterschiedliche Charakterzüge der Weine. Auf steilen Rieden wächst, was die Steiermark berühmt gemacht hat: Sauvignon Blanc, Morillon, Gelber Muskateller oder Welschriesling – Weine mit Finesse, Mineralität und Tiefe.

Kurios genug, dass es ausgerechnet der österreichische Weinskandal 1985 war, der in der Folge der Steiermark als Weinregion eine unerwartete Aufmerksamkeit bescherte. Bis dahin hatte die Vermarktung der hier abgefüllten Flaschen einen regionalen Charakter, nur wenig steirischer Wein verließ das Bundesland. Die Weinliebhaberszene begann, die Vorzüge dieser frischen, mineralischen Weine zu schätzen, die sich ganz deutlich von der dominanten Geschmackswelt des Grünen Veltliners und Rieslings weiter im Norden Österreichs unterscheiden.

Die Weingüter in der Südsteiermark verstanden es, die einzigartigen klimatischen und geologischen Bedingungen zu nutzen und Sauvignon Blancs zu erzeugen, die nicht nur in Österreich, sondern auch international Anerkennung fanden. Winzer wie Manfred Tement, Fritz Tinnacher, Erich und Walter Polz, Willi Sattler, Alois Gross, Albert Neumeister und Walter Skoff prägten über 30 Jahre die Stilistik des steirischen Weins, erweiterten die Rebflächen, investierten in Keller, Architektur und Infrastruktur und etablierten den Sauvignon Blanc auf den besten Lagen als Leitsorte der Region. Sie setzten einen neuen Nullmeridian fest, an dem sich die Zeit in eine Vorzeit und eine Hochzeit einteilen lässt. Das Hoch hält auch unter der Nachfolgegeneration noch an.

Der Steirische Wein hat in den vergangenen dreißig Jahren einen Boom erlebt. Das internationale Interesse wächst.

Korallenkalk

Ab Mitte der 2000er-Jahre hat die nachfolgende Generation dann eine sanfte Revolution begonnen – getrieben von der Suche nach einem Stil, der die Charakteristik der Steiermark noch konsequenter in den Weinen widerspiegelt. Es war eine schrittweise, stille Neuausrichtung hin zu biologischem Weinbau, größerer Präzision und noch stärkerer Individualität der Weine.

Vor allem auch im Herz der Südsteiermark. Südlich des Sulmtals, wo Korallenkalk und Kalkmergel – hier traditionell als Opok bezeichnet – vorherrschen, konservierte sich die Südsteiermark den Ruf als »Côte d’Or« des Bundeslands. Die Reben hier wachsen unter kargen Bedingungen und die Trauben reifen langsam und harmonisch. Die Weißweine zeigen feingliedrige Zitrusnoten, besitzen gute Struktur am Gaumen sowie reife Säure und einen salzigen, feinwürzigen Abgang.

Während Sauvignon Blanc und Gelber Muskateller dominieren, erreicht auch der Chardonnay, hier Morillon genannt, auf den Hügeln rund um Gamlitz ein qualitativ hohes Niveau. Das Gebiet südwestlich von Gamlitz ist die Heimat zahlreicher berühmter Weinberge, die über den zur Weinstraße querverlaufenden Gräben steil aufragen. Steinbach mit dem Gamlitzberg, Sernau mit Sernauberg, Fürst, König und Welles im Süden und schließlich der große Kranachberg mit seinen unzähligen Sublagen.

Die Kessellagen in Gamlitz halten gut die Wärme und sorgen mit ihrer Mischung aus Opok, Sandstein und Schotterböden für Trauben mit vielschichtigem, reifem Fruchtaroma und gelben und roten Obstnuancen. Daraus keltert man dann ausdrucksstarke Weine. Bei Weingütern wie jenem von Katharina Tinnacher beeindrucken besonders die Riedweine Welles und Eckberg, die das Potenzial der kalkreichen Böden demonstrieren.

Perfektes Klima

Die Rebberge der Leutschacher Region, beispielsweise der Pössnitzberg, sind in Myriaden von Subrieden zergliedert, gebietsweise extrem steil und felsig mit teilweise sehr altem Rebbestand und tiefer Verwurzelung und können aufgrund einer Hangneigung von bis zu 75 Prozent nahezu nur händisch bewirtschaftet werden. Diese Kalkmergelböden und die hier vorherrschenden starken Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind für eine dunkelwürzige, vielfältige Aromatik und kräftige, saftige Weißweine verantwortlich.

