Restaurant der Woche: «Gourmet Louis»
Man sieht es sofort: Klassik wird im Bottminger «Gourmet Louis» grossgeschrieben.
Die Orientierung kann schon mal verlorengehen im historischen Rahmen des Bottminger Weiherschlosses. Wer seinen Verstand wiedergefunden hat, geht nach dem Eintreten ins prächtige Anwesen rechts zur Brasserie oder links in das im vergangenen Jahr neu im Rokokosalon eröffnete Gourmetrestaurant. Und erfährt dortselbst, wie man in der feinen Gastronomie der Achtziger und Neunziger noch getafelt hat. Gediegen, elegant, mit perfekt eingedeckten Tischen und viel Platz dazwischen.
Die Ambiente-Nostalgie hat auch heute noch ihren Reiz, der höfliche Service hat ihn auch. Und die Speisen des Menüs weisen, bei Lichte betrachtet, neben Klassik auch einen modernen Twist auf. 130 Franken kostete bei unserem Besuch das Vier-Gänge-Menü, jenes mit fünf Gängen 142 Franken (mittlerweile sind es jeweils fünf Franken mehr). Carpaccio von Kaisergranat gefiel uns ausgezeichnet, die Kombination aus geräucherter Forelle und Blumenkohl wirkte schön balanciert, und die gebratene Entenleber mit Quitte und Brioche war so zubereitet, wie dies heutzutage kaum noch praktiziert geschweige denn beherrscht wird.
Küchenchef Guy Wallyn ist ein Routinier. Klasse und klassisch dann auch der Rehrücken mit Kürbis, Gnocchi und Wacholdersauce, zu dem der nette Kellner einen 2014er Branaire-Ducru ausgesucht hatte. Weitere Bordelaiser Trouvaillen, prima gereift, stehen auf der Flaschenliste. Tatin mit Vanille, das Dessert, fanden wir ein bisschen zu süss, die Mignardises zum Schluss auch, obwohl sie fein und klassisch zubereitet waren. Aber in den Achtzigern und Neunzigern hat man halt noch nicht so auf die Linie geachtet, wie das heute üblich ist!