© Mato Johannik

Bachls Restaurant der Woche: Der gute Fang

Nach langer Pause hat Ybbs wieder ein spannendes Restaurant.

Gastrohistoriker erinnern sich an die 1990er, als Gourmets in die »Villa Nowotny« nach Ybbs pilgerten. Jahrzehnte später will Hannah Neunteufel wieder eine kulinarische Zieladresse etablieren. Die gebürtige Ybbserin kennt man als Wiener Catering- und Eventexpertin. Das Angebot, in der neuen Stadthalle an der Donau die Gastronomie zu übernehmen, motivierte sie zum Pendeln. Das durchgestylte Lokal nimmt farblich mit Kacheln und Pölstern das Wasser­thema auf. Hier sollen Neunteufels Sohn Jakob als Küchenchef und das Wiener Gastro-Urgestein Mario Raaber (zuvor u. a. Sommelier im verblichenen »Vincent«) dafür sorgen, dass »Der gute Fang« nach bürokratisch gebremstem Start in die Gänge kommt.

Wie der Name suggeriert, gibt’s Fisch, der natürlich nicht aus dem Fluss stammt, wo alle paar Minuten Schleppkähne vorbeituckern. Sehr gelungen: die sämige Süßwasser-Bouillabaisse mit Sauce Rouille oder das aufwendig dekonstruierte Wels-Szegediner mit Fischfilet, in Kraut gewickelt, Szegediner Süppchen und Erdäpfelauflauf. Bei der »Haselbeck Rübe« – gemeint ist die schwedische »Hasselback«-Schnittmethode – stößt man auf überschießenden Kreationswillen. Die Kombi aus Chioggia-Rübe, Belper Knolle, Sauergemüse und Basilikumeis bietet per se schon genug Aromatik. Die zwei Gramm Störkaviar obendrauf mögen Luxus versprühen, geschmacklich saufen die teuren Fischeier ziemlich ab. Weniger Aufwendiges wird an Hochtischen im »Bistro« serviert. Mario Raaber hat spannende Weine zusammengetragen, die Preise sind friedlich, Dom Perignon P2 zum Feiern gibt’s auch und die Cocktailkarte ist lang. Viele Lokale dieser Art hat die Donau nicht zu bieten.

Bewertung Alexander Bachl

Essen 45 von 50
Service 17 von 20
Weinkarte 17 von 20
Ambiente 9 von 10
GESAMT 88 von 100
€€

Für dieses Lokal liegt im Falstaff Restaurantguide noch keine Bewertung vor.

Info

Der gute Fang
Donaulände 1, 3370 Ybbs an der Donau
T: +43 7412 20801
dergutefang.at

Erschienen in
Falstaff Nr. 01/2022

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Alexander Bachl
Alexander Bachl
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