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© Robert Rieger

«100 Jahre Volkshaus Basel, das ist Verantwortung»

Jubiläum
Restaurant
Hotel
Basel

Vor hundert Jahren ein Ort für politische Debatten, ist das Volkshaus Basel inzwischen eine feste Grösse in Basels Gastro- und Kulturszene. Zum Jubiläum erzählt Küchenchef Kevin Kirchmaier, warum sich das Haus verändert hat – und sich trotzdem treu geblieben ist.

Wo heute mediterrane Brasserieküche serviert, Drinks in der eleganten «Imi Bar» eingeschenkt werden und Hotelgäste in stilvollen Zimmern übernachten, traf sich in den Jahrzehnten nach 1925 regelmässig die Arbeiterschaft. Das Volkshaus Basel war ein gesellschaftliches Zentrum, um über Politik zu debattieren und künstlerischen Aufführungen beizuwohnen.

Heute sind es keine politischen Reden mehr, die den Raum füllen, sondern das Klirren von Gläsern und die Gespräche der Gäste. Das Haus ist aber noch immer ein Ort für Kunst, Kultur und für die Bevölkerung. «Das Volkshaus Basel verbindet Historie und Moderne, Architektur, Kunst und Gastronomie – und ist damit ein echter Treffpunkt für alle», resümiert Küchenchef Kevin Kirchmaier.

«Was war, was ist und was bleibt»

Ähnlich wie früher finden in den vier Sälen des Hauses regelmässig Meetings, Konzerte, Lesungen, Theateraufführungen, private Feste und die Vorfasnachtsveranstaltung Charivari statt. «Jeder Einheimische kennt das Volkshaus Basel von einem Event und hat seinen eigenen emotionalen Bezug dazu.»

Der gebürtige Deutsche ist seit April 2024 für die Kulinarik verantwortlich und hat einen klaren Anspruch: Die Besucher:innen sollen die Gastfreundschaft und Vielfalt des Hauses auch auf dem Teller spüren. Mit nahbarer und ehrlicher Küche gelinge das am besten, ist Kirchmaier überzeugt. So finden die Gäste auf der Brasseriekarte viele französische Klassiker wieder, darunter das Rindstatar, Steak Frites oder – Kirchmaiers Lieblingsgericht – der Kalbshackbraten. «Es ist schön zu sehen, dass nicht immer alles neu erfunden werden muss und dass unsere Gäste auch das schätzen, was war, was ist und was bleibt.»

Eine besondere Neuigkeit liess sich der renommierte Koch aber nicht nehmen. Im Rahmen des Jubiläums hat er ein besonderes Gericht auf die Karte gesetzt: Tournedos Rossini. Das Rindsfilet mit Entenstopfleber und schwarzem Trüffel war zur Gründungszeit des Volkshaus Basel in Frankreich besonders gefragt – und auch die heutigen Brasseriegäste goutieren das Jubiläumsmenü. «Es ist ein Gericht, das nie aus der Zeit fällt und konstant überzeugt», findet Kirchmaier.

Das Jubiläum löst Erinnerungen aus

Nebst dem Herzen des Hauses, der Brasserie, besteht das Volkshaus seit 2020 auch aus einem eleganten Boutique-Hotel mit 45 Zimmern. Gestaltet hat es das bekannte Basler Architektenduo «Herzog & de Meuron», das auch schon den Umbau im Jahr 2011 durchführte. Damals erwarben die Gastronomie-Unternehmer Leopold Weinberg und Adrian Hagenbach das Traditionshaus mit dem Ziel, die ursprüngliche Identität des Hauses wiederzubeleben.

«Im Volkshaus Basel sind Kunst, Kultur und Kulinarik längst keine Einzelbereiche mehr. Sie bilden ein gemeinsames Ganzes», erklärt der Küchenchef. Um diese Vielfalt und die langjährige Geschichte zugänglich zu machen, hat das Volkshaus am 6. September 2025 seine Türen für die Bevölkerung geöffnet. Nebst kulinarischen Kostproben konnten die Gäste auch einen Blick ins Boutique-Hotel werfen und mit dem Team in Erinnerungen schwelgen.

Dass das Hundertjahr-Jubiläum auch in der Bevölkerung etwas auslöst, zeigt ein handgeschriebener Brief, den der Küchenchef und die General Managerin Manuela Voser vor ein paar Wochen erhalten haben. Der Absender ist ein Herr aus Luzern, der in den 50er-Jahren seine Kochlehre im Volkshaus Basel absolviert hat. Im Brief erzählt er von seiner Ausbildungszeit und schildert Erinnerungen ans damalige Haus. «Beim Lesen wurde mir erstmals wirklich bewusst, welche Geschichte und Bedeutung dieses Haus für so viele Menschen hat», erinnert sich Kirchmaier an den berührenden Brief. «100 Jahre – das ist nicht nur ein Jubiläum, das ist Verantwortung.»

Schon das reduziert-stylische Interieur in historischem Gemäuer ist ein guter Grund für einen Aufenthalt.
Rebgasse 12–14
4058 Basel
Schweiz
Noemi Bachofner
Noemi Bachofner
Autorin
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