Sekthaus Raumland: 40 Jahre alt – und mit dem Blick nach vorn
Bei Volker Raumland liefen in den vergangenen Jahrzehnten viele Fäden zusammen, die das deutsche Sektwunder auf den Weg brachten. Im Jahr 2020 wurde der Pionier in den VDP aufgenommen, als bislang einziger Sektbetrieb. Zum 40. Firmenjubiläum sprach Falstaff mit Volker Raumland und seiner Tochter Marie-Luise.
Falstaff: Herr Raumland, bitte erzählen Sie uns, wie vor 40 Jahren alles begonnen hat.
Volker Raumland: Alles fing im Studium in Geisenheim an, mit 100 Litern. Weil mich das Sektmachen fasziniert hat, wurden bald 1000 und später 2000 Flaschen daraus – dann zu Hause in alten Gewölbekellern, die ich von den Eltern gepachtet hatte.
Dann fingen Sie an, auch im Lohn für andere Betriebe zu versekten.
Volker Raumland: Die Tageszeitung »Rheinpfalz« hat irgendwann über mein Rütteln und Degorgieren mit musealen Maschinen berichtet, da kamen dann die Anfragen von Kollegen: Können wir nicht mal eine Kleinauflage machen? Da kamen dann Grundweine aus Gewürztraminer oder Scheurebe.
Die erste gebrauchte Degorgiermaschine habe ich mir für 35.000 Mark gekauft, damals für mich eine Riesensumme. Aber ich hatte eine Idee: In der Champagne hatte ich erlebt, dass es »Champagnisateure« gibt, die mit mobilen Gerätschaften über die Lande fahren, um vor Ort für die Winzer Schaumwein zu machen, also die Tiragen (das Abfüllen der Grundweine für die Flaschengärung) zu machen und zu degorgieren. Also habe ich meine Maschinen auf einen alten Mercedes-Bus montiert und eine Anzeige in Fachzeitschriften gesetzt: »mobile Sektkellerei«. Da kamen in wenigen Tagen über 100 Anfragen. So ließen sich die Maschinen problemlos amortisieren.
Marie-Luise Raumland: Papa war der fliegende Sektmacher. Aber irgendwann hat Mama dann zu dir gesagt, wenn du weiter so viel unterwegs bist, sagen deine Kinder bald »Onkel« zu dir.
Volker Raumland: Das Reisen hat mir aber auch Spaß gemacht, ich kam in viele Betriebe rein und bin mit vielen Winzern zusammen groß geworden. Der Sektmarkt war ja auch damals schon von Großbetrieben dominiert. Aber durch meine Tätigkeit begann eine Gegenbewegung: Viele kleinere Betriebe haben angefangen, Sekt zu machen.
Und dann kamen irgendwann die eigenen Weinberge?
Volker Raumland: Der eigentliche Aufstieg begann 1989, als wir eine Fabrikantenvilla kurz vor der Zwangsversteigerung kaufen konnten. Da waren vier Hektar Reben dabei, die wollte ich anfangs gar nicht, die waren mit Müller-Thurgau, Kerner und Würzer bepflanzt. Aber dann habe ich die Flächen doch genützt.
1990 habe ich sie gerodet und Spätburgunder gepflanzt, denn der funktioniert aus Zukauf einfach nicht so gut. Erst durch die eigenen Weinberge habe ich dann festgestellt, was man alles aus einer Traube herausholen kann.
Ich hatte zwar schon immer eine gute Zunge gehabt, um Grundweine auszuwählen, aber die eigenen Trauben für verschiedenen Pressfraktionen nützen zu können, das ist etwas ganz anderes. Dann kamen die Gespräche mit dem VDP, und damit hatte sich der Zukauf ohnehin erledigt.
Marie-Luise Raumland: Inzwischen haben wir 15 Hektar eigene Weinberge.
Große Fußstapfen, Frau Raumland …
Marie-Luise Raumland: Mein Anspruch und der meiner Schwester Katharina ist gar nicht, die Fußstapfen unserer Eltern auszufüllen, wir wollen eigene danebensetzen.
Mein erster Jahrgang war 2015, damals ist zum Beispiel die Idee »Solera« entstanden. Wir haben es so gemacht, dass wir die Basis jedes Jahr im Barrique vergoren haben, ein Jahr aus einer weißen und dann im Folgejahr aus einer roten Traube. Immer auf der Suche nach dem idealen Verschnittpartner.
Die Lagerung der verschnittenen Weine, also der Solera, erfolgt aber nicht im Holz, sondern im Drucktank. Die erste Tirage war 2020, die liegt noch auf der Hefe. Da wir die Bezeichnung »Solera« nicht verwenden dürfen, wird der Sekt »Sorela« heißen, was auch etwas wie Sorelle klingt, die Schwestern.
Wann werden wir das probieren können?
Marie-Luise Raumland: Voraussichtlich Ende 2026.
Vielen Dank für das Gespräch.