Neustart in Prag: Gal Ben Moshe schließt Berliner »Prism«
Nach sieben erfolgreichen Jahren schließt Gal Ben Moshe sein Berliner Sternerestaurant »Prism« – und wagt einen Neuanfang in Prag. Die levantinisch inspirierte Küche des Spitzenkochs hat weit über die Hauptstadt hinaus Kultstatus erreicht.
Nach sieben Jahren schließt das Berliner Sternerestaurant »Prism« von Gal Ben Moshe Ende August seine Türen. Das von Kritikern gefeierte Restaurant hat mit seiner levantinisch inspirierten Küche längst Kultstatus über die Hauptstadt hinaus erreicht.
In einem Facebook-Statement spricht das Team vom zunehmenden Druck, den Herausforderungen eines Fine-Dining-Restaurants in einer sich wandelnden Branche gerecht zu werden. Aus dem ursprünglich kleinen Nachbarschaftslokal wurde ein aufwendiges Großprojekt, das die Kräfte des Teams letztlich überstieg.
Umzug nach Prag
Entgegen Spekulationen über einen möglichen Einfluss des steigenden Antisemitismus oder politischer Rahmenbedingungen stellt der israelische Spitzenkoch klar: »Das hat nichts mit der politischen Situation zu tun.« Vielmehr sei die Entscheidung aus familiären Gründen gefallen. Bereits vor vier Monaten wurde ihm eine Zusammenarbeit mit einer Hotelgruppe in Prag angeboten, die eine immense Arbeitsbelastung mit sich brachte. Die Entscheidung, sich auf diese neue Herausforderung zu konzentrieren, sei schwer, aber notwendig gewesen: »Bei all der Romantik ist es ein sehr anstrengendes Geschäft, das viel von meiner Frau, meinen Kindern und mir fordert«, so Ben Moshe.
Nach Stationen in renommierten Restaurants weltweit, unter anderem in London und Chicago, kam er 2012 nach Berlin. Dort machte er sich schnell als Pionier der Levante-Küche in Europa einen Namen. Seine Gerichte erzählen Geschichten von Herkunft und Heimat, verbinden traditionelle Aromen wie Lamm, Kichererbsen und Molokhia mit moderner Feuerküche und europäischer Raffinesse. Ein besonderes Highlight ist die Weinauswahl, die er gemeinsam mit seiner Frau, der Sommelière Jacqueline Lorenz, kuratiert und die Weine aus Israel und dem Nahen Osten nach Berlin bringt. Unter seiner Führung entwickelte sich »Prism« in Charlottenburg zu einem Leuchtturm der Berliner Fine-Dining-Szene und wurde über sechs Jahre hinweg konstant mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.
Chance für einen Neuanfang
Trotz zahlreicher Auszeichnungen und internationalem Renommee sind die Anforderungen, ein Fine-Dining-Restaurant in Berlin zu führen, für Ben Moshe enorm. Die hohen Erwartungen der Gäste, der operative Aufwand und die wirtschaftlichen Herausforderungen belasten sowohl Familie als auch Team. »Berlin ist eine schwierige Stadt, um ein Fine-Dining-Restaurant zu betreiben«, gibt er zu. Die Balance zwischen persönlichem Anspruch und familiärer Lebensqualität sei oft schwer zu halten.
Der Abschied vom »Prism« fällt ihm sichtlich schwer – schließlich sei es immer noch ein Herzensprojekt. Doch er sieht die Schließung auch als Chance für einen Neuanfang, der mit mehr Fokus und weniger Belastung einhergeht.
Mit dem Umzug nach Prag schlägt Ben Moshe ein neues Kapitel auf, bleibt in Berlin aber weiterhin präsent: Ende 2024 eröffnete er gemeinsam mit Paris Katsampis das »Hana«, den Nachfolger des »Pink Room«. Dort verbinden sie levantinisch-japanische Aromen zu einem innovativen Menü.
Bis Ende August lädt das »Prism« noch einmal zum Abschied ein – mit besonderen Menüs und einer sorgfältig kuratierten Weinauswahl. Für Gäste bietet sich die letzte Gelegenheit, den innovativen Koch und sein einzigartiges Konzept in Berlin zu erleben.