Bisher hieß dieses kosmopolitischste Restaurant der Welt nur einfach
»Ikarus«. Jetzt steht die namensgebende mythologische Figur als Skulptur im Zentrum des Lokals und strebt einer Leuchtsonne an der Decke zu. Nach 22 Jahren bekam der Hangar-7 eine Generalüberholung und das Gastköche-Programm machte Pause. Nun gibt’s statt zehn nur mehr acht lederbezogene Tische – jetzt im Farbton Café au Lait, das neue Interieur verströmt luxuriöse Gemütlichkeit. Die Sommeliers bekamen zwei begehbare Glasräume. Und der Käse wurde vom duftenden Wagen in eine Leuchtschatulle übersiedelt. So weit zur Hardware. Beim Konzept wurde an der Vision des Gründers genau gar nichts verändert. Ein kurzer Rückblick: 2004 saß der junge Roland Trettl – Küchenchef im ersten Jahrzehnt – vor Dietrich Mateschitz, hörte sich dessen Idee monatlich wechselnder Gastköche an und meinte zu wissen, dass eine Umsetzung schlicht unmöglich sei. Nach einer Stunde Dialog mit dem 2022 verstorbenen Entrepreneur war dann doch klar, dass es genau so kommen wird. Was es zugleich wenig sinnvoll macht, ein Menü zu beschreiben, das nach Erscheinen längst einem anderen gewichen ist. Dennoch beispielhaft ein paar Details von Juli-Gastkoch Rafa Costa e Silva, dessen Gerichte man permanent im »Lasai« in Rio de Janeiro genießen darf. Sein kleinteiliges Tapas-Menü wurde an das »Ikarus«-Konzept angepasst – erst vier hochkomplexe Happen, darunter ein Sandwich aus Quinoa-Cracker, Seeigel, Ziegenkäse und Banane. Aus den fürs »Ikarus« größer als in Rio angelegten Gängen: eine Art Spiegelei – das Dotter echt, statt Eiweiß Maniok-Creme, darüber schwarzer chilenischer Trüffel und Speck. Genial vom Gastkoch ersonnen, genial von Martin Kleins Salzburger Team umgesetzt. Oder Carabinero mit erdig-salzigen Palmherzen, Paranüssen und Bohnen – ein Gericht von betörender Klarheit und wie stets hier kaum zu übertreffender Produktqualität. Die Reduktion auf noch weniger Tische schafft die Möglichkeit, die stets komplexen Menüs noch präziser zu kochen. Wer das liest, darf gerade das August-Menü des »Ikarus«-Teams genießen, oder das von September-Koch Przemysław Klima aus Polen. Zum Wein ist anzumerken: Wer seiner Tischrunde Warterei ersparen will, kann die dreiteilige allumfassende Karte vorweg downloaden. Oder man hält sich an die Weinbegleitung von Chefsommelier Mario Onida – hochklassige und -preisige Upgrades wie »Absterde« 2014 von Klaus-Peter Keller finden sich im Kleingedruckten der Speisekarte. »Ikarus« fliegt – wie eh und je.