Rooibos-Tee: Südafrikas Nationalgetränk
Der Rooibos-Tee, der aus den Blättern und Zweigen eines südafrikanischen Strauchs gewonnen wird, hat sich weltweit etabliert. Das hat das koffeinfreie Getränk seinem Geschmack und seinem gesunden Image zu verdanken. Neuerdings zeigt die Tabakindustrie Interesse an ihm.
Rund 250 Kilometer nördlich von Kapstadt liegt seine Heimat – in einem rund 100 Kilometer langen Gebirgszug, den die UNESCO längst als Weltnaturerbe geschützt hat. Die Cederberg-Region ist der einzige Ort der Welt, an dem der weltberühmte Tee wächst.
Er hat viele Namen: Rotbusch, Roibosch oder Roibusch, Rooibos – entweder mit einem oder mit zwei »o«, redbush tea, Redbos, Koopmanstee (von Afrikaans Koopman – Kaufmann) oder Massaitee, obwohl der ostafrikanische Volksstamm mit der Sorte rein gar nichts zu tun hat. In der südafrikanischen Heimat der Sorte ist »Rooibos« die geläufigste Bezeichnung. »Rooi« heißt in der Sprache Afrikaans »rot«, »bos« steht für »Busch«.
Fermentation
Seit 2021 gilt Rooibos in der EU als eine geschützte Ursprungsbezeichnung (g.U.). Sie ist damit das erste afrikanische Produkt, das diesen Status erhielt. Dafür muss der Tee aus der festgelegten Anbauregion am Westkap und Nordkap stammen und bestimmten Qualitätskriterien entsprechen.
Beim Rotbusch handelt es sich um eine autochthone Pflanze, die bis zu zwei Meter hoch wachsen kann und rutenartige Zweige mit kleinen, dünnen Ästen und feinen, nadelartigen Blättern aufweist. Nach der Ernte werden die Äste fein zerhackt, gequetscht, zu Haufen aufgeschichtet, mit Wasser befeuchtet und reagieren sodann mit dem Luftsauerstoff.
Wie bei schwarzem Tee sorgt die Fermentation für die charakteristischen Aromen und Farbgebung. Traditionell folgt dann die Sonnentrocknung; in moderneren Produktionsprozessen wird der Tee aber in Trocknungskammern getrocknet, um den Prozess zu beschleunigen, besonders bei schlechten Wetterbedingungen oder um eine konstante Qualität zu gewährleisten.
Rot oder grün
Fermentierter Rooibos-Tee hat eine rötliche Farbe, schmeckt leicht süßlich und nussig, weist milde elegant-fruchtige Aromen auf, sanft erdige Noten und erinnert oftmals an Karamell. Es gibt aber auch grünen Rooibostee, der – wie echter grüner Tee – nicht oxidiert ist. Dieser hat einen milderen und frischeren Geschmack, ist weniger süßlich und hat eine leichte, grasig-blumige Note.
Roiboos wächst nur in einem Landstrich in Südafrika. Heute ist er ein Wirtschaftsfaktor. Nicht zuletzt dank seiner positiven Wirkung auf den Körper und seiner leichten Zubereitung. Studien zufolge lindert er Magen-Darm-Beschwerden, wirkt beruhigend und hellt die Stimmung auf.
So manchen, der sich des Anbaus von Rooibos verschrieben hat, hat der Tee reich gemacht. In rund 500 Farmen rund um den Ort Clanwilliam, einen der ältesten Südafrikas, werden die Büsche kultiviert. Sie sind ein Exportschlager – und Anziehungspunkt für Touristen. Eine regelrechte Industrie ist rund um sie entstanden: Teeplantagen, Fabriken, Rooibos-Spas, Kochbücher, Marmeladen. Sogar Besucher aus Ländern mit eigener Tee-Tradition – wie Japan und England – schätzen den Roiboos.
Simpel zubereitet
Da der Tee kein Koffein enthält, eignet er sich für Schwangere, Stillende und Kinder sowie für alle, die sensibel auf Koffein reagieren. Besonders cremig wird er mit einem Schuss Milch, mit Zitrone oder Honig lässt er sich aber ebenso verfeinern. Zucker benötigt er wegen seines geringen Tanningehalts keinen. Zu kaufen gibt es heute die Natur-Variante genauso wie vielfältige aromatisierte – häufig mit Vanille. Da der natürliche Rooibos-Geschmack mit fruchtigen Noten harmoniert, wird Rooibos vielen Früchtetee-Mischungen zugegeben. Dadurch werden eher säuerliche Früchtetees runder und ausgewogener.
Pflegeleicht ist er auch. Mit der Ziehzeit muss man es nicht so genau nehmen. Aufgegossen mit kochendem Wasser (100 °C) entfaltet er seine Aromen nach etwa fünf bis zehn Minuten. Lässt man ihn länger ziehen, schmeckt er kräftiger, aber nicht bitter. In Südafrika köchelt er mitunter für mehrere Stunden in einem Topf, wodurch ein dunkler, intensiver und geschmackvoller Aufguss entsteht. Rooibos eignet sich zudem als Mixer für Cocktails oder kann als »Rooibos on the rocks« auch eine simple alkoholfreie Variante sein. Beim Kochen und Backen kann er andere Flüssigkeiten ersetzen, insbesondere wenn nussige oder süße Noten erwünscht sind.
Auswirkungen auf die Gesundheit
Einzelnen Getränken und Lebensmitteln wird immer wieder ein besonderer Gesundheitswert zugesprochen – der Rooibos-Tee gehört definitiv dazu. Traditionell wird er bei der Linderung von Magen-Darm-Beschwerden eingesetzt. Er hilft bei Krämpfen und Verdauungsstörungen, wirkt beruhigend und soll die Stimmung aufhellen. Zudem soll er entzündungshemmende und antioxidative Eigenschaften besitzen – die rote genauso wie die grüne Variante.
2023 erst wurde ein wissenschaftlicher Bericht publiziert, der den aktuellen Wissensstand über Rooibos-Tee-Interventionen beim Menschen analysierte. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass der regelmäßige Konsum von Rooibos sowohl bei gesunden als auch bei Personen mit chronischen Erkrankungen die Bluttfettwerte verbessern, den Antioxidationsstatus erhöhen und den Blutzuckerspiegel senken kann.
In den vergangenen Jahren kam die Pflanze zu unerwarteten »Ehren«. Die Tabakindustrie wurde auf sie aufmerksam. Als die EU ankündigte, im Herbst 2023 bestimmte aromatisiertem Tabakprodukte für E-Zigaretten zu verbieten, suchte die Branche nach Ersatzstoffen – und wurde beim Rooibos fündig. Gesundheitsexperten warnten umgehend: Alles, was verbrannt und eingeatmet wird, habe vermutlich Auswirkungen auf die Gesundheit. Belastbare Studien zu Roiboos als Tabakersatz gibt es nicht.
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