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© Symbolbild, Shutterstock

Modetrend »Foodcore«: Warum Sellerie & Pasta High Fashion sind

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Sellerie, Pasta, Tomate – all das gibt es längst als Tasche. Der Modetrend »Foodcore« bringt Essen auf Laufsteg und Straßen und verbindet Küche mit Couture. Was hinter dem Hype steckt und was er über unsere Gegenwart verrät.

»Foodcore« ist längst mehr als ein ästhetischer Gag. Der Trend spiegelt unsere Zeit wider: Essen wird zum Lifestyle, zum Statement und zur neuen Modeformel. Der Begriff selbst setzt sich dabei aus dem englischen Wort »Food« und dem beliebten Popkultur-Suffix »-core« zusammen. Dieses steht für eine bestimmte Ästhetik oder Vibe, der sich um ein Thema dreht. Kurz gesagt: Es ist ein Label für Subkulturen und Styles, die ein gemeinsames Lebensgefühl feiern.

»Foodcore« ist genau so ein Phänomen: Designer:innen spielen mit Social Media-Hypes, Selbstinszenierung und dem ständigen Drang nach Sichtbarkeit. Man denke nur an den »Sardine Girl Summer«, bei dem es längst nicht mehr ums Fisch, sondern um das Gefühl von Sommer, Natur und Natürlichkeit geht. Was früher einfach Hunger war, ist heute Markenbotschaft.

Zugleich ist »Foodcore« ein Spiegel unserer vernetzten, manchmal dystopischen Welt: Essen zeigen, teilen, sich damit definieren. Es geht darum, wer man ist und was man konsumiert. Gleichzeitig zeigt sich eine Spannung zwischen Luxus und Massenmarkt: Während »Moschino«, »Loewe« und »Balenciaga« Essensfantasien als teure High-End-Pieces verkaufen, bringen Supermärkte wie »BILLA« den Trend als günstiges Spaß-Accessoire in die breite Masse – etwa mit Brot-Pantoffeln für unter 10 Euro.

»Moschino«: Sellerie‑ und Pasta‑Taschen

»Moschino« führt das Kapitel an: Die Sedano »Sellerie«-Clutch, gefertigt aus Nappa‑Leder und mit Drahtseelen, kostet 3.700 Euro – handbemalt für tiefe, realistische Grüntöne.

Und dann gibt’s da noch die ausverkaufte Pasta‑Clutch: gedrucktes Leder, mit unechten-Nudeln und Mini‑Tomaten. Moschino sagt: »Mode soll Spaß machen«. Die Tasche tut genau das. Und doch fragt man sich: Sind das tragbare Kunstwerke oder unnöttiger Luxus-Kitsch?

»Loewe«: Die Tomaten-Clutch

Eine Ochsenherztomate sorgte kürzlich für Aufsehen auf Social Media – ein User schrieb dazu: »Diese Tomate ist so ›Loewe‹, ich kann’s nicht erklären.« Das Luxuslabel spielt so immer wieder mit Humor und überraschenden Formen – fernab von klassischer Eleganz. Kurz darauf griff »Loewe«-Kreativdirektor Jonathan Anderson die Idee auf und zeigte eine Clutch in genau dieser Form. Die Resonanz der Modefans war riesig.

»Balenciaga«: Kaffeebecher als Luxus

Noch absurder wird es bei »Balenciaga«: Ein Coffee-to-go-Becher als Handtasche für über 4.000 Euro. Der Stil? Provozierend simpel. Der Effekt? Maximaler Aufmerksamkeitswert. Der Guardian nannte  es »vulgär« – eine pointierte Karikatur unserer Konsumgesellschaft. Der Reiz liegt im Bruch: Das Banale wird zum Prestigeobjekt. Doch damit verschärft sich auch die Frage nach sozialer Distanz.

Und auch die Discounter ziehen nach: Die Brot-Pantoffel von »BILLA«

Dass Food-Fashion kein reines Luxusphänomen mehr ist, zeigt etwa die österreichische Supermarktkette »BILLA«: Ihre »Brot-Pantoffel« – ein Slipper in Form einer Brotscheibe – wurde zum viralen Hit. Für unter zehn Euro bringt sie »Foodcore« auf den Wohnzimmertisch – oder besser: unter den Couchtisch. Kein Haute-Couture-Stück, aber ein augenzwinkerndes Accessoire, das den Trend demokratisiert. Und zeigt: Der Look ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen – und wird hier als Humor, nicht als Status getragen.

Fazit: Lifestyle oder Lachnummer?

Der Trend bringt frischen Wind in die Modewelt: Wo früher Ernst und Exklusivität dominierten, herrscht heute spielerische Leichtigkeit. Die Verbindung aus Handwerkskunst und popkultureller Referenz, etwa durch Meme-Ästhetik oder virale Trends, schafft etwas Neues: Mode, die unterhält, überrascht und sich selbst nicht zu ernst nimmt. In einer Welt voller Krisen wirkt der humorvolle Umgang mit Alltagsgegenständen wie Tomaten, Sellerie oder Brot fast befreiend.

Doch genau diese Ironie kann schnell in Richtung Zynismus kippen. Wenn ein Coffee-to-go-Becher zum Luxusobjekt für mehrere Tausend Euro wird, stellt sich die Frage: Für wen ist diese Mode eigentlich gemacht? Der Kontrast zwischen scheinbarer Alltäglichkeit und hohem Preis spiegelt nicht nur Kreativität, sondern auch eine wachsende soziale Kluft wider. Ironie wird zur Attitüde des Elitären, während viele Menschen sich mit echten Grundbedürfnissen beschäftigen müssen. Was als witziger Kommentar begann, kann so schnell zum Witz werden, über den nur noch wenige lachen.

»Foodcore« ist ein Spiegel unserer Zeit: verspielt, kritisch, manchmal absurd. Doch ihre Kraft liegt genau in diesem Wechselspiel – zwischen Instagram-Hype, Kunsthandwerk und gesellschaftlicher Beobachtung. Ob Haute Couture oder Hausschuh: Am Ende sagt keine Clutch so viel über uns aus wie ein gutes Stück Gemüse.


Rosa Velten
Autor
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