Stundenlang für Essen anstehen? Dafür gibt's doch jetzt Profis
Vor den angesagten Food-Spots bilden sich in New York schon am frühen Morgen lange Schlangen. Während manche hungrigen Menschen sogar professionelle Ansteher engagieren, fragt sich eine New Yorker Influencerin: Wann wurde gutes Essen wichtiger als unsere Zeit?
Es begann mit einer Beobachtung, die wohl viele Menschen aus Großstädten nachvollziehen können. US-Influencerin Tinx, die in New York lebt und in ihrem Podcast regelmäßig über Trends und Alltagsphänomene spricht, wundert sich seit einiger Zeit über die Menschenmassen vor angesagten Food-Spots der Stadt. Stundenlang stehen Neugierige für einen viralen Frozen Yogurt, ein TikTok-Dessert wie den Dot Cake oder die gerade gehypte Pizza an. Für Tinx ist das mehr als ein sonderbares Phänomen – sie nennt es »verschwendete Lebenszeit«.
Natürlich, räumt sie ein, ließe sich argumentieren, dass das Warten zumindest einen sozialen Wert habe. Man komme ins Gespräch, lerne neue Menschen kennen, tausche Empfehlungen aus. Die Realität sehe jedoch anders aus: Die meisten starren auf ihre Smartphones, scrollen durch genau jene Plattformen, die den Hype überhaupt erst ausgelöst haben. Oder sie schweigen sich an, bis sie endlich an der Reihe sind.
Zeit ist (tatsächlich) Geld
Die einzige Möglichkeit, das stundenlange Warten zu umgehen, ist einen professionellen »Line Sitter« zu engagieren. Einer der bekanntesten professionellen »Line Sitter« ist Robert Samuel aus Brooklyn. Vor rund 15 Jahren gründete er seinen Service, nachdem die Einführung des ersten iPhones Menschen stundenlang vor Geschäften campieren ließ. Heute beschäftigt sein Unternehmen Dutzende Wartende, die sich für Restaurantreservierungen, Pop-ups, limitierte Desserts oder begehrte Produkte anstellen.
Abgerechnet wird nach Zeit: Rund 25 US-Dollar pro Stunde soll der Service laut Eater kosten, hinzu kommen Zuschläge für Eilaufträge, Feiertage, schlechtes Wetter oder sogar Übernachtungen. Auf Instagram verrät Robert Samuel, dass er fürs Anstehen 2.000 - 3.000 Dollar pro Woche verdiene. Auch Plattformen wie TaskRabbit vermitteln inzwischen Tausende Menschen, die gegen Bezahlung Warteschlangen übernehmen – in New York ebenso wie in Los Angeles, San Francisco oder Chicago.
Es ist eines der wenigen Geschäftsmodelle, bei dem sich Menschen tatsächlich Zeit erkaufen können. Influencerin Tinx hat jedoch einen besseren Vorschlag, als Geld für einen Line Sitter auszugeben oder in ein überteuertes Hype-Food zu investieren. Sie empfiehlt, sich seine eigenen Spots herauszusuchen, die noch nicht überlaufen sind. Schließlich haben Metropolen einen entscheidenden Vorteil: Es mangelt nicht an einer Vielfalt an spannenden Restaurants, Lokalen und Cafés, die noch entdeckt werden wollen.