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»Lap Coffee«: Billig-Kaffee oder neues Erfolgsmodell?

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Was die junge Generation liebt, setzt Traditionscafés unter Druck. Schreibt »Lap Coffee« die Spielregeln der deutschen Kaffee-Szene um?

Mit Cappuccino für 2,50 Euro und Espresso für 1,50 Euro sorgt die Berliner Kette »Lap Coffee« derzeit auf allen Kanälen für Gesprächsstoff – und für hitzige Diskussionen in der Kaffee-Szene. Kaum ein anderes Gastronomie-Start-up wächst so schnell: Innerhalb von zwei Jahren eröffnete das Unternehmen knapp 20 Filialen, die meisten in Berlin, dazu erste Standorte in München. Hamburg steht bereits auf der Expansionsliste. Was heißt das für die Café-Szene?

Der Name »Lap« steht für »Life Among People«. Das Versprechen: erschwinglicher Kaffee für die breite Masse. Die Kette will laut eigener Angaben Treffpunkt für Fahrradkuriere, Gen-Z-Studierende und Künstler aus dem Kiez sein, für alle, die eben chronisch »auf dem Sprung« sind. Möglich wird das durch kleine Läden, reduzierte Ausstattung, bargeldloses Bezahlen und den klaren Fokus auf Coffee-to-go. Wer einen gemütlichen Nachmittag im Café verbringen will, ist hier falsch: Sitzplätze sind rar, Toiletten gibt es kaum. Stattdessen zählen Geschwindigkeit, Effizienz und große Mengen.

Wachstum dank Wagnis

Hinter dem rasanten Expansionskurs stehen internationale Investoren wie HV Capital, FoodLabs oder Insight Partners aus New York. Sie finanzieren die rasche Ausbreitung und ermöglichen Preise, die in der Hauptstadt-Szene fast ausgestorben schienen. Auch eine starke Präsenz auf Social Media ist Teil der Strategie. Immer wieder dienen die Läden als Kulisse für »Morning Raves«, Events mit Modemarken, Running-Clubs oder Community-Plattformen.

 

Billig bedeute aber nicht automatisch schlecht – darauf legt »Lap Coffee« Wert. Die Bohnen stammen laut eigener Angaben von der Berliner Spezialitätenrösterei »19grams«, werden auf Maschinen von Mahlkönig und Eversys verarbeitet und erreichen SCA-Bewertungen zwischen 84 und 87 Punkten (das sind die besten fünf bis zehn Prozent der Kaffeesorten weltweit). Auch geschmacklich kann der Cappuccino mit deutlich teureren Angeboten mithalten.

Kritik aus der Branche

Doch nicht alle jubeln. Viele unabhängige Betreiber fürchten um ihre Existenz. Philipp Reichel, Gründer des »Isla Coffee« und Mitinitiator der Berlin Coffee Week, warnt gegenüber des rbb: »Ein fairer Cappuccino muss mindestens 3,50 Euro kosten, damit Produzenten, Röster und Cafés überleben können.« Seine Sorge: Risikokapital treibe ein Geschäftsmodell voran, das kleinere Betriebe verdrängt.

In München hingegen sei die Lage entspannter. Dort bedienen »Lap Coffee« und unabhängige Spezialitäten-Cafés offenbar unterschiedliche Zielgruppen. Während überwiegend junge Menschen mit kleinem Budget zu »Lap Coffee« strömen, schätzen andere Gäste nach wie vor handwerklich gerösteten Kaffee – und zahlen dafür mehr.

Zwischen Weckruf und Verdrängung

Das Modell von »Lap Coffee« erinnert an Trends aus London, Tokio oder New York – und beschleunigt auch hierzulande den Wandel. Während die einen von einer Gefahr für Vielfalt und Handwerk sprechen, sehen andere darin den Anstoß, Abläufe effizienter und digitaler zu denken. Sicher ist nur: Die blaue Kaffeekette ist gekommen, um sichtbar zu bleiben – und verändert damit schon jetzt die Spielregeln auf dem Markt.


Redaktion
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