Zwischen Herd & Hardcover: Diese Spitzenköch:innen verraten ihre liebsten Kochbücher
Welche Bücher haben Tim Raue, Paul Ivic & Co. geprägt? 4 Spitzenköch:innen teilen ihre ganz persönliche Küchenlektüre.
Paul Ivic
Für den vegetarischen Spitzenkoch Paul Ivic (»Tian«) gibt es nicht das eine prägende Kochbuch. »Da gibt es eine Vielfalt an großartigen Kochbüchern, die mich beeinflusst haben. Daher habe ich mehr als 500 Bücher in Gebrauch«, erzählt er. Was ihn heute besonders interessiert: Bücher, die über das bloße Rezept hinausgehen.
»Mittlerweile bevorzuge ich Kochbücher, in denen man mehr über die Philosophie der jeweiligen Person lesen darf. Dies ist auch einer der Gründe, warum ich z. B. sehr oft das Buch von Norbert Niederkofler in der Hand habe.«
Alain Weissgerber
Für Alain Weissgerber, Küchenchef des »Taubenkobel« im Burgenland, war der Einstieg in die kulinarische Welt ein ganz klassischer und zutiefst österreichischer. Das Werk von Ewald Plachutta gilt als Bibel der heimischen Küche – und auch für Weissgerber als unschätzbares Nachschlagewerk. Er nennt es schlicht den »Duden der österreichischen Küche«.
»›Der goldene Plachutta‹. In dem Buch habe ich die österreichische Hausmannskost kennengelernt. Auch heute noch schlage ich Grundrezepte nach.«
Tim Raue
Der Berliner Sternekoch Tim Raue ist bekannt für seine kompromisslose Haltung, seinen Ehrgeiz und seine ganz eigene Handschrift. Geprägt hat ihn ein Buch, das nicht für seine Schöngeistigkeit berühmt ist: ›White Heat‹ von Marco Pierre White. »Es war einfach das erste Kochbuch, wo es nicht nur ums Essen ging, sondern wo über die Atmosphäre in der Küche, den harten Kampf, eben auch das Leiden gesprochen wurde.«
Was ihn besonders fesselte: die rauen, ungeschönten Bilder. »Wo man ihn mit der Kippe im Mund gesehen hat. Wo er nachts nach dem Service noch um 4 Uhr morgens Terrine zubereitet hat.« Für Raue war es ein Wendepunkt: »Das hat für mich klar gemacht, dass ich, der mit wenig Talent gesegnet war, es mit harter Arbeit und Fleiß vielleicht doch noch schaffen kann, ein guter Koch zu werden.«
Elif Oskan
Für Elif Oskan, die in Zürich mit dem »Gül« türkische Küche auf höchstem Niveau neu interpretiert, ist das prägende Kochbuch nicht leicht auszumachen. Sie besitzt gemeinsam mit ihrem Partner über 1.000 Kochbücher. Zu viele für eine einfache Antwort. »Ich glaube, Prägungen erfolgen phasenweise, und jede Lebensphase wurde von einem anderen Buch begleitet.«
Wenn sie sich auf eine bestimmte Zeit festlegt, dann auf ihre frühen Ausbildungsjahre: »Wenn wir die Jahre zwischen 18 und 20 betrachten, wäre es sicher das Kochbuch Alinea vom Restaurant ›Alinea‹«.