Falstaff-Talk mit Silas Weiss: «Ich wurde ins kalte Wasser geworfen – das hat mich stark gemacht»
Die Falstaff-Community hat Silas Weiss zum beliebtesten Nachwuchswinzer der Schweiz 2025 gewählt. Im Gespräch mit Falstaff spricht der 29-jährige Winzer über seine Philosophie, die Herausforderungen als alleiniger Betriebsleiter und die Zukunft seines Weinguts.
Falstaff: Silas Weiss, herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Votings um die beliebtesten Nachwuchswinzer:innen der Schweiz 2025! Wann hat deine Leidenschaft für den Weinbau begonnen?
Silas Weiss: Ich wusste schon mit 14 Jahren, dass ich etwas Praktisches machen wollte. Schule war nicht so mein Ding, also habe ich viele Berufe ausprobiert: Schreiner, Landwirt, Zimmermann, Landschaftsgärtner und Koch. Ein Winzer empfahl mir, bei der Weinlese vorbeizuschauen. Das habe ich dann gemacht und es hat mich sofort gepackt.
Der Beruf als Winzer vereint so viele spannende Aspekte: Handwerk, Landwirtschaft, Kulinarik und Natur. Ich bin in Neuchâtel aufgewachsen, einer Gegend mit vielen Weinbergen, daher hatte ich den Weinbau immer in meiner Umgebung. Während meiner Schnupperzeit habe ich gemerkt, dass dieser Beruf nicht nur vielseitig ist, sondern auch Raum für Kreativität und handwerkliche Präzision bietet. Das hat mich fasziniert.
Wie bist du zu deinem jetzigen Job als Betriebsleiter des Weinguts Riehen in Basel gekommen?
2018 habe ich für Ullrich im Weinverkauf gearbeitet. Dadurch bin ich mit dem Weingut Riehen in Kontakt gekommen. Jacqueline und Urs Ullrich sowie Edeltraut und Hanspeter Ziereisen, die dort schon involviert waren, schlugen mich für die Position vor. Die Zusammenarbeit mit Ziereisen war von Anfang an sehr inspirierend – er hat mich in viele traditionelle, aber auch minimalistische Weinbaupraktiken eingeführt. Es fühlte sich einfach richtig an, und so bin ich ins Weingut eingestiegen. Seitdem konnte ich mich stetig weiterentwickeln, 2019 die Betriebsleitung übernehmen und später Anteile am Unternehmen erwerben. Ab April werde ich mit 70 Prozent der Anteile Mehrheitsaktionär sein.
Was sind deine Aufgaben auf dem Weingut?
Ich bin für alles verantwortlich – vom Weinberg über die Kellerarbeit bis hin zur Organisation. Bei der Vermarktung unterstützt mich Ullrich. Ansonsten ist es ein Ein-Mann-Betrieb, das heisst, ich erledige alles selbst. Natürlich bekomme ich punktuell Unterstützung, aber die Hauptverantwortung liegt bei mir. Das macht meinen Job sehr abwechslungsreich, aber auch anspruchsvoll.
Du arbeitest also meistens alleine? Wie ist das für dich?
Zum Glück bin ich gut vernetzt und habe Winzerkollegen, mit denen ich während der Arbeit regelmässig und auch über längere Zeit telefoniere. Zudem bekomme ich in Spitzenzeiten Unterstützung, zum Beispiel bei der Lese oder bei speziellen Arbeiten im Keller. Insgesamt mag ich die Eigenverantwortung, weiss aber auch, wie wichtig es ist, sich mit anderen zu vernetzen und den Austausch zu suchen.
Wie würdest du deine Weinbau-Philosophie in wenigen Worten beschreiben?
Qualität vor Quantität – das ist für mich das Wichtigste. Unsere Reben sollen gesund wachsen und ihr Potenzial entfalten. Deshalb begrenzen wir den Ertrag bewusst auf 300 bis 800 Gramm pro Quadratmeter, je nach Lage. Wir setzen auf Totalbegrünung, damit sich die Reben mit der Umgebung arrangieren und auf natürliche Weise regulieren können. Unsere Weine vergären spontan, reifen zwei Jahre im Holzfass und werden unfiltriert abgefüllt. So bleibt der Charakter der Trauben und des Terroirs bestmöglich erhalten.
Was bedeutet es, Jungwinzer zu sein? Was sind die Herausforderungen?
Es ist eine grosse Chance, aber auch eine grosse Herausforderung. Ich wurde mit 23 ins kalte Wasser geworfen, was mir unglaublich viel Erfahrung gebracht hat. Man muss flexibel sein und jedes Jahr aufs Neue dazulernen, weil sich die Bedingungen ständig ändern. Das macht den Beruf aber auch so spannend.
Was würdest du jungen Winzer:innen raten?
So viele Erfahrungen wie möglich zu sammeln, auch international. Meine Zeit in Kalifornien hat mir sehr geholfen, und ich hätte gerne noch mehr Regionen wie zum Beispiel das Burgund in Frankreich kennengelernt. Sich selbstständig zu machen ist eine riesige Herausforderung. Es kostet viel Zeit, Kraft und Durchhaltevermögen. Aber wenn man es mit Leidenschaft macht und sich gut vernetzt, kann es unglaublich erfüllend sein.
Wo siehst du dich und dein Weingut in fünf bis zehn Jahren?
Als Winzer und Mehrheitsaktionär der Weingut Riehen AG möchte ich mich langfristig an die Gemeinde Riehen binden. Wir befinden uns derzeit in Gesprächen mit der Gemeinde, weil wir die historische Schenkelscheune übernehmen möchten. Unser Ziel ist es, langfristig eine nachhaltige Lösung zu schaffen, die es uns ermöglicht, alle Bereiche des Weinguts unter einem Dach zu vereinen und gleichzeitig Potenzial für Wachstum zu schaffen. Dieser Schritt würde nicht nur unserem Betrieb zugutekommen, sondern auch der Gemeinde Riehen einen Mehrwert bieten. Der Rebbau hat hier eine lange Tradition und ist ein wichtiger Bestandteil der lokalen Identität. Mit einer Verlagerung in die Schenkelscheune könnte mehr Raum für öffentliche Veranstaltungen, Degustationen und Begegnungen geschaffen werden – ein Ort, an dem Weinbau und Gemeinschaft zusammenkommen.
Danke für das Gespräch, Silas Weiss.