Victorinox-CEO: «Das Swiss Army Knife gibt mir das Gefühl, für alles vorbereitet zu sein»
Ein Messer. Tausend Möglichkeiten. Für Carl Elsener ist das Swiss Army Knife Symbol und Lebensbegleiter zugleich. Im Interview spricht der Victorinox-Chef über seine Küchenrituale, die Kraft designaffiner Gestaltung – und das Gefühl, für jede Herausforderung gewappnet zu sein.
Falstaff: Herr Elsener, wie viele Victorinox-Rüstmesser finden sich eigentlich in Ihrer privaten Küchenschublade?
Carl Elsener: Ich bin natürlich an der Quelle und probiere selbst immer wieder neue Produkte aus, direkt im Alltag. Über die Jahre hat sich da einiges angesammelt. Insgesamt liegen in unserer Schublade acht kleine Gemüse- und Rüstmesser – mit und ohne Wellenschliff – und dazu zwölf Tomatenmesser in verschiedenen Farben. Für jedes Gemüse gibt's das passende Messer und für jede Stimmung die passende Farbe. Wenn ich zum Beispiel eine Orange schneide, greife ich fast automatisch zum orangen Messer.
Was tun Sie, wenn bei Freund:innen keine Victorinox-Messer in der Küche aufzufinden sind?
Ich bringe grundsätzlich Verständnis auf – aber insgeheim verspüre ich oft den Wunsch, die Freude am Schneiden, die wir selbst täglich erleben, auch in diese Küchen zu bringen. Wenn ich etwas verschenke, ist es häufig der Swiss Modern Messerblock in Schwarz. Der ist elegant, schlicht und verbindet Schweizer Handwerkskunst mit hoher Funktionalität.
Victorinox ist nicht nur für seine alltagstauglichen Rüstmesserli bekannt, sondern vor allem für das Schweizer Sackmesser. Was bedeutet dieses für Sie persönlich?
Für mich ist es weit mehr als ein praktischer Alltagshelfer. Ich habe jeden Tag zwei Messer am Schlüsselbund. Das Taschenmesser verkörpert für mich ein Lebensgefühl: selbstbestimmt, verantwortungsvoll, achtsam – ein Stück Schweizer Identität. Und in meinem Fall natürlich auch ein Teil Familiengeschichte. Ich bin damit aufgewachsen. Beim Wandern, beim Basteln, im Alltag – das Sackmesser war immer dabei. Mein Vater hat mir mein erstes geschenkt, da war ich fünf Jahre alt. Dieses Gefühl – «Ich darf das, ich kann das» – hat einen stillen Stolz in mir geweckt. Es war der Anfang einer Welt voller Möglichkeiten.
Das Taschenmesser wirkt wie ein ausgereiftes Produkt. Wie gelingt Innovation bei einem solchen Klassiker?
Ich glaube nicht, dass beim Sackmesser alles erfunden ist – im Gegenteil. Unsere Entwicklungsabteilung mit 20 Mitarbeitenden arbeitet ständig an neuen Funktionen, Materialien und Designs. Das Rescue Tool etwa oder der Brillenschraubendreher, der sich im Korkenzieher verstauen lässt – letzteres war sogar eine Idee aus der Community. Wir sehen keine Grenzen für weitere Optimierungen. Die Stärke des Taschenmessers liegt gerade in seiner analogen Alltagstauglichkeit. Es ist bereit für jede Herausforderung.
Am 21. Juli bringen Sie neue Farben für Ihre Gemüsemesser auf den Markt. Wie entstehen solche Farbentscheidungen?
Oft ist der Ursprung im Markt. Wir bekommen konkrete Rückmeldungen und Wünsche von Kundinnen und Kunden. Farbe ist ein gefragtes Thema in der Küche. Zunehmend orientieren wir uns auch an Trendfarben – aber sie müssen zu Victorinox passen. Wir analysieren Verkaufszahlen und beobachten Farbtrends im Konsumgüterbereich. Gleichzeitig spielt das Gespür unseres Designteams eine zentrale Rolle. Ziel ist es, Farben zu finden, die modisch sind, aber auch zur klaren, zeitlosen Formsprache unserer Produkte passen – und der gesamten Produktlinie neue Frische verleihen.
Was unterscheidet Victorinox-Küchenmesser funktional von der Konkurrenz – und wen wollen Sie mit dem neuen Farbsortiment ansprechen?
Mit dem neuen Farbsortiment möchten wir neben jüngeren, trendbewussten Zielgruppen besonders auch Menschen ansprechen, die Wert auf Qualität, Farben und Individualität legen. Unsere Messer stehen für Alltagstauglichkeit, Langlebigkeit und Präzision. Mit dem Farbsortiment kann jede und jeder den eigenen Stil auch in der Küche ausdrücken. Es geht um Design, das nicht nur gut aussieht, sondern sich auch gut anfühlt – und funktioniert.
Wenn Sie einem jungen Menschen heute nur ein einziges Victorinox-Produkt schenken dürften – welches wäre es?
Ganz klar: das klassische Swiss Army Knife. Es ist mehr als ein Werkzeug. Es steht für Unabhängigkeit, Entdeckergeist und Freude am Selbermachen. Es begleitet einen durchs Leben – beim Reisen, Wandern, Campen, beim Umzug, im Alltag. Es passt in jede Hosentasche. Und es symbolisiert für mich: Ich bin vorbereitet. Egal was passiert – mit einem Victorinox-Produkt habe ich das richtige Werkzeug zur Hand. Dieses Gefühl wollen wir weitergeben.
Vielen Dank für das Gespräch, Herr Elsener.
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