In der Schale liegt die Kraft: DIY Limoncello
Neben Grappa und den Amari verkörpert wohl keine Spirituose italienisches »Dolce Vita« so authentisch wie Limoncello. Kein Wunder, denn anders als seine liquiden Brüder kann man diesen knallgelben Sonnenfänger mit wenig Aufwand selbst herstellen. Und was könnte Liebhaber der vielleicht besten Küche der Welt mehr begeistern, als ein »Limoncello alla Mamma«.
Woran erkennt man die wirklich guten Dinge im Leben? Daran, dass darum gestritten wird, wer sie erfunden hat. So ist man sich auch beim Limoncello nicht ganz einig, wem diese Ehre gebührt. Manch einer behauptet, bereits die Römer hätten ihn getrunken, was aber aufgrund der damals noch unbekannten Destillationskunst eher unwahrscheinlich ist. Und wer mag schon sicher erkennen, was in auf zweitausend Jahre alten Fresken abgebildeten Bechern herumschwappt. Wahrscheinlicher ist es hingegen, dass der Limoncello viel später entstanden ist, immerhin war die nötige Technik, um hochprozentigen Alkohol zu brennen, in Italien erst um die Mitte des 12. Jahrhunderts bekannt. Da dies zuerst vor allem in Klöstern praktiziert wurde, klingt die Legende, dass Mönche den Limoncello um das Jahr 1700 erfunden hätten, um sich zwischendurch zu erfreuen, wesentlich plausibler.
Eine Legende aus der Neuzeit – und auch die am häufigsten erzählte – beruft sich hingegen auf eine gewisse Maria Antonietta Farace aus Capri, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein Hotel auf der Insel besaß. Sie soll ihren Gästen Zitronenlikör angeboten haben, den sie nach dem Rezept ihrer Großmutter mit Zitrusfrüchten aus ihrem Garten zubereitete. Final klären lässt sich der Ursprung des Limoncello zwar nicht, aber dennoch ist man rund um Capri, Sorrent und Amalfi besonders stolz darauf, den Limoncello mutmaßlich erfunden zu haben, wenngleich es ihn heute in großen Teilen Italiens gibt – so auch in Sizilien oder Norditalien, wo man ihn auch als »Limoncino« kennt.
Nüchterne Forscher und Pure Dekadenz
Der einst einfache Bauernlikör hat es mittlerweile ohnehin zu erstaunlicher Berühmtheit gebracht und sogar die Forschung hat Gefallen an dem gelben Tropfen gefunden. So beschoss der Physikochemiker Leonardo Chiappisi von der TU Berlin am Institut Laue-Langevin in Grenoble Limoncello mit intensiver Neutronenstrahlung und ergründete damit das Geheimnis seiner milchigen Farbe. Diese ist – wie man nun weiß – auf winzige Zitronenöl-Tröpfchen mit einem Durchmesser von rund 200 Nanometern zurückzuführen, die im Limoncello enthalten sind. Durch die Streuung von Licht an diesen Tröpfchen entsteht schließlich der milchige Eindruck. In hochwertigem Limoncello seien zudem nur rund zwei Drittel des Zitronenöls in diesen Nanotröpfchen gebunden. Der Rest könne als Zitronenduft freigesetzt werden – was entscheidend für den Geschmack sei.
Doch egal, wie geschmacksvollendet ein Limoncello auch sein mag: Kaum jemand würde eine der teuersten Spirituosen der Welt ausgerechnet beim Limoncello suchen. Aber tatsächlich sorgte kürzlich der »D’Amalfi Limoncello Supreme« der Distilleria Russo mit einem Flaschenpreis von 32 Millionen Euro für Furore. Normalerweise für unter zehn Euro zu haben, verdankt er seine Extravaganz einer diamantenbesetzten Flasche mit insgesant 31,5 Karat. Zwei Stück gibt es davon, eine soll noch zu haben sein.
Irgendwie widerspricht das aber der Seele dieses urdemokratischen Getränks, denn viele Familien in Italien haben bis heute ihr eigenes Rezept und setzen ihren Limoncello selbst an. Bei uns darf man das aber natürlich genauso.