Direkt hinter der Betonwüste des Berliner Alexanderplatzes verbirgt sich in einem zum Teil wieder aufgebauten historischen Viertel das angeblich älteste Gasthaus der Metropole. Die Rückwand des denkmalgeschützten Hauses gegenüber der barocken Parochialkirche wird von Resten der mittelalterlichen Berliner Stadtmauer gebildet. Seit 1621 befindet sich an dieser Stelle eine Schankwirtschaft, die als HO-Gaststätte sogar die DDR-Zeit überdauerte. Heute betreibt die Gastronomenfamilie Sperling in zweiter Generation das Restaurant, das in einem weitgehend von Fastfoodläden geprägten Umfeld mit einer verfeinerten, gutbürgerlichen und regional konnotierten Küche punktet. Man speist an blanken Holztischen, die Karte ist klein, aber fein, und schon der als Vorspeise servierte süßsauer eingelegte Karpfen eine kulinarische Entdeckung. Zum Hauptgericht gibt es Alt-Berliner Klassiker wie Senfeier mit Kartoffelstampf, Kalbsleber Berliner Art, Krautwickel oder Königsberger Klopse. Alles in bester Qualität. Die Klopse waren wunderbar locker, die Kapersauce mild-würzig, der Kartoffel-Petersilienstampf passte bestens. Was hernach als »Warmes Apfelküchlein mit Vanilleeis« serviert wurde, war wieder eine Überraschung. Es handelte sich nämlich um karamellisierte Apfelstücke, die in Blätterteig eingebacken waren. Süß und sündig. Intelligent zusammengestellt die Weinkarte mit nicht alltäglichen Kreszenzen aus Deutschland und Österreich, wobei zu den deftigen Speisen wohl am besten ein Bier mundet. Der Service ist flink, freundlich und kenntnisreich und ganz ohne die manchmal gewöhnungsbedürftige Berliner Schnoddrigkeit.