Imbiss «Oder Wat»: Schlemmen wie im Ruhrpott
Der Essener Werber Alessandro «Pukki» Reintges betreibt seit Januar ein Pop-up im Zürcher «Légère». Die Karte des «Oder Wat» ist eine Ode an den Ruhrpott, seine Imbisse und an die einfache Küche mit Herz. Pukkis Currywurst, Frikadellen und Co. begeistern längst nicht nur Auslandsdeutsche.
Angesichts der Tatsache, dass in der Schweiz so viele Deutsche leben, gibt es hier auffallend wenige Restaurants, die sich der Küche des nördlichen Nachbars widmen. Das hat sich auch Alessandro Reintges, der von allen Pukki genannt wird, gedacht. Er ist im Ruhrgebiet aufgewachsen, wohnt aber seit über 10 Jahren in der Schweiz. Schon bald nach dem Umzug fing er an, die Küche seiner Heimat zu vermissen – vor allem aber auch die Stimmung im ruhrpöttischen Imbiss. «Der Imbiss ist ein Ort der Begegnung. Er ist Nachbarschaftstreff und Therapiezentrum zugleich. Dort steht der Bänker neben der Lehrerin und alle verstehen sich», sagt Pukki.
Sehnsuchtsort Ruhrgebiet
Lange fragte Pukki sich, warum denn niemand einen Imbiss nach deutschem Vorbild in Zürich eröffnete. Irgendwann kam ihm der Gedanke, dass er vielleicht die Person sein könnte, die dieses kulturelle Erbe in die Eidgenossenschaft bringt. Zur Eröffnung des «Oder Wat» führte dann, wie so oft, eine Kombination aus Idee, Zufall und Gelegenheit. Pukki ist eigentlich Werber, kündigte aber im Herbst 2025 seinen Job, um sich selbstständig zu machen. Er hatte plötzlich viel Zeit, über den Traum des eigenen Imbisses nachzudenken. Eines Abends spät traf er in der «Kronenhalle Bar» Christian Käser, der das «Légère» in der Nähe des Locherguts betreibt. Diese schicksalhafte Begegnung legte den Grundstein für den Pop-up-Imbiss «Oder Wat», den man dort bis März besuchen kann. Der Name ist eine Hommage an das Ruhrgebiet: «Mein Opa spricht richtiges Ruhrdeutsch, der beendet jeden zweiten Satz mit oder wat», so Pukki.
Einmal Taxiteller, bitte
Seit dem 6. Januar lässt Pukki im «Légère» also aufleben, was er seit einem Jahrzehnt in der Schweiz vermisst: die deutsche Imbisskultur. Nun gibt es dort von Mittwoch- bis Samstagabend Hausmannskost: Currywurst nach Ruhrgebiet-Art («die ist nicht so süss wie die in Berlin und viel würziger») die jeden Abend ausverkauften Frikadellen seiner Oma Uschi («da musste ich lange kämpfen, bis sie mir das Rezept verraten hat») oder den Kartoffelsalat seiner Tante Lina. Zusätzlich gibt es Kalbs- oder Schweinsbratwurst, Schaschlikspiesse, Pommes, Gyros und den Taxiteller, der aus Gyros, Pommes und Currywurst mit Mayo und Tzatziki besteht und besonders repräsentativ für die Imbisskultur des Ruhrpotts ist. Etwas mehr in die Fusion-Richtung geht hingegen sein Currywurst-Fondue. Im Caquelon befindet sich die Currywurst-Sauce, auf die er besonders stolz ist, auf die Gabeln kommen Wurst- und Frikadellenstücke und Pommes. Seit kurzem steht auch das typisch deutsche Mettbrötchen auf der Karte: «Rohes Schweinefleisch. Da trauen sich viele Schweizer noch nicht heran.»
Quereinstseiger Pukki
Pukki ist mit der Hausmannskost seiner Mutter, Tante und Grossmutter aufgewachsen, stand aber auch schon früh selbst am Herd: «Als Teenager war ich eine Zeit lang Veganer. Damit war meine Mutter etwas überfordert, deswegen habe ich dann selbst mit dem Kochen angefangen» – vielleicht gibt es deshalb die meisten Gerichte im «Oder Wat» auch in vegetarischer Ausführung. Die Gastronomieerfahrung kam seit der Eröffnung dazu, also «Learning by Doing». Es erstaunt Pukki, wie viel Zeit ihn das «Oder Wat» kostet. «Ich bin überrascht, wie arbeitsintensiv es ist. Hut ab vor allen Gastronom:innen». Gleichzeitig bereitet es ihm viel Spass: «Die Leute kommen hier rein, machen ein Foto mit mir, erzählen mir, wie mein Essen bei ihnen Kindheitserinnerungen geweckt hat. Es ist ein unglaublich emotionaler Ort geworden für mich.»
Konzept mit Zukunft?
Wie es nach dem Pop-up weitergehen soll, weiss Pukki noch nicht: «Nach den drei Monaten hier fahre ich erst mal in den Urlaub; irgendwo hin, wo die Sonne scheint. Ich denke, es wird eine Erleichterung, kann mir aber auch vorstellen, dass ich dann in ein Loch falle.» Er hält das Kapitel «Oder Wat» noch nicht für beendet: «Ich habe noch viele Ideen! Am liebsten würde ich auch einen Mittagstisch anbieten, mit Eintöpfen. Etwa Möhrendurcheinander oder Grünkohl-Eintopf. Das kennt bei uns jeder». Vielleicht geht es nach dem Entspannungsurlaub ja woanders weiter: «Vorstellen kann ich mir alles. Die Lust ist nicht kleiner, sondern grösser geworden. Das Feedback beflügelt!», sagt Pukki begeistert.