Falstaff-Talk mit Mike Wehrle: «Vielfalt braucht eine klare Linie»
Mike Wehrle ist als Corporate Culinary Director des «Bürgenstock Resort» für eines der vielfältigsten Gastronomiekonzepte der Schweiz verantwortlich. Im Falstaff-Talk spricht er darüber, warum Internationalität nur funktioniert, wenn eine klare kulinarische Linie dahintersteht, wie man ein Team aus über 25 Nationen führt und welche kulinarischen Überraschungen 2026 bevorstehen.
Falstaff: Herr Wehrle, bei der vergangenen Edition ihrer Veranstaltung Chefs United gab es eine exklusive Zusammenarbeit mit Taste of Zermatt. Was ist für Sie der Geschmack dieser Destination?
Mike Wehrle: Zermatt schmeckt nach Authentizität, nach klarer Bergluft und ehrlicher Handwerkskunst. Ich habe im Vorfeld alle teilnehmenden Zermatter Köche persönlich besucht und überall war derselbe Geist zu spüren: Respekt vor den Produkten, Liebe zur Region und der Mut, Tradition mit Moderne zu verbinden. Bei Chefs United war das eindrücklich zu erleben: von einer Alpenzander-Ceviche mit Verjus über Ravioli von der selbst geschossenen Gams bis hin zu einer ganz gebackenen Rande – Gerichte, die pure alpine Küche verkörpern und Bodenständigkeit sowie Kreativität vereinen.
Was ist für Sie der Taste of «Bürgenstock Resort»?
Der Taste of «Bürgenstock Resort» ist weltoffen, elegant und doch fest in der Schweiz verwurzelt. Unser Resort vereint Küchen aus aller Welt, doch das Fundament bleibt die Schweizer Qualität. Wir verstehen uns als Plattform, auf der alpine Produkte und internationale Einflüsse in Einklang kommen. Dieses Zusammenspiel spiegelt sich in unserer kulinarischen Philosophie «Seven Kitchens» wider – jede der sieben Küchen hat ihre eigene Handschrift, doch gemeinsam erzählen sie die kulinarische Geschichte des «Bürgenstock Resort»: authentisch und immer auf höchstem Niveau.
Wie schaffen Sie es, bei all der Internationalität und Vielfalt im «Bürgenstock Resort» dennoch eine eigene kulinarische Handschrift zu bewahren, die Gäste wiedererkennen und mit dem Haus verbinden?
Vielfalt braucht eine klare Linie und Internationalität ist keine Beliebigkeit, sondern Charakter und Haltung. Jede Küche hat ihre eigene Handschrift, doch alle sind von denselben Werten von Qualität und Authentizität getragen. Im «Spices Kitchen & Terrace» feiern wir authentische asiatische Küche auf höchstem Niveau, der «Oak Grill & Pool Patio» steht für ehrliches Grillhandwerk mit Fokus auf Schweizer Produkte, das «Parisa» bringt die Finesse der persischen Küche ins Resort.
Wir arbeiten mit Teams aus über 25 Nationen, doch alle teilen dieselbe Philosophie: Respekt vor den Produkten, Leidenschaft für das Handwerk und die Verpflichtung, den Gästen ein unverwechselbares Geschmackserlebnis zu bieten. In meinem Buch «Seven Kitchens» fasse ich diese Haltung zusammen: eine kulinarische Sprache, die Vielfalt zulässt, ohne die eigene Identität zu verlieren.
Als Corporate Culinary Director verantworten Sie den gesamten Kulinarik-Bereich des Resorts. Was sind die grössten Herausforderungen in Ihrer Tätigkeit?
Die wahre Kunst liegt nicht nur im Kochen, sondern im Führen – und im Bewahren der Leidenschaft in einem grossen Team. Ich trage die Verantwortung für 12 Restaurants, Lounges & Bars und rund 95 Köchinnen und Köche. Die grösste Herausforderung besteht darin, diese Vielfalt zu bündeln und gleichzeitig ein gemeinsames Verständnis zu schaffen. Führung bedeutet für mich, Vertrauen aufzubauen, Talente zu fördern und ein Umfeld zu schaffen, in dem Kreativität wachsen kann.
Welche kulinarischen Projekte planen Sie für die Zukunft?
Stillstand ist der grösste Feind der Kreativität. Zum 1. November begrüssen wir Christian und Nathalie Scharrer neu in unserem Team – ein Duo, das für präzises Handwerk und authentische, produktfokussierte Küche steht. Gemeinsam entwickeln wir ein neues kulinarisches Konzept für das «Restaurant Verbena», das im Frühjahr 2026 lanciert wird. Darüber hinaus wollen wir unser kulinarisches Profil durch gezielte Kooperationen und Formate wie Chefs United weiter schärfen.
6363 Obbürgen
Schweiz