Moynihan Train und Food Hall
Wer den Geschmack von New York entdecken will, muss nicht unbedingt mit Taxi oder U-Bahn durch die Stadt fahren. Ein Abstecher in die Moynihan Train Hall im Herzen von New York City bietet die ganze Bandbreite der kulinarischen Genüsse des Big Apple - auf wenigen Metern.
Sushi-Chef Dan füttert den kleinen Küchenroboter mit Reis. Je nach Einstellung der Maschine kommen Sekunden später Nigiri, also kleine Reisröllchen heraus. Anschließend belegen die Sushi-Köche die kleinen Röllchen mit rohem Fisch oder Meeresfrüchten. Angesichts der schieren Menge an Sushi, die täglich bei Yono Sushi by Bond Street in der Moynihan Train Hall über die Theke geht, musste sich Küchenchef Marc Spitzer etwas einfallen lassen, um den fünf Sushi-Köchen die Arbeit zu erleichtern. »Es ist wichtig, dass alles superfrisch ist! Schließlich steht unser Name drauf.« Yono Sushi gehört zu BondST, einem eleganten japanischen Restaurant in Downtown Manhattan, das für seine kreative Küche bekannt ist. Und Yono Sushi ist einer der jüngsten Neuzugänge in der Moynihan Food Hall. Wer Glück hat, ergattert einen der begehrten Barstühle an der Sushi-Theke und kann den Köchen beim Vorbereiten der Speisen zuschauen.
Top Qualität
In der lichtdurchfluteten, 30 Meter hohen Passagierhalle des ehemaligen Postgebäudes, gegenüber der dunklen alten Penn Station unter dem Madison Square Garden, lassen sich Geschäftsleute, Touristen und Pendler gleichermaßen mit hochwertigen Speisen zum Verweilen oder zum Mitnehmen verwöhnen. Auch viele Banker gehen hier essen. Denn seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 haben sich Banken und Brokerfirmen vor allem in Midtown angesiedelt. Und direkt in dem historischen Gebäude hat auch der Social-Media-Riese Facebook (Meta) eine riesige Bürofläche gemietet. »Da kommt es schon mal vor, dass eine Firma mittags allein 60 Boxen Sushi zum Lunch bestellt«, erzählt Spitzer. Insgesamt verkauft Yono Sushi in der Moynihan Train Food Hall täglich mehr als 1.000 Sushi-Boxen, Hunderte von Tempura-Gerichten und »Hot Rice Balls«. Alles in bester Qualität.
Wer keine Lust auf japanisches Essen hat, findet hier auch andere leckere, frisch zubereitete Snacks. Mit Vertretern der bekanntesten Restaurants der Stadt kann man hier bequem auf einer Ebene New York verkosten. New York ist, wie man so schön sagt, ein Schmelztiegel der Nationen und Küchen. Dementsprechend groß ist die Auswahl: vom alten, traditionellen Familienbetrieb bis zum instagrammable Food and Beverage Store. Hier treffen sich auch viele New Yorker vor einem Konzert oder einem Spiel im Madison Square Garden.
The »Real Deal«
Unweit von Yono Sushi kommen Pastrami-Liebhaber auf ihre Kosten: Der »eingefleischte« New Yorker Starkoch Anthony Bourdain nannte einst die Sandwiches von Pastrami Queen zu Lebzeiten »the real deal«. Der Zeitschrift Variety sagte er einmal: »Das erste, was ich esse, wenn ich nach New York zurückkehre, ist ein Pastrami-Sandwich. Pastrami Queen hat ein wirklich gutes Pastrami-Sandwich – wenn nicht das beste.« Der jüdische Feinkostladen mit Pastrami der Spitzenklasse war früher in Kew Gardens, Queens, zu Hause – daher der Name. Heute gibt es die kultigen Sandwiches am Central Park, auf der Upper East und Upper West Side und jetzt auch hier.
Das Rezept, das seit fast sieben Jahrzehnten immer wieder verfeinert wird, ist streng geheim, nur so viel sei verraten: Rinderbrust wird gepökelt, gewürzt, getrocknet und geräuchert. Vor Ort wird das Fleisch stundenlang geschmort, bis es zart genug ist. Schließlich wird die Pastrami von Hand in dünne Scheiben geschnitten. Das berühmte heiße Pastrami-Sandwich wäre nicht komplett ohne zwei Scheiben frisches Roggenbrot von Orwashers Bakery, ein Grundnahrungsmittel der Upper East Side. Preis: rund 17 Euro für ein Sandwich, das garantiert satt macht. Auf Wunsch gibt es für Figurbewusste extra mageres Fleisch (gegen Aufpreis) oder gerne auch mehr Fleischscheiben oder Sauerkraut.
