Markus Stöckle: «Wenn, dann wollen wir gleich zwei Sterne»
Nach acht Jahren geht ein Kapitel zu Ende: Das Zürcher Kultlokal «Rosi» schliesst. Für Spitzenkoch Markus Stöckle ist das ein Abschied mit Wehmut, aber auch der Beginn eines neuen Abenteuers – mit mehr Platz, mehr Tiefe und einer freien Vision.
Falstaff: Markus Stöckle, wie geht es Ihnen – jetzt, wo Sie wissen, dass das Aus des «Rosi» definitiv ist – wenn Sie das Restaurant morgens betreten?
Markus Stöckle: Es ist schon crazy. Wir haben uns lange damit auseinandergesetzt, aber sobald man es ausspricht, wird's real – dann gibt es kein Zurück mehr. Ich bin der vierte von fünf Söhnen, auf einem Bauernhof aufgewachsen – wir haben nie gross geträumt. Jetzt stehen wir an einem Punkt, an dem wir etwas komplett Neues wagen. Und ja: Wir freuen uns darauf. Nach acht Jahren fühlen wir uns bereit für ein neues Ufer.
Kam das Ende für Sie überraschend?
Es war schon eine Überraschung, weil wir das nicht lange geplant haben. Aber dann lagen plötzlich zwei, drei Optionen auf dem Tisch. Und irgendwann stellst du dir die Frage: Was wollen wir eigentlich wirklich? Dann haben Elif und ich entschieden, auf unseren Bauch zu hören – wie damals, als wir das «Rosi» gegründet haben. Wir machen das alles mit Herz und Bauchgefühl. Auch bei unseren Leuten. Wenn du mehr geben kannst als du nimmst, dann will ich mit dir arbeiten – sonst nicht.
Ich brauche Reibung, weil dort etwas entsteht.
Was konkret reizt Sie am Neuanfang?
Es ist total wahnsinnig, dass wir überhaupt den Mut dazu haben. Aber wir leben und atmen Gastronomie – jeden Tag. Das ist kein Business für mich, auch wenn es ohne Wirtschaftlichkeit nicht geht. Für mich ist das eine Art, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Ich will neue Blickwinkel einnehmen, Perspektiven verschieben. Ich brauche Reibung, weil dort etwas entsteht. Und ich wünsche mir für mein Team bessere Arbeitsbedingungen – mehr Platz, mehr Qualität, mehr Raum zum Atmen.
Werden Sie ein neues Lokal eröffnen?
Ja, wir suchen etwas – idealerweise im Kreis 1. Mitten in der Stadt, wo die Leute aus dem Ausland sowieso herumlaufen. Eine Prime-Location. Die gesetzte Gastronomie, die es früher gab, braucht heute ein neues Umfeld. Ich träume von einem Ort mit Stil: funky, wild, fein – aber auch herrschaftlich. Schickeria trifft Avantgarde. Ernsthaft, aber locker.
Ich stelle mir vor, dass man zuerst auf einen Drink kommt. Ein kleiner Empfang, ein Ort für Dialog, zum Ankommen, zum Wohlfühlen. Und dann geht's an den Tisch. Ich will, dass sich unsere Gäste wirklich abgeholt fühlen. Und dass unser Team sich entfalten kann – in einem schönen, durchdachten Raum.
Und kulinarisch? Wieder bayerisch?
Der Bayer wird immer in mir bleiben, klar. Und auch der Traditionalist. Aber ich will mich freier fühlen. Wir wissen noch nicht genau, in welche Richtung es geht – das Menü wird wieder eine Bauchentscheidung sein. Was sicher ist: Ich selbst werde kochen. Und eine Portion bayerische Lebensfreude gehört dazu.
Was stört Sie an der aktuellen Gastronomie-Situation in Zürich? Wo sehen Sie Baustellen?
Mieten sind ein riesiges Thema. Absolute Oberpreise – und dann sollst du auch noch Prozente vom Umsatz abgeben. Ich verstehe das nicht. Wir arbeiten so hart für unser Geld. Dann kommt die Bürokratie dazu, ein zerdrückender Hebel. Ich hoffe, dass wir in Zukunft Partner finden, die mitdenken, mitfühlen und sich ehrlich mitfreuen.
Träumen Sie auch von einem Michelin-Stern?
Ich geh nicht mit dem Gedanken ins Bett, aber natürlich wünsche ich es mir. Es wäre eine Bestätigung für unser ganzes Team. Ein Stern bringt neue Gäste, neue Dialoge, eine andere Aufmerksamkeit. Wir sind jetzt schon glücklich – wir haben einen vollen Laden und nur nette Menschen. Aber wir wollen unsere Ideen weiter umsetzen. Frei sein. Voll aufs Gas drücken. Und wenn wir's richtig machen – dann wollen wir gleich zwei Sterne.
Vielen Dank für das Gespräch, Markus Stöckle.