Wiedereröffnung: Sprüngli Café & Restaurant am Paradeplatz startet modern durch
Nach fast 100 Jahren wagten die Geschäftsführer von Sprüngli, Milan und Tomas Prenosil, den Schritt, vor dem sie sich lange gescheut haben: Sie haben das Café & Restaurant am Paradeplatz von Grund auf renoviert – ohne dabei die Tradition aus dem Blick zu verlieren. Jetzt wird sich zeigen, wie das neue Konzept und Design bei den Gästen ankommt.
Vor zwei Jahren fassten die Gebrüder Milan und Tomas Prenosil den Entschluss, das traditionsreiche Café & Restaurant der Confiserie Sprüngli im Herzen von Zürich zu renovieren. Die erste und zweite Etage am Paradeplatz wurden kernsaniert und erstrahlen ab sofort in neuem Glanz.
Am 21. November 2024 um 12 Uhr hat das Lokal seine Türen geöffnet – für treue Stammgäste und neue Gesichter. Das neue Kapitel der Confiserie Sprüngli an der Bahnhofstrasse 21 startet gemeinsam mit der Weihnachtsbeleuchtung Lucy. Laut Wetterbericht soll es sogar schneien. «Das haben wir natürlich alles genau so geplant», sagt Tomas Prenosil augenzwinkernd.
Tradition trifft auf Moderne
Nach diversen Pitches entschieden sich die Brüder, die das Geschäft vor 30 Jahren übernahmen, für den renommierten Architekten Nikolas Travasaros von Divercity Architects aus London, der auch das «Grand Hotel Des Bains Kempinski» und weitere Häuser in St. Moritz gestaltete. Von ihm fühlten sie sich am besten verstanden. «Nikolas Travasaros ist keine Diva, die bloss ihre Ideen durchsetzen will. Er hat die grosse Gabe, seine Kunden wirklich zu verstehen», erklärt Tomas Prenosil beim Pressefrühstück. Es sei für sie sehr wichtig gewesen, die Authentizität des Sprüngli-Universums zu bewahren.
Das ist dem Sprüngli-Team auf jeden Fall gelungen. Die Gestaltung und Einrichtung des wiedereröffneten All-day-Dinings verbindet Tradition und Moderne. Zwei Wanduhren aus dem Jahr 1930 zieren dezent die Wand. Sie sind geblieben. Neu ist das Layout des gemütlichen Raumes: Es gibt Tische mitten im Geschehen, aber auch zahlreiche Rückzugsorte. Es gibt kräftige Farben und sanfte Unaufdringlichkeit. Details und Grossflächigkeit.
Der wohl spannendste Platz ist direkt am Fenster in Richtung Paradeplatz, von wo aus Gäste das rege Geschehen an dem Zürcher Knotenpunkt beobachten können. Vom Aussenlärm ist kaum etwas zu hören, weil die Architekten unter anderem die Zeitungen, die sie in den Wänden fanden (die früher als Isolierung dienten) mit wirksamerem Material ersetzt haben. Wer nicht direkt am Fenster sitzt, kann in den handgefertigten Spiegeln die Trams und Menschen draussen beobachten. Um an den würdigen Standort zu erinnern und ihn zu ehren.
Das neue alte Konzept
Die Kernkompetenz bleibt das Frühstück, das von Montag bis Samstag neu bereits von 7.30 bis 11.30 Uhr serviert wird. Sonntags gibt es einen opulenten Brunch mit Etagères, warmen Speisen wie den Sprüngli-Waffeln, dem klassischen Birchermüesli und – ganz im Trend der Zeit – Smashed Gipfeli, mit einem herzhaften oder süssen, üppigen Topping.
Zum Mittagessen von 11.30 bis 14 Uhr gibt es die klassische hausgemachte Kalbspastete mit Waldorfsalat, Pistazien und Cumberlandsauce für 24 Franken. Tempura-Blumenkohl mit Tamarinden-Mango-Sauce, geröstetem Sesam und Babylauch auf Venere Reis ist eine der vegetarischen Optionen (auch glutenfrei). «Wenn Nicht-Veganer:innen dieses Gericht bestellen, dann haben wir unser Ziel erreicht», so Patrick Senn, bald zweijähriger Küchenchef der Confiserie Sprüngli. Das neue ausgefeilte Menü kombiniert zeitlose Klassiker mit neuen Trends. Wer dazu ein Glas Wein trinken möchte, findet auf der Karte eine Auswahl an 40 Rot- und Weissweinen mit Fokus auf Schweizer Herkunft. Ab 14 Uhr gibt es eine All-Day Karte.
Nicht nur Patrick Senn ist der Confiserie Sprüngli während des Umbaus treu geblieben, sondern auch ein Grossteil der restlichen Mitarbeiter:innen – «die Seele des Hauses», wie Tomas Prenosil sie beschreibt. In der Küche im zweiten Stock arbeitet er mit seiner zehnköpfigen Brigade. Im komplett erneuerten und vergrössertem Backoffice einen Stock tiefer, wird den Speisen der letzte Schliff verpasst und sie landen – elegant transportiert – auf den weissen Marmortischen vor den staunenden Gaumen.
Die Hoffnung, dass es gut ankommt
Abends bleibt das Sprüngli-Restaurant – wie bisher – geschlossen. Um 17.30 Uhr können die Gäste die letzten Speisen bestellen und um 18.30 Uhr schliesst das Lokal nach einem Tag mit verschiedensten Besucher:innen seine Türen bis am nächsten Morgen um 7.30 Uhr. «Wir haben die Hoffnung, mit unserem neuen Konzept nicht nur unsere treuen Stammgäste zu begeistern, sondern damit auch neue Kund:innen anzuziehen», erklären die Prenosil-Brüder. Sie streben eine bunte Melange ihrer Gäste an, das Ambiente soll auch ein junges Publikum ansprechen – und das scheint – gemäss persönlicher Einschätzung – zu gelingen.
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