Tarnen und Täuschen: Das neue Restaurant »Schwein« in Wien
Lokalkritik: Wo es lange Zeit hauptsächlich Burger gab, wird jetzt vegetarisch gekocht. Und dann heißt das neue Lokal auch noch »Schwein«.
Schwein oder nicht Schwein, das ist hier die Frage, die sich wohl so mancher stellt, der das neue Lokal »Schwein« im siebenten Bezirk betritt, in dem es alles gibt, nur kein Fleisch vom Schwein, eigentlich überhaupt kein Fleisch, denn das »Schwein« steht für vegetarisch. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass im Vorgängerlokal unter dem Namen »Weinschenke« vor allem diverse Burger serviert wurden.
Gut, man kann auch einem vegetarischen Lokal den Namen »Schwein« geben, muss sich aber dann auch gefallen lassen, dass manche Gäste nach einem Schweinsbraten verlangen, was angeblich immer wieder vorkommen soll, berichtet die freundliche Dame im Service und meint: »Es ist aber noch niemand aufgestanden und sofort gegangen«.
Wäre auch schade, denn das »Schwein« ist eigentlich ein sehr sympathisches Lokal mit einer angenehmen Atmosphäre und einer sehr gelungenen Inneneinrichtung – mit nicht ungeschickt platzierten und von der Decke hängenden Vorhängen, stimmigen Lichtanlagen und – richtig geraten – einem beleuchteten Frontal-Saurüssel an der Wand.
Im »Schwein« am Siebensternplatz, dort wo der siebente Bezirk so richtig siebenter Bezirk ist, kann man schon ab acht Uhr frühstücken und zu Mittag und am Abend essen. Insgesamt ist die Küche nicht schlecht, wenngleich auch ein wenig bemüht, die Gerichte vor allem optisch in Szene zu setzen, was ihnen geschmacklich nicht immer nur gut tut. Das »Monkey Bread« etwa, eigentlich kein wirkliches Gericht, sieht aus wie Buchteln mit geriebenem Käse und leidet an dominanter Trockenheit. Das trifft auch auf die »Crispy Artichokes« zu, wobei zu den frittierten Artischocken wenigstens eine Cashewcreme tapfer gegen die Trockenheit ankämpft.
Sehr gelungen sind hingegen die »Shiitake Croquettes« mit Daikon Kimchi, hier geht sich der Rettich-Geschmack als säuerlicher Kontrapunkt zu den Kroketten mit Pilzfüllung bestens aus. Wer danach aber »Schwein's (fried) Lasagne« bestellt hat, der landet wieder im Reich des Frittierten. Und frittiert wird im »Schwein« offensichtlich gerne.
Der Begriff »Lasagne« ist für dieses Gericht genauso irreführend wie der Lokalname. Frittiert wird bei einer herkömmlichen Lasagne eigentlich gar nichts, lediglich die Fülle aus Béchamel mit Provola-Käse erinnert entfernt an den italienischen Gassenhauer, wobei hier statt einem Ragout dünne Zucchinistücke eingebaut werden. Vergleichsweise klassisch das »Chocolate Mousse« als Dessert, während der »Milchrahmstrudel« wiederum mit Kokos und Himbeeren aufgebrezelt wird.
Fazit: ein atmosphärisch sehr gelungenes Lokal mit einem überaus freundlichen Service, sehr moderaten Preisen (maximal 14.90 Euro für eine Hauptspeise) und einer fleischlosen Küche mit Gerichten, von denen einige noch einen Test im Windkanal gut gebrauchen könnten.
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