»Alles koscher«
»Zu unseren Klassikern gehören auch Pastrami Egg Rolls und Knishes«, erzählt Geschäftsführer Mo. »Natürlich alles koscher, vom Rabbi gesegnet.« Die Pastrami Egg Rolls sind das Ergebnis einer Fusion aus jüdischer und chinesischer Küche. Hier wird die beliebte chinesische Vorspeise statt mit Gemüse und Fleisch mit Pastrami gefüllt, aufgerollt und knusprig goldbraun frittiert. Die Kombination aus zarter, würziger Pastrami und knusprigem Teig macht diese Spezialität zu einem herzhaften und leckeren Snack. Wer mag, kann sie mit einer Senfsauce genießen. Die ebenfalls sehr beliebten Kartoffelknish sind herzhafte Teigtaschen, die mit einer Mischung aus Kartoffelpüree, Zwiebeln und Gewürzen gefüllt sind. Es gibt auch Spinat- oder Fleischfüllungen.
Schmelztiegel der Nationen
Im Naya gibt es zum Beispiel frische, leckere libanesische Spezialitäten mit Gemüse, Getreide und gut zubereitetem Hähnchen-Shawarma oder Lamm-Kafta sowie Hummus, Taboulé und Baba Ghanouj. Und ganz amerikanisch gibt es natürlich auch Burger. Aber nicht irgendwelche, sondern die vom Burger Joint. Der allererste Burger Joint entstand nur mit dem Neonbild eines Burgers ausgeschildert, hinter einem samtroten Vorhang im ehemaligen Le Parker Meridien (heute: Das Thompson Central Park Hotel). In der Food Hall gibt es keinen Samtvorhang, aber auch hier stehen die New Yorker Schlange. Vor allem wegen der saftigen Burger aus frischem, hormonfreiem Prime Angus Beef direkt vom Fleischhauer. Frische Patties, von Hand gepresst, ohne große Gewürze über dem Feuer gegart. Serviert mit rohen Zwiebeln, Salat und Tomaten für neun Euro.
»Sex and the City«
In der Moynihan Train Hall finden sich auch andere bekannte Namen wie die »Magnolia Bakery«. Die kleine Bäckerei war einer der Pioniere des Cupcake-Booms, der Anfang der 2000er Jahre einsetzte. Vor allem die Fernsehserie »Sex and the City« machte die »Magnolia Bakery« weltweit bekannt, nachdem eine der Hauptfiguren, Carrie Bradshaw (Sarah Jessica Parker), in einer Folge die leckeren und kunstvoll verzierten Cupcakes der Original-Bäckerei im West Village verspeiste. Wer es besonders eilig hat - die berühmten Cupcakes und der Bananenpudding können auch vorbestellt werden...
Die besten Bagels
Bagels gehören zu New York wie die gelben Taxis. Und das führt oft zu Diskussionen darüber, wer die besten macht. Die Hefeteigkringel sind ein Klassiker der jüdisch-amerikanischen Küche; es gibt sie süß und herzhaft, und vor dem Backen werden sie blanchiert, also kurz in Wasser gekocht. Die wohl bekanntesten Hersteller sind H&H Bagels, die 1972 mit dem Backen begannen. Noch heute punkten sie mit ihrem Originalrezept. Sie werden kurz im Kessel gekocht, mit kaltem Wasser abgeschreckt und im Ofen gebacken. (Drehen Sie einen um: Wenn es unten ein Gittermuster hat, wurde es zuerst gedämpft und nicht gekocht). Die Filiale hier bietet eine Auswahl der traditionellen Bagelsorten mit klassischem Frischkäse, pur oder verfeinert mit Cream Cheese, Lachs, Gemüse oder Rosinen für 8,50 Euro an. Eine komplette Mahlzeit eben.
