Zwischen Tradition und neuer Handschrift: Bachls Kritik der »Bergdiele« in Oberösterreich
Die »Bergdiele« wurde dank zweier junger Herren eine neue Gourmet-Adresse in Leonding.
Wer sich im Umland von Linz nicht so genau auskennt – Leonding ist nicht irgendwo in Oberösterreich, sondern gleich an der Stadtgrenze der Landeshauptstadt und liegt nur wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt. Die dortige »Bergdiele« gilt als Hochfrequenz-Adresse in Sachen Betreiber. Nun nahmen sich zwei – Eigendefinition – »Mühlviertler Buam« der optisch eher schlichten Gastwirtschaft als neue »Dealer« an – Achtung, Wortspiel bezüglich »Diele«. Florian Gintenreiter machte sich im Lande einen Namen beim »Rahofer« in Kronstorf oder zuletzt im Linzer »Rosso«. Auch David Roither diente an allerlei besten Adressen. Das Resultat ergibt ein Problem: Bei vielen Speisekarten weiß man nicht so recht, was man nehmen könnte. Hier weiß man nicht, was man weglassen soll. Eine somit beste Lösung: das sechsgängige »Abendmenü« zu erfreulichen 95 Euro.
Sieht man einmal vom wahrscheinlich zu frischen und somit noch starren, geflämmten Zander ab – wohl dem sichtlichen Ansturm auf Linz’ neue spannendste Adresse geschuldet – werden hier Gerichte mit Eigenständigkeit und Charakter aufgetragen. Zu Cime di Rapa gibt’s cremiges Dotter, Ricotta und nicht penetrant eingesetzten Bärlauch, Bergamotte sorgt für eine zusätzliche Dimension. Mürb gekochte Rindszunge bekommt – kein Scherz – eine süßsaure BBQ-Lackierung, bei der reduziertes Cola eine Hauptrolle übernimmt, dazu jene Wildkräuter, die Wald und Wiese gerade hergeben – Brennnessel, Schafgarbe etc. Schräg und sehr gut: Steinbutt, Grammelschmalz, Räucherjoghurt, nochmals Bergamotte und – Gulasch. Bemerkenswert: die sorgfältig kuratierte Weinkarte und ihr menschliches Pendant Josef Hurmer – selten bekommt man Bouteillen mit so viel Herzblut empfohlen.