»Die Stärken liegen ganz klar in den für Wein perfekten klimatischen Voraussetzungen. Das ermöglicht eine hohe Sortenvielfalt und zudem eine enorme Lagerfähigkeit der Weine«, bestätigt Erwin Sabathi, in dessen schmuckem Keller mit die besten Sauvignon Blancs und Chardonnays Österreichs reifen.

Der Morillon – respektive Chardonnay – verbindet burgundische Eleganz mit steirischer Charakterstärke. Von mineralisch-rassigen Weinen in Leutschach bis zu stoffig-komplexen Vertretern im Vulkanland Steiermark – die Sorte zeigt hier ihre ganze Vielfalt. Vor allem direkt entlang der Grenze zu Slowenien befinden sich einige der besten Chardonnay-Lagen der gesamten Steiermark. Hier profitieren Toplagen wie Obegg, Grassnitzberg, Zieregg Steilriegel, Nussberg-Pretschnigg, Stermetzberg, Kriewetz oder Sulz allesamt vom höheren Kalkgehalt der jeweiligen Böden.

Viele große Winzernamen versammeln sich um den Ort Ehrenhausen – wie das Weingut Tement in Berghausen. Der Familienbetrieb zählt auch nach der Übernahme durch die Söhne von Ikone Manfred Tement, Armin und Stefan, zu den Taktgebern der Region und zeigt eindrucksvoll, wie vielfältig die Südsteiermark sein kann. Die Weine von Tement sind geprägt von Präzision, Eleganz und einer unverkennbaren Handschrift, die das Terroir respektiert und zugleich interpretiert.

Auch das Weingut Gross in Ratsch am Nussberg gehört mit seiner Lage Nussberg-Pretschnigg zu jenen privilegierten Standorten, wo Kalkböden dem Chardonnay optimale Bedingungen bieten. Hier entstehen eher gelbfruchtige, finessenreiche und salzig-mineralische Weine, die das Potenzial von Ehrenhausen perfekt verkörpern. Das Angebot an Lagenweinen aus Morillon ist hier gut, auch wenn es vom Sauvignon Blanc um ein Vielfaches übertroffen wird.

»Rabiatperle«

Und im äußersten Südwesten steht dagegen eine andere Sorte im Fokus: der Schilcher. Das Anbaugebiet erstreckt sich in einem schmalen, langen Band von Ligist entlang der Ausläufer der Koralpe bis ins grenznahe Eibiswald im Süden. Mit gut 600 Hektar gehören ihnen rund zehn Prozent der gesamtsteirischen Rebfläche. Lange Jahre fristete er ein Schattendasein: »Rabiatperle« schimpfte man ihn gern, bewirke er doch bei übermäßigem Zuspruch rabiates, also aggressives, Verhalten. Mittlerweile hat er auch qualitativ längst aufgeholt und hat sich etabliert.

Gut so, denn die Reben der Sorte Blauer Wildbacher, aus der der Schilcher ausgebaut wird, verdienen die Bezeichnung »Ur-Steirer« wie kaum eine andere. Schon im legendären Weinbuch von Johann Rasch, einem der ersten seiner Art überhaupt, wurde 1580 der Schilcher erwähnt, damals noch als »Schiller«. Schon seit weit über 400 Jahren schillern demnach alle Töne von Lachs, Himbeerrosa und Zwiebelschalenfarben im Glas. Auch am Gaumen zeigt sich inzwischen ein erfreulicher Glanz: Trocken, resch und würzig, mit knackigem Säurespiel und Beerennoten von Ribisel über Holunder bis zur Walderdbeere präsentiert sich der steirische Rosé auch als idealer Begleiter zu herzhaften regionaltypischen Schmankerln.

»Perle« im Südosten

Das weiter östlich gelegene und im Vergleich zur Südsteiermark etwas wärmere Klima im Thermen- und Vulkanland begünstigt dort die weißen Burgundersorten. Spezialitäten sind der Grauburgunder aus Straden oder die Traminer aus Klöch, aber auch saftige Rotweine entstehen in diesem Grenzdreieck mit Ungarn und Slowenien.

Schloss Kapfenstein gilt diesbezüglich als Fixstern. In mittlerweile vierter Generation bewirtschaftet die Familie Winkler-Hermaden das Anwesen. Auf 38 Hektar Weingärten werden 16 Rebsorten nach biologisch-regenerativer Wirtschaftsweise kultiviert. Neben den Weißweinklassikern der Region ist das Weingut für den roten Zweigelt Olivin bekannt, der in Holzfässern aus Eichen der eigenen Wälder reift.

