Jana Heinichen kocht wieder im «Freddy»
Nach ihrem erfolgreichen Pop-up im September 2025 kehrt Jana Heinichen zurück ins Zürcher «Freddy». Die gebürtige Vietnamesin ist in Bern aufgewachsen und verbindet in ihrer Küche zwei kulinarische Welten.
Schon im vergangenen August stand Jana Heinichen im «Freddy» am Herd. Ihr erstes Gastspiel war turbulent. Wie viele Gäste kommen würden, wie viel vorbereitet werden musste oder wie gross das Küchenteam sein sollte – all das wusste sie damals noch nicht. «Es war ziemlich hektisch», erinnert sie sich. Da es keine Reservationen gab, kochte sie fast jeden Abend für drei Seatings – drinnen und draussen. «Ich hatte keine Ahnung und habe einfach drauflos gekocht», erzählt sie lachend.
Unterstützung bekam sie zunächst von einer Köchin, die sie selbst mitgebracht hatte. Später stiess eine weitere Person dazu. Zu dritt stemmten sie Service, Vorbereitung und sogar den Abwasch. Trotz des Trubels blieb vor allem eines in Erinnerung: die Neugier der Gäste. «Sie hatten grosse Freude daran, etwas anderes auszuprobieren», sagt Heinichen. Jetzt ist die junge Köchin zurück im «Freddy» und bringt vietnamesische Klassiker in das Zürcher Lokal.
Vietnam meets Schweiz
Heinichens Küche ist weder strikt traditionell noch reine Fusion. Sie verbindet vietnamesische Klassiker mit Schweizer Einflüssen. Ein Beispiel ist Bo Kho Kieu Thuy Si: Ämmitaler Butterpastetli mit vietnamesischem Rindsragout und Brätkügeli. Oder Ga Chien Gion, frittierte Alpsteinpoularde mit karamellisierter Fischsauce, grünem Pfeffer und eingelegtem Senfblatt. «Besonders beliebt ist auch die Pizza aus grilliertem Reispapier mit Ei, Mayonnaise, Chilisauce, Schnittlauchöl, Minze, Röstzwiebel und Pork Floss», erzählt Heinichen. Auf der Karte steht sie allerdings als Taco, damit die Gäste wissen, dass sie das Gericht zusammenklappen müssen.
Zu dem Menü serviert Gastgeber Rico Jauch passende Drinks, etwa einen Espresso Martini mit süsser Kondensmilch oder einen veganen Pisco Sour. Eine kleine, feine Auswahl an Naturweinen ergänzt die Getränkekarte. Heinichens Empfehlung: zu zweit kommen und möglichst viele Gerichte gemeinsam probieren. Alle Speisen sind auch in einer vegetarischen Variante erhältlich. Die Zutaten für ihre Gerichte besorgt Heinichen meist selbst – mit dem Fahrrad. Da sie keinen Führerschein hat, fährt sie täglich durch den Kreis 3, mit Kartons auf dem Gepäckträger.
Heinichens kulinarische Handschrift ist eng mit ihrer Biografie verbunden. Geboren in Vietnam, kam als Kind in die Schweiz. Bei ihrer Familie in Bern wurde vor allem Schweizer Küche gekocht, von ihrer Mutter kannte sie hingegen die vietnamesische Küche. Diese beiden Einflüsse prägen ihre Arbeit bis heute. «Meine Wurzeln sollen nicht verloren gehen», sagt sie. Gleichzeitig sei es ihr wichtig, dass ihre Küche auch in der Schweiz verankert bleibt.
Der Weg zur Köchin
Den Einstieg ins Kochen fand sie früh. Ihre leibliche Mutter arbeitete ebenfalls als Köchin und zeigte ihr schon als Kind, wie man aus wenigen Zutaten etwas Gutes zubereitet. Heinichen wuchs in einfachen Verhältnissen auf, Essen war nicht selbstverständlich. Gerade deshalb entwickelte sie eine besondere Beziehung zum Kochen. Später absolvierte sie ihre Ausbildung zur Köchin EFZ im «Volkshaus» in Bern, wo sie die klassische Schweizer Küche lernte.
Doch wie fand sie ihren Weg nach Zürich? Die Zusammenarbeit mit dem «Freddy» entstand eher spontan. Im Sommer 2025 hörte Heinichen, dass das bisherige Konzept «Dian Dian Mian» ausziehen würde. Also schrieb sie kurzerhand Rico – dem Gastgeber im «Freddy», ob er auf der Suche nach Köch:innen sei. «Ich war einmal hier essen und es hat mir gefallen», erzählt sie. Gekannt habe er sie damals allerdings noch nicht – und ihr Essen auch nicht.
Heute steht sie bereits zum zweiten Mal am Herd an der Meinrad-Lienert-Strasse – allerdings nur für kurze Zeit. Dieses Mal können auch Tische reserviert werden.
Infos
Pop-up im «Freddy»
Meinrad-Lienert-Strasse 1, 8003 Zürich
4. bis 28. März 2026
Mittwoch bis Samstag ab 18 Uhr
Reservation empfohlen
freddy11.ch