Weder Restaurant noch Gasthaus: Bachls Kritik der »Brasserie Sophie«
Das »Anantara Hotel« in Wien sperrte zusätzlich zum »Edvard« noch die »Brasserie Sophie« auf.
Um geschützte Begriffe handelt es sich bei gängigen gastronomischen Typisierungen nicht. Somit kann jeder ein Restaurant auch »Gasthaus« nennen, einen Imbiss »Tapas-Bar« oder eben ein Hotel seinen Speisesaal »Brasserie«. So geschehen im »Anantara Palais Hansen Vienna«, vielen noch immer als »Kempinski« bekannt. Nur dass jeder, der je in Frankreich in die glamouröse Welt großer Brasserien eingetaucht ist, halt gewisse Assoziationen hat. Die weißen Kugelleuchten sind wohl als frankophiles Zitat gedacht, der Rest des fensterlosen Raums im Bauch des Hotels erinnert eher an die Restaurants nobler Kreuzfahrtschiffe. Noch am ehesten Brasserie-Style sind die sautierten Alpengarnelen, adrett serviert im Kupferpfännchen mit fettigen Joseph-Brot-Crostinis und einer mit Marchfelder Safran aromatisierten Buttersauce. Die bissfesten Schlutzkrapfen muss man unter dem Berg von aroma-armen Trüffelscheiben, Mandelplättchen und Räucherkäse erst mal freilegen.
Im »sorgfältig kuratierten Menü« sucht man im Kapitel »Meer / Luft / Erde« vergeblich nach Hochsee-Lebewesen. Einzig Goldforelle, solide gebraten und mit Wurzelgemüse und Schalottenschaum serviert, hat mit Wasser zu tun. Als »Mini Bao Bun« titulierte Hefebrötchen kommen riesig daher, drinnen Scheiben von »österreichischer Rinderbacke« und Wurzelgemüse, der ausgelobte Teriyaki-Style ist nur ansatzweise wahrnehmbar. Bei der Bouteillen-Wahl ist Vorsicht geboten. Ein netter Crémant von Agnès Paquet – Handelspreis 24 Euro – ist hierorts zu 149 Euro zu haben. Wer nett fragt, darf sich – »bitte nur kurz« – die große Weinkarte vom benachbarten Ein-Sterner »Edvard« ausleihen, auf der sich nach kundiger Suche vernünftig gepreiste Flaschen finden.