Auch die Weinpalette von Petra und Walter Frauwallner im etwas südlich gelegenen Straden ist beeindruckend und umfasst alle Stufen der steirischen Herkunftspyramide im DAC-System. Als Mitglied der elitären STK-Gruppe bilden die Riedenweine die Spitzengruppe, allen voran die Weine der Ried Stradener Rosenberg.

Stefan Krispel keltert am familieneigenen Weingut in Neusetz bei Straden Riedenweine, bei denen Wissen und Fingerspitzengefühl gefragt sind: Die unterschiedlichen Neigungen, Ausrichtungen und Böden eignen sich für unterschiedliche Rebsorten: Der Muskateller Rosenberg vibriert vor Mineralik, der Sauvignon Blanc vom Neusetzberg ist der Elegante, der Grauburgunder vom Hochstrandl der Mineralische mit Tiefgang.

Noch einmal eine Viertelstunde Autofahrt später landet man in Klöch, der »Perle des südoststeirischen Weinlandes«. Der Ort ist für die Rebsorte Traminer, die hier ganz besonders gute Bedingungen vorfindet, weit über die Grenzen der Steiermark bekannt. Bei einer Verkostung in der Ortsvinothek lassen sich die unterschiedlichen Ausbaurichtungen der markant nach Rosen duftenden Aromasorte kennenlernen und seinen persönlichen Favoriten herausfinden.

Adressen


WEINGUT KRISPEL
Das Weingut von Stefan Krispel vereint Weinproduktion, Kulinarik und Übernachtungsmöglichkeiten. Von Gebietswein bis zu den feinen Lagenweinen kann man das Vulkanland mit allen Facetten kennenlernen.
Neusetz 29, 8345 Hof bei Straden
T: +43 3473 7862, krispel.at

WEINGUT NEUMEISTER
Christoph Neumeister führt in Straden das Weingut Neumeister in dritter Generation. Sein Zugang zum Weinbau und zur Weinbereitung sowie der Anspruch an die Weinqualität sind sehr nuanciert, seine Toplage heißt Moarfeitl.
Kronnersdorf 147, 8345 Straden
T: +43 3473 8308, neumeister.cc

WEINGUT ERWIN SABATHI
Erwin Sabathis Chardonnay Ried Pössnitzberg Alte Reben GSTK und der Chardonnay Ried Pössnitzberger Kapelle gehören zu den Stammgästen im Spitzenfeld diverser Weinbewertungen.
Pössnitz 48, 8463 Leutschach a. d. Weinstraße
T: +43 3454 265, sabathi.com

FAMILIENWEINGUT SATTLERHOF
Hier erwartet den Weinfreund eine breite Palette an puristischen Weißweinen, der Morillon aus der GSTK Ried Pfaffweingarten ist ein Favorit unter den besten Chardonnays des Landes.
Sernau 2, 8462 Gamlitz
T: +43 3453 2556, sattlerhof.at

FAMILIENWEINGUT TEMENT
Der biodynamisch zertifizierte Spitzenbetrieb ist für seinen Sortenschwerpunkt Sauvignon Blanc und die Top-Lage Zieregg bekannt. Der Morillon wächst hier auf Muschelkalk, als Lagenwein kommt er vom Ried Rossberg, Sulz und als Steilriegel vom legendären Ried Zieregg GSTK in die Flasche.
Zieregg 13, 8461 Ehrenhausen
T: +43 3453 4101, tement.at

WEINGUT LACKNER-TINNACHER
Katharina Tinnacher produziert ihre besten Morillons in zwei recht unterschiedlichen Lagen. Die Ried Welles GSTK ist geprägt von Sandsteinböden. In den Weingärten in der
Ried Flamberg im Sausal steht Morillon auf Korallenkalkböden.
Steinbach 12, 8462 Gamlitz
T: +43 3453 2142, tinnacher.at

DOMAINE 1196
Durch die Freundschaft und Partnerschaft zwischen Reinhard Muster und der Domaine 1196 wurde der Grundstein für eine neue Ära gelegt.
Steinbach 35, 8462 Gamlitz
+43 3453 20833, 1196.at

WEINGUT GROSS
Familienweingut mit Geschichte und Tiefe. Die Lagenweine spiegeln Kalk und Zeit wider. Verkostungen sind persönlich und eindrucksvoll – ein stiller Klassiker.
Ratsch 26, 8461 Ehrenhausen
T: +43 3453 2527, gross.at

 


Klaus Höfler
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