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© Adrian Ehrbar

Restaurant «Myle»: Gourmetküche beim Bahnhof Bern

Bern

Von der «Steinhalle» ins «Myle»: Seit Anfang März kocht Markus Arnold in seiner neuen Location beim Hauptbahnhof Bern. Vieles ist anders, allerdings ist auch einiges beim Alten geblieben. Nach wie vor liegt der Fokus auf «Cuisine Voyage» und exzellenter Gastfreundschaft.

Keine fünf Minuten vom Berner Hauptbahnhof entfernt ist das «Myle» eine Oase der Ruhe und ein Mekka für Feinschmecker:innen. Hier wirken seit Kurzem Markus Arnold und ein Grossteil seines ehemaligen «Steinhalle»-Teams: Am 3. März 2026 haben sie die Eröffnung des neuen Lokals gefeiert. Dem Umzug ging eine aufwendige Renovation voraus, durchgeführt von Handwerkern aus der Region.

Das neue «Myle» sieht chic aus, mit viel Chromstahl, Leder und Holz. Links vom Eingang gibt es einen Barbereich, rechts einen grosszügigen Gastsaal mit Galerie. Im unteren Stock befindet sich zusätzlich noch ein Weinkeller mit Lounge, auf einer grossen Leinwand laufen Videos von Arnolds letzten Reisen. Die Kinoschau lässt sich ganz einfach mit dem Motto seiner Menüs erklären: «Cuisine Voyage». «Zwei- bis dreimal pro Jahr mache ich Food-Expeditionen. Von jeder Reise nehme ich etwas mit, das ich ins Menü einbaue», betont er. Das Konzept selbst sei zufällig entstanden: «Die Gäste haben mich darauf aufmerksam gemacht, dass ich immer ein Menü mache, wenn ich in den Ferien war. Vor zwei Jahren haben wir angefangen, das auch so zu benennen.»

Grossstadtjungle São Paulo

Die letzte Reise führte Arnold nach São Paulo. In der brasilianischen Metropole liess er sich durch internationale Sternerestaurants inspirieren, durch unzählige fremde Produkte, dargeboten auf den Märkten der Stadt, aber auch durch traditionelle Gerichte in Restaurant-Institutionen der Stadt. Diese Vielfalt ist Arnold bei jeder Reise wichtig: «Ich bin viel zu Fuss unterwegs, versuche das Essen an jedem Stand und in jeder Strassenküche, gehe aber auch gerne in Sternerestaurants. Der Mix muss stimmen.»

Auch wenn ihm die Stadt gefallen hat, wäre er nie von selbst auf die Idee gekommen, dorthin zu fliegen. Es waren seine Gäste, die ihn überzeugten: «Immer wieder kamen Leute zu mir und sagten: Du musst unbedingt nach São Paulo, das ist ein Food Hotspot! Was mich schlussendlich überzeugte, war, als jemand sagte, São Paulo sei das New York Südamerikas.» Die Aromen seiner intensiven Tage in São Paulo lässt er nun ins erste Menü des neuen Restaurants einfliessen: Schinusbeere, Kakao und Belém-Pfeffer sind nur drei südamerikanische Zutaten darin.

«Steinhalle» 2.0

Wie bereits zuvor in der «Steinhalle» wird im «Myle» aufwendig gekocht. Dass das Lokal grösser ist und nach Arnolds Wünschen umgebaut wurde, vereinfacht die Arbeit etwas: «Wir haben eine bessere Infrastruktur und mehr Platz, also brauchen wir weniger Energie als zuvor. Diese können wir in die Qualität unserer Gerichte stecken.» Die Grösse des Lokals und die Lage im Zentrum schaffen neue Chancen und Herausforderungen zugleich.

Arnold betont: «Das «Myle» ist die «Steinhalle» 2.0 und ein Schritt in Richtung Zukunft der Gastronomie. Wir bieten deshalb nicht nur Fine Dining, sondern eine Mischung zwischen Bar und Restaurant mit Top-Qualität. Man kann bei uns ein Glas Wein trinken und dazu für sechs Franken ein Schälchen Oliven essen oder ein Menü für 180 Franken. Wir wollen für eine grössere Zielgruppe da sein können, denn an der neuen Location haben wir natürlich auch mehr Laufkundschaft.»

Stammgast ist VIP

Trotzdem soll nicht alles neu werden: «In der «Steinhalle» hat es mir auch sehr gefallen. Das Wichtigste ist: Wir müssen den «Vibe» mitnehmen, die Seele des Restaurants. Wie wir mit den Gästen umgehen, die Freundlichkeit, das Herzblut. Das Ziel ist, dass der Gast merkt: Es ist eine neue Location, aber ich fühle mich genauso geborgen und umsorgt wie zuvor. Es geht dabei um Soft Skills – wir kennen die Gäste per Namen und empfangen und verabschieden sie herzlich.»

Die Stammgäste zeigen es ihm mit Dank, kehren zahlreich ein im «Myle». Sie spüren Arnolds Gastgeber-Philosophie: «Für uns ist der Stammgast der VIP». Gleichzeitig soll das «Myle» durch seine zugängliche Lage neue Kunden anziehen. Dann ist Arnold glücklich mit dem neuen Lokal: «Punkte und Sterne sind für uns eine schöne Anerkennung. Unser eigentliches Ziel ist jedoch ein volles Restaurant und zufriedene Gäste – die Auszeichnungen folgen dann von selbst, wie wir in der Vergangenheit bereits gezeigt haben.»


Larissa Graf
Larissa Graf
Autorin
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