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Richard Branson: Milliardär mit Inselpassion

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Als Richard Branson mit 16 Jahren die Schule abbrach, sagte ihm der Direktor, er werde entweder im Gefängnis landen oder Millionär werden. Letzteres geschah. Sich unterkriegen zu lassen, war für den Draufgänger nie eine Option. Auch er verfiel früh dem Charme des Insellebens und verliebte sich in die Virgin Islands.

Wirklich zur Ruhe kommt der Boss der Virgin Group nur an einem Ort auf der Welt: auf Necker Island. Deshalb verbringt der erfolgreichste Unternehmer des Vereinigten Königreichs Weihnachten, Ostern und jeden Sommer mit seiner Familie in seinem Paradies im karibischen Meer, das ihm seit 1979 gehört.

Auf die kleinste der Britischen Jungfraueninseln wurde Richard Branson zufällig aufmerksam: Bei einem Aufenthalt in New York hatte ihn jemand gefragte, ob er sein Unternehmen »Virgin Records« nach den Virgin Islands benannt hätte. »Diese hatten zwar bei der Namensgebung unserer Firma nicht Pate gestanden, sie hörten sich aber nach einem romantischen Zufluchtsort an, den ich und meine Frau damals gerade benötigten«, erzählt er in seiner Autobiografie »Losing My Virginity«. Spontan beschlossen die beiden, der Inselgruppe einen Besuch abzustatten. Das glasklare, türkise Meer, die Korallenriffe, die Palmen, die langen Sandstrände und die Pelikanschwärme zogen die beiden sofort in ihren Bann.

Kurzerhand entschloss sich Branson, die noch völlig unerschlossene Insel zu erwerben. Der Verkäufer verlangte dafür drei Millionen Pfund. Branson bot 180.000 Pfund – und erhielt den Zuschlag. Heute ist Necker über 100 Millionen Pfund wert. Der Abenteurer hat in den vergangenen Jahrzehnten viel Geld in die 30 Hektar große Oase investiert, um für sich und seine Familie »einen großen Spielplatz« zu erschaffen. Wenn dem Entrepreneur danach ist, lädt er Freunde, Mitarbeiter der Virgin-Unternehmen oder aber auch Barack und Michelle Obama ein, ihm in seiner »Great House«-Residenz Gesellschaft zu leisten: »Wir essen miteinander, feiern, entspannen und denken über unser Leben nach.«

Alles begann mit einem Plattenlabel: Bei Virgin Records hatte Branson Superstars wie die Sex Pistols unter Vertrag.
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Alles begann mit einem Plattenlabel: Bei Virgin Records hatte Branson Superstars wie die Sex Pistols unter Vertrag.

Arbeiten in der Hängematte

»Entspannen« heißt für den Extremsportler freilich nicht, im Liegestuhl zu chillen. Auch auf Necker Island hält Branson an seiner täglichen Routine fest: Sein Tag beginnt um fünf Uhr in der Früh mit einem Lauf am Strand, einem Tennis-Match oder mit Kitesurfen. Erst dann frühstückt er ausgiebig mit seiner Familie. Den Vormittag nützt er, um zu arbeiten. Dazu setzt er sich allerdings niemals an einen Schreibtisch, das hat er nie getan. Viel lieber erledigt er seine Aufgaben an unkonventionellen Orten wie in Hängematten, auf dem Hometrainer oder in der Badewanne. »Die interessantesten Anrufe erhalte ich erstaunlicherweise immer, wenn ich in der Badewanne sitze. So war das auch, als mich eines Tages Nelson Mandela anrief. Er fragte mich, ob ich nicht eine Fitnessstudio-Kette in Südafrika übernehmen wolle, die gerade bankrott gegangen war. Das tat ich – und Nelson und ich wurden enge Freunde.«

Über das Business spricht Branson am liebsten bei einem leichten Mittagessen oder während eines Spaziergangs. Je formloser und entspannter, desto lieber ist es dem Milliardär. Immer hat er sein Notizbuch bei sich, um jede Idee sofort festhalten zu können. Auch das Abendessen genießt der ewig Junggebliebene in großer Runde. Er liebt es, sagt er, den Menschen zuzuhören, ihnen Fragen zu stellen, um möglichst viel über sie zu erfahren.

Rund 400 Unternehmen in unterschiedlichsten Branchen – vom Musik-Business bis zur Luft- und Raumfahrt –  gehören zur Virgin Group des britischen Milliardärs Richard Branson.
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Rund 400 Unternehmen in unterschiedlichsten Branchen – vom Musik-Business bis zur Luft- und Raumfahrt – gehören zur Virgin Group des britischen Milliardärs Richard Branson.