»Oh là là!«
Apropos Bäckerei: Lust auf leckere französische Croissants? Dann auf zu Maman! Das Flaggschiff-Café liegt im angesagten Soho, Aber auch hier in der Train Hall erkennt man die charmante Bäckerei sofort an den charakteristischen Pappbechern im filigranen blau-weißen Design, das sich sogar auf der Espressomaschine fortsetzt. Bei Mamam gibt es nicht nur Croissants und leckere Sandwiches, sondern auch herzhafte Breakfast Bowls, Suppen und Salate.
Aber es sind die Kekse – insbesondere der nussige Schokoladenkeks mit Mandeln, Macadamianüssen, Walnüssen, Zartbitterschokolade und einer Prise Meersalz – die es auf die begehrte Liste »Oprah’s Favourite Things« der Talkshow-Moderatorin geschafft hat. Dazu gibt es eine große Auswahl an Kaffeespezialitäten – sehr übersichtlich auf einer großen Tafel erklärt, damit man weiß, was man bestellt (und wahrscheinlich nicht zu viele Fragen stellt). Neben Espresso und Cappuccino gibt es zum Beispiel einen Mocha (doppelter Ristretto mit Kakao und geschäumter Milch), einen Honey Lavender Latte (drei Schuss Espresso mit hausgemachtem Honig-Lavendel-Sirup und Milch) oder eine Lavender Hot Chocolate.
Alles Matcha?
Oder doch lieber einen Matcha Latte? Cha Cha Matcha ist eines der Instagram-tauglichsten Teehäuser der Stadt und nur ein paar Schritte entfernt. Der in Pink und Grün gehaltene Eckladen mit Glaswänden und viel hellem Holz sieht aus wie ein riesiges Barbie-Puppenhaus, zum Reingehen, Staunen und... Probieren. Die Auswahl ist groß: von Matcha Latte über Matcha Lemonade bis hin zum Purple Drink, einer Mischung aus CBD, Lavendel, Ube (violette Süßkartoffel) und einem Schuss Matcha. Mit seinem kräftigen, grasigen Aroma und seiner leuchtend hellgrünen Farbe ist dieser spezielle Grüntee in den letzten Jahren zum Trendgetränk der gesundheitsbewussten New Yorker geworden. Denn Matcha enthält nicht nur Koffein, sondern auch eine hohe Konzentration an Antioxidantien und ist reich an Vitaminen und Mineralstoffen.
Und weil die New Yorker es meist eilig haben, gibt es Matcha in der Moynihan Train Hall auch aus dem Zapfhahn. »Das ist unser beliebtester Matcha-Drink, mit Hafermilch und einem Hauch Vanille,« erklärt Chris Strickland von Cha Cha Matcha. »Wir importieren den grünen Tee direkt aus Uji in Japan, der führenden Teeregion, nachdem der japanische Kaiser traditionell die erste Ernte erhalten hat. Der Tee hat Ceremonial Grade.« Das bedeutet, dass der Matcha oft von den oberen Blättern junger Teesträucher stammt, die im Schatten wachsen. Sie werden sorgfältig ausgewählt und gepflückt. Der Geschmack ist eine ausgewogene Kombination aus süß, bitter und umami. Die Teeblätter werden traditionell mit Steinmühlen zu einem gleichmäßigen, feinen Pulver gemahlen. »Wir machen immer nur ein paar Päckchen von diesem Matcha-Pulver auf, so ist der Grüntee immer frisch.«
Bei bis zu 400 Matcha-Getränken am Tag dürfte ohnehin nie etwas lange stehen bleiben. Das Pulver wird mit temperiertem Wasser aufgegossen und mit einem kleinen Bambusbesen schaumig gerührt. Erst im Zickzack, dann in Form einer Acht, der japanischen Glückszahl. So entsteht ein besonders feiner Schaum, das Aroma wird intensiver. Ein »DirtyMatcha« (mit Espresso ) steht zwar nicht auf der Getränkekarte, »wird aber auf Wunsch gerne zubereitet,« versichert Chris. Für alle, die auf das Koffein der Bohne nicht verzichten können…
Der trendige Cha Cha Matcha Teeshop ist eine der am schnellsten wachsenden Teehaus-Ketten in New York und wird von Matthew Morton, Sohn des bekannten Gastronomen Peter Morton und Mitbegründer des »Hard Rock Cafés«, geführt. Cha Cha Matcha bietet nicht nur höchste Qualität, sondern hat es mit seinem einzigartigen und farbenfrohen Design auch geschafft, mit Designern und Unternehmen wie Versace, Virgil Abloh, Nike oder Tiffany zusammenzuarbeiten.
