Falstaff-Talk mit Karl-Fritz Scheufele: «Wir machen die Klassiker erlebbar»
Das zur Chopard-Familie gehörende Genfer Weinrestaurant «Chez Bacchus» feiert in diesem Jahr 5-jähriges Jubiläum. Falstaff hatte die Möglichkeit, mit Karl-Fritz Scheufele zu sprechen, der das Lokal mit eröffnete. Im Falstaff-Talk spricht die fünfte Generation Scheufele darüber, wie sie die Weinwelt entstaubt hat und wie gefragt deutschschweizer Weine in der Romandie sind.
Falstaff: Herr Scheufele, das «Chez Bacchus» feiert in diesem Jahr sein 5-jähriges Jubiläum. Was betrachten Sie als Ihren grössten Erfolg, wenn Sie auf die letzten Jahre zurückblicken?
Karl-Fritz Scheufele: Ich würde sagen, der grösste Erfolg ist, dass wir den Spagat zwischen Vergangenheit und Gegenwart hinbekommen haben. Wir haben sehr, sehr klassisch Mitte der 1990er mit dem Import und Vertrieb von Bordeaux-Weinen angefangen. Dafür waren wir schon immer bekannt. Für die neue Generation ist das aber nicht gerade das Einfachste. Wir haben uns gefragt, wie man die Geschichte dieser Weine am besten erzählen kann. Es handelt sich um historische Orte und Produzenten wir wollten nicht einfach alles umkrempeln und nur noch Low-Intervention-Weine anbieten. Ob Klassisch Bordeaux oder Vin De France in Low-Intervention, wir lieben Weine die eine Geschichte erzählen, die mit Präzision und Respekt für den Ort hergestellt sind. Beide Welten unter einen Hut zu bringen, war definitiv herausfordernd.
Wie haben Sie es hinbekommen?
Hauptsächlich indem wir die Klassiker erlebbar machen. Mein Vater hat vor langer Zeit veranlasst, dass von den Weinen immer ein paar Flaschen auf die Seite gelegt werden. Die zeigen wir dann bei Degustationen, veranstalten einen Event damit oder bieten sie im Restaurant an. Auf diese Weise verstehen die Leute das Geheimnis dieser Weine. Wir haben jeden Monat ein bis zwei Events. Häufig mit Winzern und immer in entspannter Atmosphäre.
Sie selbst sind 2018 in den Weinhandel ihrer Familie eingestiegen. Wie haben Sie das Sortiment geprägt?
Neben Burgund habe ich vor allem mehr Schweizer Weine ins Sortiment aufgenommen. Die sind seit Jahren sehr gefragt. Nicht nur aus den umliegenden Weinanbaugebieten von Genf und Waadt, sondern auch aus der Deutschschweiz. Die Leute in der Romandie lieben Weine aus der Deutschschweiz.
Bezieht sich diese Liebe auf bestimmte Regionen?
Ja, es gibt definitiv Trends. Vor zwei Jahren waren hauptsachlich Pinots aus Graubünden sehr angesagt, mittlerweile sind es auch Weine aus dem Aargau und Thurgau. Wir kaufen die Weine direkt bei den Winzern und sind froh um jede Flasche die wir bekommen. Von den meisten Weinen gibt es aber nie genug, weil die Produktion wirklich klein ist. Das versuchen wir unseren Weinliebhabern zu erklären.
«Chez Bacchus» ist Teil der Chopard-Familie, zu der auch das Weingut Château Monestier in Bergerac gehört. Gibt es Ähnlichkeiten bei der Herstellung von Uhren und Wein?
Ja, die gibt es durchaus. Uhrmacher stecken in jedes einzelne Teil einer Uhr maximal Bemühung – egal ob man es sieht oder nicht. In zwanzig Jahren, wenn jemand die Uhr für einen Service oder eine Reparatur öffnet, soll er denken, wow, da hat jemand genauso viel Arbeit in die Teile gesteckt, die auf den ersten Blick nicht sichtbar sind, wie in die Uhr Selbst. Bei Winzern ist das ähnlich. Manchmal hat man eine schlechte Ernte und füllt nur einen Teil des Weins ab, weil nicht die ganze Ernte bester Qualität war. Schliesslich sollen die Leute auch in zwanzig Jahren, wenn sie die Flasche öffnen, begeistert sein.
Danke für das Gespräch, Herr Scheufele.