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Alexander Herrmann zur Mehrwertsteuersenkung: »Das wird eine Herkulesaufgabe«

Gastronomie
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Politik

Die Bundesregierung plant, die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie dauerhaft von 19 auf sieben Prozent zu senken. Während die Politik noch verhandelt, wächst in der Branche die Unsicherheit.

Wenn es nach dem Willen der schwarz-roten Koalition geht, wird ab kommenden Jahr die Mehrwertsteuer auf Speisen in der Gastronomie dauerhaft von 19 auf sieben Prozent gesenkt. Damit soll eine während der Corona-Pandemie eingeführte Übergangsregelung verstetigt werden, um Restaurants, Cafés und Gastbetriebe langfristig zu entlasten.

Die Maßnahme gilt als zentrales Signal an eine Branche, die in den vergangenen Jahren massiv unter steigenden Kosten, Personalmangel und Konsumzurückhaltung gelitten hat. Laut Bundesregierung soll die Steuererleichterung den Betrieben helfen, ihre wirtschaftliche Stabilität zu sichern und gleichzeitig den Gästen bezahlbare Preise zu bieten.

Widerstand der Länder

Der Weg dorthin ist allerdings noch lang. Am 20. Dezember muss das Gesetz, das die Senkung der Steuer vorsieht, das zweite Mal durch den Bundesrat. Ein Schritt, der sich als entscheidend erweisen dürfte. Denn ohne die Zustimmung der Länder kann das Vorhaben nicht umgesetzt werden.

Doch insbesondere die Bundesländer äußern sich zunehmend kritisch. Sie warnen vor erheblichen Einnahmeausfällen: Die geschätzten Kosten der dauerhaften Steuersenkung liegen bei rund vier Milliarden Euro pro Jahr, die zu gleichen Teilen von Bund und Ländern getragen werden müssten. Mehrere Länder haben bereits signalisiert, dass sie ohne finanziellen Ausgleich vom Bund nicht zustimmen werden.

Unsicherheit für Gastronomiebetriebe steigt

Während die politische Debatte anhält, wächst in der Gastronomie die Ungeduld. Viele Betriebe bereiten derzeit ihre Kalkulationen und Preislisten für das Jahr 2026 vor – und stehen vor einem Dilemma: Noch ist unklar, ob sie künftig sieben oder 19 Prozent Mehrwertsteuer abführen müssen. Gerade für Restaurants, die langfristige Buchungen wie Hochzeiten oder Firmenfeiern annehmen, ist diese Unsicherheit problematisch. Falsche Preiskalkulationen können teuer werden – und die wirtschaftliche Lage vieler Betriebe bleibt ohnehin angespannt.

Sternekoch und Gastronom Alexander Herrmann sieht eine Senkung gerade deshalb als essenziellen Schritt: »Die neue Mehrwertsteuer wäre für uns eine enorme Entlastung. Aktuell haben wir kaum Möglichkeiten, Kosten einzusparen und unser wichtigstes Gut sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die gute Löhne verdient haben. Neue Mindestlöhne sind für das nächste Jahr schon beschlossen worden, und dabei ist es entscheidend, dass die Lohnabstände zwischen Leistung und Position gewahrt bleiben. Genau bei dieser Aufgabe würde uns die Senkung der Mehrwertsteuer spürbar helfen

Was das für die Preise für Gäste bedeute, ob diese stabil gehalten oder gesenkt werden könnten, würde die Zeit zeigen. Doch Alexander Herrmann ist sich bewusst: »Die Gastronomie steht in der Verantwortung, das Vertrauen, das uns die Politik mit dieser Maßnahme entgegenbringt, auch gegenüber der Gesellschaft widerzuspiegeln. Das wird eine echte Herkulesaufgabe.«

Ein Lichtblick für Gäste?

Dass sich das Senken der Mehrwertsteuer positiv auf den Gast auswirkt und der Restaurantbesuch wieder günstiger wird, hält Michael Buchna, Hotelier und Präsident des DEHOGA Saarland, allerdings nicht für möglich. »Die Senkung ist kein Rabattgutschein für den Gast, sondern ein wichtiges Konjunkturprogramm für die Branche. Die Realität ist: Viele Betriebe liegen immer noch rund 20 Prozent unter dem Umsatz von 2019, inflationsbereinigt sind es immer noch 12,4 Prozent.«, warnt Buchna und fügt hinzu: »Wer glaubt, durch die Steueränderung würden Gerichte automatisch billiger, versteht die Praxis nicht und verkennt die Lage. Viele Betriebe nutzen die Entlastung, um notwendige Investitionen zu tätigen oder entstandenen Lücken zu schließen.«

An erster Stelle steht also die Selbsthilfe – für eine Branche, die schon seit Jahren unter enormen Druck steht.


Célin Röser
Célin Röser
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