Na dann, Prost!
Andere Läden bieten frisch gepresste Säfte oder, wie Threes Brewing, spezielle Biere an. Die in Brooklyn ansässige Brauerei bietet eine breite Palette von Lager- bis Hopfenbieren an. So weit, so normal. Außergewöhnlich sind die Namen und die verschiedenen Geschmacksrichtungen. »An der Wand hängen die Tasting Notes für jedes einzelne Bier. Wir machen das so, wie ein Sommelier im Restaurant einen Wein beschreibt«, erklärt Manager Ken. Von Temporary Identity über All or Nothing bis hin zu Passing Times hat der Gast die Qual der Wahl. »Unser Klassiker ist Logical Conclusion, ein IPA«, sagt Ken. »Es schmeckt wie eine Mischung aus reifen Pfirsichen, Gushers (eine Art Fruchtgummi), flaumigem Weizen, Nadelbäumen und weißen Mineralien.« Wer ein mildes Bier sucht, dem empfahl das Wall Street Journal einmal das »Theatre of the Absurd«von Threes Brewing: »Geschmack wie Cherry Cola, aber trocken im Abgang.« Na dann, Prost. Brauhandwerk mit modernem Touch - das scheint immer mehr Bierliebhabern zu schmecken. Threes Brewing gibt es mittlerweile in über 700 Bars, Restaurants und Läden im gesamten Bundesstaat New York und in mehr als 30 Staaten der USA.
Noch mehr Snack-Alternativen?
E.A.K. Ramen stammt aus Japan und ist in Asien mit 500 Geschäften in mehreren Ländern vertreten. Lekei Ramen ist eine Mischung aus Schweine- und Hühnerbrühe im Kyushu- und Tokio-Stil. Seit E.A.K. 2017 mit der 18 Stunden kochenden Brühe und einer eigenen, geheimen Nudelsorte nach New York kam, sind die Gerichte auch hier sehr beliebt.
Alidoro wurde 1986 im New Yorker Stadtteil Soho eröffnet und bietet das ultimative italienische Sandwich. Mittlerweile umfasst das Angebot 40 verschiedene Sorten, wobei alle Zutaten täglich frisch zubereitet werden. Im Moynihan gibt es unter anderem das Italian Cheesesteak aus in Rosmarin geschmortem Roastbeef, sautierten Champignons, Provolone, Trüffelcreme und schwarzem Knoblauchsenf sowie die Fratelli aus Porchetta, Basilikumpesto, frischem Mozzarella, pikantem Aufstrich, süßer gegrillter Paprika und Rucola.
Die Sauce Pizzeria serviert mit Sicherheit eine der besten Pizzen der Stadt, mit perfekt knuspriger Kruste und süßem Marinara-Boden. Auch die Beilagensaucen sind ein Highlight und geben dem Restaurant seinen Namen. Lassen Sie sich von dem Wort »Pie« nicht irritieren. Pie wird für Pizza verwendet, weil es die traditionelle runde Form der Pizza bezeichnet, die an einen Kuchen (engl. pie) erinnert. Besonders beliebt ist z. B. der Wodka Pie mit dünner Kruste und Mantecato-Sauce (cremige Textur durch Butter oder Olivenöl), geschnittenem Mozzarella, Parmesan und hausgemachten Semmelbröseln. Beliebt sind auch Pepperoni Pie oder Cheese Pie.
Im Vesuvio hat man die Qual der Wahl. Frisches, leckeres Brot, ein Stirato für ca. $4 (italienisches Baguette, superaromatisch und luftig, ohne Öl oder Butter) oder Focaccia. Apfelkuchen, einen Salat, ein Caprese-Sandwich ($12,25) oder eine Cheese Pizza Focaccia ($6). Aber hier sollte man sich wirklich auf das konzentrieren, was Vesuvio besser kann als jeder andere in der Food Hall: Brot. Vesuvio weiß, wie es geht: Nach über einem Jahrhundert in Soho ist die Bäckerei ein fester und kultiger Bestandteil der City.
Mehr als Gurken
Ach ja, und Jacob’s Pickles. Man muss nicht ins Flagship-Restaurant auf der Upper West Side gehen, um die Southern Comfort Classics zu probieren. Jacob's bietet allerdings viel mehr: Beer - Biscuits - Pickles lautet das Motto. Ideal auch zum Brunch: Vom Buttermilk Biscuit Breakfast Sandwiches mit Eiersoufflé und geschmolzenem Käse bis hin zu Nashville Hot Chicken. Und für alle, die von Gurken nicht genug bekommen können, gibt es veganes Gurkeneis.
