Zwischen Salettl und Stube: Bachls Kritik des »Wirtshaus Schlössl«
In Salzburg treffen Tradition und Zeitgenössisches in einer gelungenen Mischung aufeinander.
Die letzte Volkszählung der Ortschaft Schlößl, Teil der Salzburger Gemeinde Nußdorf am Haunsberg, ergab eine Einwohnerzahl von 172. Unweit des besagten Örtchens steht auf einer Anhöhe einsam im Wald die barocke Wallfahrtskirche St. Pankraz. Und daneben – quasi als Zubehör und im Eigentum der Erzdiözese Salzburg – findet sich ein kleines Wirtshaus. Man mag meinen, dass sich den Betrieb eines derart entlegenen Lokals kaum jemand mehr antut. Doch auch hier ist passiert, was derzeit öfters vermeldet werden kann – ein junges Paar zog in die Dienstwohnung auf dem Hügel und machte aus einem putzigen Juwel ein noch besseres. Die heimatfilmtauglichen Stuben wurden sorgfältig renoviert, die Terrasse und das Salettl mit Blick über den Flachgau sind ohnehin unschlagbar.
Und zudem kocht Andreas Stadler – mit Adressen wie »Goldener Hirsch« oder »Burg Vital« in seiner Vita – auch noch eine intelligente Mischung aus wallfahrtstauglicher Tradition und Zeitgenössischem. Wie »Vitello Forello«, rosa gebratenes Kalb in Räucherforellencreme mit Senfkaviar, roten Zwiebeln und frittierten Kapern, und dazu ein geniales Salzstangerl. Dann mürb geschmorte Lammschulter mit Bärlauchpolenta, Paprika und wieder – hier überflüssigen – roten Zwiebeln. Sonntags wird ein Brat’l ins Rohr geschoben. Kalbswiener, Kalbsrahmgulasch und Backhendl gibt’s immer. Hernach ist »Alles Topfen« eine sehr gute Wahl: Es kommt Tarte mit Topfencreme und eingelegten Weichseln. Das liebenswürdige Service führt Stadlers Partnerin Christina Schoyswohl. Die Miniweinkarte ist hoffentlich nur ein Startprogramm. Und dass hier das großartige Diözesanbier Augustiner aus Mülln in Strömen fließt, ist ohnehin klar.
5151 Nußdorf am Haunsberg
Österreich