Bachls Restaurant der Woche: »Kameel Beletage«
Die »Beletage« ist das neue Restaurant über dem etablierten »Schwarzen Kameel«.
Früher war es so. Man spazierte ins »Schwarze Kameel« entspannt hinein, lehnte sich irgendwo an, genoss gemütlich Brötchen oder in einer Loge ein Schnitzel und fand garantiert an irgendeine Partie Anschluss, so man das wollte. Und heute? Das Erdgeschoß mutierte zu einer hektischen und lauten Begegnungszone, wer im Freien einen Platz ergattert, verlängert die Sitzdauer achterlweise bis Ende nie.
An ruhiges Dinieren war im Erdgeschoß schon länger nicht mehr zu denken. Also zog Eigner Peter Friese die Konsequenz und verwandelte die Veranstaltungsräume im ersten Stock ins neue Restaurant »Beletage« – das im Übrigen mit seiner Altwiener Salonatmosphäre und intimen Logen so aussieht, als wäre es immer schon da. Frieses Vorgabe: »Gerichte mit Tradition, subtil weiterentwickelt, aber ohne Eskapaden«. Eskapaden mancher seiner Küchenchefs sind dem Patron in Erinnerung, daher engagierte er einen Mann, dem derlei fremd ist.
Walter Pichlmaier war bislang Küchenchef im Hotel »Imperial«. Er entwickelte für eine neue »Jahreszeiten«-Karte ein paar spannende Gerichte, etwa Pilzbeuschel mit dem Urgetreide Emmer, eingelegten Johannisbeeren und Liebstöckelgelee. Oder geschmorten Chicorée mit Porridge, Birne und Trüffel obendrauf. Einen Orden verdient Pichlmaier aber für das Exhumieren verlorener Speisen wie Hechtnockerln mit jungem Spinat, Zitronenbuttersauce und Kaviar, als »Quenelle de Brochet« ein Klassiker der Lyonaiser Küche. Oder Dover-Seezunge mit dezenter Kräutersauce und Artischocken-Paradeiser-Risotto dazu. Und der vergessene Bienenstich ist auch wieder da. Ein völlig neues »Kameel«-Erlebnis. Für stressfreien Zugang empfiehlt sich die Hintertüre in der Naglergasse.
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