Restaurant der Woche: Wöschi
Im Restaurant «Wöschi» in Wollishofen speist man hervorragend und mit freiem Blick auf den See.
Und dieser Betrieb soll nicht gut laufen? Knapp ein Jahr ist es her, als David Klocksin und Stephanie Ospelt die «Wöschi» in Zürich Wollishofen übernahmen. Davor scheiterte ein Pächter nach dem anderen an der vermeintlichen Oase am See. Ein herrliches Plätzchen unter Sonnenschirmen, wunderbar begrünt, auch die Innenplätze garantieren dank viel Glas Seesicht.
Da könnte man es sich in der Küche einfach machen – aber nicht Klocksin, der im «20/20 by Mövenpick» bereits auf Sterneniveau kochte. Ein Teller mit gepickeltem und fermentiertem Gemüse zum Start: Rettich, Karotte, Blumenkohl, Radieschen, Spargel, Schalotten, Süsskartoffel. Sie harmonieren wunderbar mit den dazu servierten Pilzen. Hier etwas Knackiges, dort ein Avocadopüree oder ein Zitrusgel. Den Sud zum Gericht zieht der Küchenchef aus Fermentationslake und Basilikumöl. Sehr viel Aufwand für noch mehr Genuss.
Highlight beim zweiten Gang ist nebst der roh marinierten Gelbflossenmakrele das leicht scharfe Gurkensorbet. Zum Steinbutt passen die warmen, herbstlichen Aromen von Sellerie und Steinpilz ebenso exzellent wie der dazu kredenzte Zürcher Barrique-Chardonnay. Ohnehin glänzt der «Wöschi»-Service mit Fachkompetenz wie mit natürlich wirkender Aufmerksamkeit. Der Hauptgang: am Knochen geschmorter Tafelspitz mit Miso-Aubergine, geröstetem Zwiebelpüree und Butter-Dashi. Den Abschluss des fair bepreisten Überraschungsmenüs bilden Zitrusfrüchte mit Joghurtsorbet, Kokosmilch, Karamell und Mandeln. Klocksin jagt in der «Wöschi» keine Michelin-Sterne, sondern überzeugt mit einer Wohlfühlküche für den Gast. Dafür hätte er einen Stern verdient.