Sechs Stunden Schlaf und viel grüner Tee

So gesellig und ausgelassen Branson auch sein kann, spätestens um 23 Uhr will er heute nur mehr eines: in sein Bett. Um sein tägliches Pensum zu stemmen, braucht er nämlich seine sechs Stunden Schlaf. »Ich bezweifle ernsthaft, dass ich beruflich so erfolgreich (und privat so glücklich) gewesen wäre, wenn ich nicht immer so viel Wert auf meine Gesundheit und meine Fitness gelegt hätte«, schreibt er in seinem Blog.

Aber er achtet nicht nur auf regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining, sondern auch auf gesunde Kost. Um erst gar nicht krank zu werden, hält sich Branson an die Ernährungsratschläge von Dr. William Li, der den Bestseller »Richtig essen. Länger leben« geschrieben hat. Sauerteigbrot, viel Gemüse, Beeren, Kiwi, Nüsse, Hartkäse, Haferflocken, Olivenöl, Fisch, dunkle Schokolade und viel Grüner Tee gehören Li zufolge zu den Lebensmitteln, die helfen, Zellen vor oxidativen Schäden zu bewahren, den Blutdruck zu senken und die Cholesterin-Werte niedrig zu halten. »Alles Nahrungsmittel, die ich ohnehin sehr gerne esse«, schreibt der Virgin-Boss, der schon seit einiger Zeit Vegetarier ist.

Da Branson mit 74 Jahren in Topform und kerngesund ist, denkt er auch gar nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen oder leiser zu treten. Zu viel gibt es für den Philanthropen noch zu tun. 80 Prozent seiner Arbeitszeit widmet er heute nicht mehr seinem Business, sondern Non-Profit-Initiativen. Schließlich ist es dem Briten ein Anliegen, den Klimawandel zu stoppen, sich für Menschenrechte einzusetzen, das Bildungssystem zu verbessern und noch vieles mehr. »Was ist gut für unseren Planeten? Was ist gut für die Menschheit?«, das sind die Fragen, die ihn beschäftigen und nicht, wie viel Geld er verdient hat, betont Branson. Darum empfindet er es als Beleidigung, wenn man ihn nur »Milliardär« nennt. Das Leben in vollen Zügen auszukosten, sei immer schon sein Motto gewesen, sagt der Abenteurer. »Und das habe ich getan. Ich hatte ein ganz außergewöhnliches Leben voll interessanter und unerwarteter Wendungen. Aber es gibt nichts, was ich bereue.«

Mit dem Raumflugzeug »VSS Unity« seines Unternehmens Virgin Galactic flog Branson 2021 ins Weltall – und kam damit den beiden anderen »Weltraummilliardären« Jeff Bezos und Elon Musk zuvor.
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Mit dem Raumflugzeug »VSS Unity« seines Unternehmens Virgin Galactic flog Branson 2021 ins Weltall – und kam damit den beiden anderen »Weltraummilliardären« Jeff Bezos und Elon Musk zuvor.

Sir Richard Branson

Sir Richard Charles Nicholas Branson ist der Gründer der Virgin-Group, zu der mehr als 400 Unternehmen wie etwa Virgin Atlantic Airlines oder das Raumfahrtunternehmen Virgin Galactic gehören. Der Legastheniker Branson zählt mit einem Vermögen von über 2,5 Milliarden US-Dollar zu den erfolgreichsten Unternehmern Großbritanniens.

Branson wurde am 18. Juli 1950 in London geboren. Die Schule brach er mit 16 Jahren ab, um ein Studentenmagazin zu gründen. 1971 eröffnete er sein erstes Plattengeschäft Virgin Records. Mit seinem Musiklabel, das Künstler wie Mike Oldfield, die Sex Pistols und Genesis unter Vertrag hatte, wurde Branson erfolgreich. 1992 verkaufte er Virgin Records für eine Milliarde Dollar.

Branson unternahm mehrere abenteuerliche Weltrekordversuche: 1986 brach er etwa mit einem Motorboot zur schnellsten Atlantiküberquerung auf. 1987 überquerte er den Atlantik erstmals mit einem Heißluftballon, 1991 den Pazifik. 2021 flog er mit einer Raumfähre als erster der »Raumfahrtmilliardäre« (neben ihm sind das Jeff Bezos und Elon Musk) ins Weltall.

Richard Branson gehört Necker Island, die zu den British Virgin Islands zählt. Darüber hinaus betreibt er Luxus-Ressorts in der Karibik, Afrika, den Schweizer Alpen und auf Mallorca.

1999 wurde er von der Queen wegen seiner Verdienste für das britische Unternehmertum zum Ritter geschlagen.

Branson ist seit 1989 mit Joan Templeman verheiratet und hat mit ihr zwei Kinder.


Erschienen in
Falstaff Magazin Schweiz Nr. 1/2025

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Judith Hecht
Autor
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