One for the Road
Von den Gleisen hier fahren zwar keine Züge nach Dublin. Aber einen Hauch von Irland gibt es in der Moynihan Train Hall, deren Gründer aus einer irisch-katholischen Familie stammte. »The Irish Exit« ist eine neue Bar von Jack McGarry, Mitbegründer des legendären Dead Rabbit. Das preisgekrönte Irish Pup im Financial District wurde einmal als »beste Bar der Welt« bezeichnet.
Die mit amerikanischem Nussholz und poliertem Messing verkleidete Hauptbar erinnert an die großen Bahnhöfe des letzten Jahrhunderts. Manchmal sorgt ein DJ für den richtigen Sound. Die Highlights: Irish Cawfee für umgerechnet 15 Euro und Guinness vom Fass (zehn Dollar). Oder der »Out of Office«-Drink - mit Boatyard Vodka, Filthy Olive Juice und Oliven. Sozusagen one for the road... »The Irish Exit« mit garantiert lässiger Musik ist von zehn Uhr morgens bis Mitternacht geöffnet. Praktisch, denn irgendwo fährt immer ein Zug...
Die Geschichte der Moynihan Train Hall
In Midtown Manhattan, direkt gegenüber der Pennsylvania Station und dem berühmten Madison Square Garden, befindet sich die Moynihan Train Hall im ehemaligen Hauptpostamt, einem der Wahrzeichen New Yorks. Die imposante Hauptfassade des historischen Gebäudes mit der korinthischen Kolonnade ist nicht zu übersehen.
Über den gewaltigen Säulen prangt die Inschrift: „Weder Schnee noch Regen, weder Hitze noch nächtliche Finsternis können diese Kuriere davon abhalten, ihre vorgeschriebenen Runden schnell zu beenden“. Wer sich die Innendecke der vorderen Empfangshalle genauer ansieht, entdeckt Wappen oder Embleme von zehn Nationen, die zur Zeit der Fertigstellung des Gebäudes für den Postverkehr von Bedeutung waren. Darunter auch das Wappen Österreich-Ungarns, das zu den Gründungsmitgliedern des Weltpostvereins (UPU) gehörte, der nach der Jahrhundertwende ins Leben gerufen wurde.
Das imposante Gebäude (auch bekannt als James A. Farley Building) ist im National Register of Historic Places eingetragen. Laut „The Landmarks of New York“ wurde es von William Mitchel Kendall für McKim, Mead & White im neoklassizistischen Stil entworfen, der während des Gilded Age (der wirtschaftlichen Blütezeit der USA nach dem Sezessionskrieg) sehr beliebt war. Es wurde 1911-1914 aus rosa Granit und Marmor erbaut - typisch für den Beaux-Arts-Stil, der sich zu dieser Zeit von Frankreich nach Amerika ausbreitete. 1934 wurde es von Postmeister James A. Farley erweitert.
Anfang der 1990er Jahre setzte sich US-Senator Daniel Patrick Moynihan für den Umbau des ehemaligen Hauptpostamtes in einen Bahnhof ein, um die Penn Station zu entlasten, die derzeit täglich von mehr als 650.000 Pendlern und Reisenden frequentiert wird. Doch erst 2021 sollte die neue Moynihan Train Hall mit U-Bahn-Anschluss die Penn Station entlasten. Für das imposante, preisgekrönte Glasdach des Verkehrsknotenpunktes wurde die bayerische Firma Seele beauftragt. Jedes der einzelnen Bauteile und Elemente ist ein Unikat. Die Stahl-Glas-Konstruktion des Kuppeldaches erstreckt sich über mehr als 5.000 Quadratmeter und bringt viel Tageslicht in das historische Gebäude.
Heute beherbergt das Farley Building nicht nur die Moynihan Train Hall, sondern auch verschiedene Büros, von denen der US-Internetriese Meta Platforms mit 68.000 m2 den Löwenanteil belegt. Die Train Hall dient als Erweiterung der Penn Station zur Verbesserung des Zugverkehrs von und nach Manhattan und ist unterirdisch mit dieser verbunden.