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Das Weingut von Gunter Künstler aus Hochheim im Rheingau gewann die Trophy mit seinem Marcobrunn Riesling aus 2021.

Das Weingut von Gunter Künstler aus Hochheim im Rheingau gewann die Trophy mit seinem Marcobrunn Riesling aus 2021.
© Grossaufnahmen

Langer Atem: Die Sieger der »48-Stunden-Trophy«

Tasting

Falstaff unterzog zwei Dutzend Weine einem Dauertest – und verkostete den Inhalt der Flaschen drei Tage in Folge. Die »48-Stunden-Trophy« gewann schließlich der Wein, der am dritten Tag die höchste Note aller getesteten Weine bekam.

Die Falstaff Redaktion wird regelmäßig mit zwei Anfragen konfrontiert: Leserinnen und Leser kontaktieren uns mit der Frage, wie lange sich ein guter Wein im Anbruch hält. »Muss ich eine gute Flasche gleich austrinken, wenn ich sie geöffnet habe?« Winzer wiederum bitten uns häufig darum, ihre Weine einige Stunden vor der Verkostung zu öffnen, damit sie sich dann – hoffentlich – in Bestform zeigen.

Am Anfang des neuen Jahres nahmen wir uns vor, einmal beiden Themen zugleich nachzuspüren: in einer Probe, in der dieselben vier Verkoster die geöffneten Flaschen über drei Tage hinweg verfolgen. Im Anschluss würde es zwei Auswertungen geben: Die Punkteschnitte des dritten Tages würden über den Sieg in der Trophy entscheiden. Ein zweites, ebenfalls spannendes Ranking zeigt, welche Weine am meisten zulegen konnten in den 48 Stunden zwischen der anfänglichen Verkostung und derjenigen des dritten Tages.

Das Tasting und seine Ergebnisse waren höchst bereichernd: Denn zum einen hatten die Winzer für diesen speziellen Verkos­tungs­­modus Weine eingeschickt, die punktgenau das Thema trafen: Weine mit Substanz und zuweilen auch einer anfänglichen Sperrigkeit, die sich nach 48 Stunden meist in aromatischen Reichtum und in harmonische Gaumenstrukturen verwandelt hatte. Bei manch einem Wein hätten die Verkoster am liebsten noch einen vierten und fünften Tag angehängt.

Zum anderen war beeindruckend, wie viel Unterschiedliches in 48 Stunden passieren kann: Manche am ersten Tag relativ offenen Weine wirkten am zweiten Tag verschlossener als zu Beginn, um sich dann am dritten wieder zu öffnen. Bei anderen, anfangs verschlossenen Weinen, konnte man geradezu zusehen, wie sie von Tag zu Tag erblühen. Die Frage danach, wie lange sich eine Flasche im Anbruch hält, lässt sich mit einem Appell beantworten: Probieren Sie es aus – das Verfolgen guter Weine über ein paar Tage hinweg ermöglicht ein Vergnügen eigener Art.

1. Platz

Tag eins: Eine vergleichsweise kräftige Farbe kündet von sehr reifem Lesegut. Im Duft tropische Frucht, Ananas, Mango, Quitte. Am Gaumen zeigt sich der Wein dann schlanker und...
Deutschland

2. Platz

Tag eins: Deutliche Hefenoten, aber auch eine ausgeprägte Frucht. Maracuja, Weinbergpfirsich, Apfelkompott. Der Gaumen verbindet Drive mit Fülle, eine sehr gepflegt wirkende...
Baden, Deutschland

3. Platz

Tag eins: Duft nach reifen Zitrusfrüchten, Grapefruit, Ananas, süße Mandarine, Würze, zarte Muskatnuss, kandierter Ingwer, erdige und steinige Noten, delikat. Am Gaumen mit...
Mosel, Deutschland

48 Stunden


Der Modus
Die Weine wurden an Tag eins geöffnet und im Viererteam verkostet und bewertet. Zu jedem Wein wurde ein arithmetisches Punktemittel berechnet. Die Flaschen wurden mit Griffkorken verschlossen und in Klimaschränke zurückgestellt. An Tag zwei wurden die angebrochenen Flaschen von denselben Personen erneut verkostet, und die zu Tag eins festgestellten Veränderungen notiert. Die Weine wurden abermals bewertet und das Punktemittel berechnet. An Tag drei wiederholte sich die Prozedur ein weiteres Mal.

Auswertung
Über den Sieger der Trophy entschied der Punkteschnitt des dritten Tages, also nach 48 Stunden. Eine zweite Auswertung listet die Weine, deren Bewertung sich zwischen Tag eins und Tag drei am meisten verbessert hat.

 


Top 13 der Weine mit der größten Verbesserung innerhalb von 48 Stunden:

Plus 1,5 Punkte
95
: 2020 Assmannshausen Höllenberg Spätburgunder GG, Weingut Künstler, Hochheim (Rheingau), € 69,–

Plus 1,375 Punkte
94: 2021 Silvaner »Natur« trocken, Weingut Johannes Zang, Sommerach (Franken), € 21,–

Plus 1,25 Punkte
93+: 2021 »Grande Cuvée« trocken, Weingut Zimmermann, Wachenheim (Pfalz), € 20,–

Plus 1,0 Punkte
96+: 2021 Erbach Marcobrunn Riesling GG, Weingut Künstler, Hochheim (Rheingau), € 69,–

95: 2021 Syrah »SL« trocken, Großheppacher Wanne *Klingenberg*, Weingut Bernhard Ellwanger, Großheppach (Württemberg), € 36,90

94: 2023 Schlossböckelheim Felsenberg Riesling trocken, Weingut Mathern, Niederhausen (Nahe), € 15,–

93: 2022 Grauburgunder »GoldenEi«, Weinhaus Siegmund Klingbeil, Naumburg (Saale-Unstrut), € 30,–

Plus 0,875 Punkte
95+: 2023 Riesling »Achat« trocken, Weingut Andreas Laible, Durbach (Baden), € 19,50

Plus 0,75 Punkte
94: 2018 »Unartig« Cuvée Prestige, Neverland Vineyards, Vendersheim (Rheinhessen), € 55,–

Plus 0,625 Punkte
95: 2022 Leiwen Laurentiuslay Riesling GG, Weingut Nik Weis – St. Urbans-Hof, Leiwen (Mosel), € 48,–

Plus 0,5 Punkte
93: 2022 »Kaiserstuhl Weiss« trocken, Weingut Salwey, Oberrotweil (Baden), € 15,–

92,5: 2022 Langsur Brüderberg Chardonnay S Réserve, Rinke Weine, Mertesdorf (Ruwer; Weinberg: Obermosel), € 25,–

92: 2022 Kreuznach Riesling trocken, Weingut In den Zehn Morgen, Bad Kreuznach (Nahe), € 11,90


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Erschienen in
Falstaff Magazin Deutschland Nr. 1/2025

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Ulrich Sautter
Ulrich Sautter
Wein-Chefredakteur Deutschland
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