»LAP Coffee«: So reagiert Gründer Ralph Hage auf die Farbanschläge
Normalerweise leuchten die Filialen von »LAP-Coffee« in einem strahlenden Blau. Am vergangenen Freitag gesellte sich ein kräftiges Rot dazu. Nicht jedoch als Teil eines neuen Interior-Konzepts, sondern als Ausdruck einer feindlichen Farbattacke.
Rote Farbe klebt an den Schaufenstern und Fassaden, dazu Flugblätter mit Kritik an der Expansionspolitik des Unternehmens. In der Nacht zum Freitag wurden mehrere Berliner Standorte der aufstrebenden Kaffee-Kette »LAP-Coffee« Ziel einer offenbar koordinierten Farbattacke. Nach Angaben der Polizei waren Filialen in Prenzlauer Berg, Mitte, Kreuzberg, Schöneberg sowie an der Kantstraße betroffen. Seit Wochen kursieren in sozialen Netzwerken und auf Plakaten Boykottaufrufe – der Vorwurf: Mit Dumpingpreisen setze LAP-Coffee kleine Cafés unter Druck und verdränge sie aus den Stadtteilen. Ob die Angriffe in direktem Zusammenhang mit dieser Kampagne stehen, ist derzeit unklar.
Günstiger Kaffee – aber zu welchem Preis?
Fakt ist: Kaum ein anderes Gastronomie-Start-up wächst so schnell wie LAP-Coffee. Innerhalb von zwei Jahren eröffnete das Unternehmen knapp 20 Filialen, die meisten in Berlin, dazu erste Standorte in München und Hamburg. Teil des Erfolgsrezepts? Mit Cappuccino für 2,50 Euro und Espresso für 1,50 Euro bedient LAP-Coffee die breite Masse, die durchaus andere Preise gewöhnt ist. Und dann wäre da noch der Lifestyle, der beim Kauf eines jeden Kaffees mitschwingt. Die Kette will laut eigenen Angaben Treffpunkt für Fahrradkuriere, Gen-Z-Studierende und Künstler aus der Umgebung sein – eben für alle, die chronisch »auf dem Sprung« sind. Genau deshalb werden die blauen Läden immer wieder zum Zielort für angesagte »Morning Raves«, Running-Clubs oder andere Community-Events. Schließlich steckt dieser Gedanke auch in dem Namen, den die Gründer Tonalli Arreola und Ralph Hage ihrem Gastronomie-Start-up gaben: »LAP« steht für »Life Among People«.
»Sie sind selbsternannte Robin Hoods, die für jemanden kämpfen, der sie nie darum gebeten hat«
Doch der gemeinschaftliche Gedanke und die günstigen Preise scheinen nicht bei allen gut anzukommen. Was zuerst toll klingen mag, treibt andere zur Weißglut – oder eben dazu, nach einem roten Farbeimer zu greifen und die Läden zu beschmieren. Nach dem Vorfall reagierte Geschäftsführer Ralph Hage auf LinkedIn, um sich an seine Mitarbeiter:innen zu wenden und eine klare Haltung zu zeigen: »Es lag nicht an euch, an eurer tollen Arbeit. Diese Leute projizieren ihre eigenen Probleme, die sie mit der modernen Welt haben, auf LAP und nutzen unsere Filialen als Ventil, weil diese beliebt sind und ihnen dadurch Aufmerksamkeit verschaffen. Sie sind selbsternannte Robin Hoods, die für jemanden kämpfen, der sie nie darum gebeten hat.«
Was die Reinigungsaktion angeht? Diese dokumentierten die Helfer:innen auf Instagram unter der Frage »Wie mache ich ein Schaufenster in weniger als fünf Minuten sauber?«, um dem Rückschlag mit einer Menge Humor zu begegnen.
Gegenüber der B.Z. kündigte Hage an, zunächst auf Austausch zu setzen: »Dialog hat Vorrang«. Man habe Hinweise auf mögliche Beteiligte, auch »aus der Kaffeeszene«, und wolle das Gespräch suchen. Sollte es zu weiteren Angriffen kommen, werde man die Polizei einschalten. Ob LAP-Coffee am Ende wirklich die Nachteile seiner eigenen Popularität weiter zu spüren bekommt, bleibt offen. Sicher ist nur: Der Streit um den perfekten Espresso ist längst mehr als eine Frage des Geschmacks.